APA/Öst. Gallerie Belvedere

Neue Kulturinstitution in New York eröffnet mit Gustav Klimt

14. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Für alle Gustav-Klimt-Fans, die einst in der Neuen Galerie auf der Upper East Side von New York für ein Selfie vor "Adele Bloch-Bauer I" Schulter an Schulter standen, gibt es im Sommer mehr Möglichkeiten, in den Gemälden von Gustav Klimt geradezu zu baden. "Klimt, Gold in Motion" heißt die Ausstellung, die ins Tribeca-Viertel kommt, und zwar in New Yorks erstes permanentes, immersives Kunstzentrum.

Die Kunstwelt mag vielleicht noch zögern, immersive Kunsterfahrungen als "Kunst" zu akzeptieren, aber Bildern, die unsere Social-Media-Feeds täglich durchtränken, machen es fast unmöglich, sie zu ignorieren. Sie sind nicht neu. Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama debütierte bereits 1965 mit ihrem ersten "Infinity Mirror Room". Aber vor dem Hintergrund der Pandemie hat sich eine neue Industrie aufgetan. In Dutzenden von Städten weltweit sind leuchtende, digitale Kunsträume wie Schwammerl aus dem Boden geschossen. Gäste werden dabei in Videoprojektionen wie eine Art 360-Grad-IMAX getaucht. Für gewöhnlich sind es Pop-ups, aber jetzt kommt ein solcher Raum als permanente Institution in den USA dazu.

Die älteste Sparkasse in New York City ("Emigrant Industrial Savings Bank"), eines der ersten im Beaux-Arts-Stil erbauten Hochhäuser gegenüber dem Rathauspark, wird in ein riesiges Zentrum für maßgeschneiderte, immersive Kunsterlebnisse namens "Hall des Lumières" umgebaut. Das Kunstzentrum ist eine Initiative von Culturespaces, dem französischen Unternehmen, das für die Gründung des "Atelier des Lumières" bekannt ist, zu sehen in Episode 5 der Netflix-Serie "Emily in Paris", in der die amerikanische Heldin in einer instagramwürdigen Sternennacht von Vincent van Gogh badet.

Die Filiale in Manhattan nutzt das gleiche Konzept, mit Werken der berühmtesten Künstler der Welt, die in monumentalem Maßstab animiert und vertont werden. Die Eröffnungsinstallation wird sich auf den österreichischen Maler Gustav Klimt konzentrieren. "Gustav Klimt: Gold in Motion" wird als "Themenreise durch die goldene, sinnliche und revolutionäre Kunst des Wiener Malers" beschrieben. Die animierten Projektionen, das Projekt des Italieners Gianfranco Iannuzzi, werden auch von Werken des heimischen bildenden Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser, begleitet.

Klimts "Der Kuss", "Judith I", "Lebensbaum", "Adele Bloch-Bauer I" und "Dame mit Fächer" gehören zu den Werken, die auf der Website der Ausstellung zu sehen sind und auf die Marmorwände, hoch aufragende Säulen, Buntglas und gewölbten Decken, abgebildet werden. Der Betrachter kann so den "Kuss" aus dem Belvedere, eines der kultigsten Jugendstil-Gemälde und wohl eines der romantischsten Kunstwerke, die je geschaffen wurden, nicht nur betrachten, er wird vielmehr Teil davon.

Dabei ist "Klimt, Gold in Motion" nur eines von vielen immersiven Kunsterlebnissen der jüngsten Zeit. Werke von Pablo Picasso, Frida Kahlo, Claude Monet und Leonardo da Vinci wurden digitalisiert und in Pop-ups von Wien bis Chicago gezeigt. Immer mehr Menschen wollen Kunst nicht nur auf Wänden sehen, sie wollen ein Teil der Kunst sein. Und Firmen wie Culturspaces, Meow Wolf, Exhibition Hub und teamLab, haben das erkannt. Es ist ein großes Geschäft. Laut dem Jahresbericht 2020 des HERE Institutes über die immersive Unterhaltungsindustrie wurde der Sektor Anfang 2020 mit mehr als 61,8 Milliarden US-Dollar bewertet - ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber 49,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019.

Vergangenen Sommer wetteiferten in New York City sogar zwei Van-Gogh-Lichterlebnisse simultan um die Menge. Die Titel der beiden waren so ähnlich ("Van Gogh: The Immersive Experience" und "Immersive Van Gogh Experience New York"), dass die Leute zum Teil nicht wussten, für welche Ausstellung sie Tickets gekauft hatten. In etwa 40 Räumen fanden zeitgleich in den USA ähnliche Shows statt, die dem beliebten Post-Impressionisten gewidmet waren, so auch in Wien noch bis 8. März in der METAstadt.

Es wird heuer auch noch mindestens eine andere, immersive Klimt-Ausstellung in New York City geben mit dem Titel: "Klimt: The Immersive Experience", von den gleichen Schöpfern, die auch "Van Gogh: The Immersive Experience" in die Stadt gebracht haben. Es sind also genug Küsse für alle da. Die Hall des Lumières indes wird alle 10 bis 12 Monate eine neue Installation zeigen, wobei die Eröffnungsdaten für "Klimt, Gold in Motion" in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden sollen.

(S E R V I C E - www.halldeslumieres.com)

Quelle: Agenturen