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Lanz zu Klimawandel: Einfach "vorstellen, dass das Leben weitergeht"

10. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

ZDF-Moderator Markus Lanz hat in seiner gleichnamigen Sendung kritisiert, dass sich eine anwesende Klimaaktivistin bei den drastischen Folgen der Erderwärmung auf die Wissenschaft berufe. Die Menschheit werde sich schon "anpassen" wie zuvor in der Geschichte.

Klimaaktivistin Carla Rochel von der Gruppierung "Letzte Generation" versuchte in Lanz' Talkshow zu erklären, warum Aktionen wie das Festkleben auf Straßen und das Beschmieren von Kunstwerken notwendig seien: Die Wissenschaft schreie schon lange auf, dass wir auf eine "Klimakatastrophe zusteuern", meint Rochel. Doch auf die Forschung werde nicht gehört und deswegen benötige es drastische Aktionen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Lanz war anderer Meinung.

Er lobte Rochel zunächst als "eloquente, kluge, junge Frau", um ihr anschließend leicht belehrend zu erklären, dass Klimaaktivist:innen mehr "Zutrauen in die Anpassungsfähigkeit der Menschen" haben sollten. Die Menschheitsgeschichte sei eine Geschichte der Anpassung und die Menschheit könne dementsprechend auch die vom Klimawandel bedingten Schäden überwinden.

"Woher wissen die Wissenschaftler das?"

Rochel konterte, die Menschheit könne sich nicht so schnell an ein verändertes Klima anpassen. Die Wissenschaft prognostiziert einen Anstieg der Erderwärmung zwischen 2,5 bis 4 Grad. Vier Grad werde man aber schon nicht mehr erleben, da die Welt in "Bürgerkriegen versinkt", erklärt die Klimaaktivistin die dramatische Lage.

Lanz gab sich kritisch: "Woher wissen Sie das?" Rochel antwortete: "Das ist was die Wissenschaftler sagen." Lanz' Gegenargument: "Woher wissen die Wissenschaftler das?"

Preis der Anpassung sind Menschenleben

An dieser Stelle sprang der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) Rochel zur Seite: Er stimmte der jungen Klimaaktivistin zu, dass man über grundlegende Veränderungen reden müsse, da sich manche Sachen durch Reduktion der Emissionen nicht mehr vermeiden lassen würden. Der Preis für die "Anpassung", auf die sich Lanz berufe, seien "vielfache und tausendfache Tode". Als Beispiel nannte der deutsche Politiker die Abholzung von Wäldern im Vormittelalter um Schiffe zu bauen. Diese Abholzung habe die "Lebensgrundlage vieler zerstört".

Lanz: Menschen müssen "träumen dürfen"

Lanz ließ sich auch von Trittin in seiner Meinung nicht beirren: Menschenleben müssten "nicht zwingend" der Preis sein. Man müsse den Menschen "die Möglichkeit geben zu träumen", ihnen "eine Idee geben, dass es weitergeht" und "optimistisch sein".

Kunstwerke einfach "in die Dolomiten" in Sicherheit bringen

Angesprochen auf die Aktionen gegen Kunstwerke meinte Rochel, die Bilder würden nichts mehr bedeuten, denn sie würden dann im "Wasser schwimmen". Lanz' vermeintliches Gegenargument: Er könne ihr einen "Ort in den Dolomiten" zeigen, wo man die Bilder "parken" könne, denn dort komme kein Wasser hin. 

Auch der Leiter der Wetter-Abteilung beim ORF beteiligt sich an der widersprüchlichen Beurteilung von Lanz und zeigt auf, welche Folgen eine Klimaerwärmung von vier Grad hat.

Twitter-User finden die Äußerungen von Lanz unfassbar und rügen den Moderator für seine Argumentation in der Sendung.

Ein Social-Media-Nutzer machte sich etwa über den vermeintlichen "Evolutionsexperten" Lanz lustig. Andere fanden seinen Auftritt zum "Fremdschämen".

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz