APA - Austria Presse Agentur

Museum Joanneum retournierte Marmorskulptur an Libyen

08. März 2021 · Lesedauer 2 min

Das Universalmuseum Joanneum hat einen weiblicher Porträtkopf aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. an Libyen zurückgegeben. Der Marmorkopf war 1967 in der Steiermark aufgetaucht und vom Museum erworben worden. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte sich die sogenannte "Faustina" im Museum von Apollonia in Libyen befunden. In der Vorwoche wurde die Skulptur dem libyschen Botschafter übergeben, wie das Universalmuseum am Montag mitteilte.

Die genauen Umstände, wie das Kunstwerk , das zwischen 175 und 190 n. Chr. im antiken Apollonia in der Kyrenaika (das heutige Susah in Libyen, Anm.) entstanden sein dürfte, seinen Weg in die Steiermark fand, bleibt im Dunkeln. Fest steht, dass der weibliche Porträtkopf 1967 in Unterpremstätten aufgetaucht ist und vom damaligen Landesarchäologen Walter Modrijan um 7.000 Schilling für das damalige Landesmuseum Joanneum erworben wurde. 1969 publizierte er einen ersten Bericht zum rätselhaften Fund. Die exzellente Qualität ließ Gutachter darauf schließen, dass der "Kopf vom Kaiserwald" kein einheimisches Erzeugnis sein konnte.

1973 gelang es einem deutschen Archäologen, den Kopf mit einer in der Basilika von Apollonia gefundenen und seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Porträtplastik gleichzusetzen. Im Zuge der Restitutionsforschungen des Universalmuseum kam der Fall wieder ans Licht. Die rechtliche Prüfung des Landes Steiermark ergab, dass der Frauenkopf zwar im Eigentum des Landes Steiermark steht, jedoch keine Hinweise darüber vorliegen, dass der im Kaiserwald gefundene Porträtkopf unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1941 und 1943 außer Landes gebracht wurde.

Dementsprechend handle es sich nunmehr "nicht um einen Restitutionsfall", wie die eigens eingerichtete steirische Kommission im Juli 2020 befunden hat. Gleichzeitig wurde empfohlen, die Skulptur dem Staat Libyen zu schenken. Am 4. März wurde der Marmorkopf in Wien an den libyschen Botschafter Jalal Alashi übergeben. Im Schenkungsvertrag wurde festgehalten, dass die "Faustina" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und mit dem Schenkungshinweis versehen wird.

Quelle: Agenturen