APA - Austria Presse Agentur

Neue Staatsopern-Direktion tauscht das Repertoire aus

26. Apr 2020 · Lesedauer 4 min

Zehn Premieren stehen in der ersten Spielzeit der Wiener Staatsoper unter der Direktion Bogdan Roscic an. Ob sie tatsächlich wie geplant am 6. September beginnen kann, ist angesichts der Coronakrise zwar nicht ausgemacht - aus dem vorgelegten Programm, das Roscic am Sonntag auf ORF III präsentiert, wird aber klar: Bereits im ersten Jahr sollen wichtige Säulen des Repertoires ausgetauscht werden.

Zehn Premieren stehen in der ersten Spielzeit der Wiener Staatsoper unter der Direktion Bogdan Roscic an. Ob sie tatsächlich wie geplant am 6. September beginnen kann, ist angesichts der Coronakrise zwar nicht ausgemacht - aus dem vorgelegten Programm, das Roscic am Sonntag auf ORF III präsentiert, wird aber klar: Bereits im ersten Jahr sollen wichtige Säulen des Repertoires ausgetauscht werden.

Mozart, Wagner, Verdi, Puccini: An einem Haus wie der Wiener Staatsoper mit seinen 350 Vorstellungen pro Jahr und seinen rund 130 Produktionen im Köcher bilden sie den Sockel des allabendlichen Geschehens. "Madama Butterfly", "Die Entführung aus dem Serail", "La Traviata", "Carmen", "Parsifal" heißen einige der Premierenabende, mit denen Bogdan Roscic, der keine offene Kritik an der Staatsoperndekade seines Vorgängers ausspricht, möglichst rasch für ein neues Basisprogramm am Haus sorgen will.

Um auf diese Menge zu kommen, setzt die neue Direktion stark auf Übernahmen aus anderen Häusern sowie auf Koproduktionen. Eröffnet wird der Reigen laut Plan durch die in London und New York seit 2005 mit großem Erfolg gespielte "Butterfly" des 2008 verstorbenen Anthony Minghella mit Sopranstar Asmik Grigorian in der Hauptrolle, gefolgt von Hans Neuenfels' ikonischer Fassung der "Entführung" aus der Stuttgarter Oper (1998) und Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von "Eugen Onegin" aus Moskau.

Calixto Bieitos "Carmen" wurde seit 1999 auf 29 Bühnen weltweit gezeigt, Barrie Kosky inszenierte "Macbeth" ursprünglich für Zürich. Beide Regisseure kehren danach mit neuen Arbeiten zurück: Bieito wird 21/22 "Tristan und Isolde" erarbeiten, Kosky startet mit dem "Don Giovanni" eine neue Da-Ponte-Trilogie. Die nun nach Wien geholten Produktionen gastieren nicht, sie werden für die hiesigen Bedingungen adaptiert, neu einstudiert und gehen ins Repertoire über. In den weiteren Spielzeiten soll es dann verstärkt Eigenproduktionen geben.

Die erste neue Eigenproduktion hat am 13. Dezember Premiere und ist Hans Werner Henze gewidmet. "Das verratene Meer" ist eine Erstaufführung am Ring, Jossi Wieler und Sergio Morabito inszenieren, Simone Young dirigiert, und mit Vera-Lotte Boecker wird ein Neuzugang im Solistenensemble in der Hauptrolle vorgestellt. Die zweite großen Eigenproduktion ist ein neuer "Parsifal": Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Philippe Jordan singen Jonas Kaufmann und Elina Garanca, die ihr weltweites Debüt als Kundry gibt, Regie führt Kirill Serebrennikow, der Russland aktuell nicht verlassen darf.

"La Traviata" mit Pretty Yende als Violetta ist als Koproduktion mit der Pariser Oper die erste Arbeit von Simon Stone am Haus, in der nächsten Saison folgt sein "Wozzeck". "Faust" in der Regie von Frank Castorf ist eine Koproduktion mit der Stuttgarter Oper, "L'incoronazione di Poppea" hat als Koproduktion in der Regie von Jan Lauwers in Salzburg bereits 2018 Premiere gehabt. In Wien wird der Concentus Musicus im Orchestergraben spielen und so die unter Dominique Meyer begonnene Tradition barocker Werke mit Gastorchestern fortsetzen.

Zu den hervorstechenden Wiederaufnahmen zählen "Elektra" in der zwischenzeitlich eigentlich abgelösten Inszenierung von Harry Kupfer und mit der Rückkehr von Franz Welser-Möst ans Dirigentenpult, die französische Urfassung von "Don Carlos" mit Ildar Abdrazakov und Jonas Kaufmann und "Le Nozze" in der ebenfalls zwischenzeitlich abgelösten Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle. Otto Schenks "Rosenkavalier" wird musikalisch neu einstudiert.

Einen Neustart bedeutet die neue Direktion auch für das Ballett der Staats- sowie der Volksoper, das mit Martin Schläpfer nunmehr nicht nur einen neuen Direktor, sondern auch einen Chefchoreografen erhält. Dementsprechend viele Kreationen Schläpfers stehen auch auf dem Saisonprogramm. Im großen Haus stellt er sich mit einer Uraufführung vor: "4" zur vierten Symphonie Gustav Mahlers bringt sämtliche Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie in einer Arbeit zusammen. Aber auch das Prinzip dreiteiliger Abende behält Schläpfer mitunter bei, etwa bei "Tänze Bilder Sinfonien", wo Arbeiten von Balanchine und Ratmansky neben der Uraufführung seiner eigenen Kreation zu Schostakowitschs Fünfter stehen.

Quelle: Agenturen