MAK hat Schausammlung Textilien und Teppiche neu aufgestellt
Im Moment muss man auf seinem Weg zu dem oberhalb der neuen "Wien 1900"-Schausammlung situierten Raum noch seine pfadfinderischen Fähigkeiten spielen lassen, und auch die Objekttexte erweisen sich als nur schwer lesbar. "Beschriftungen auf Metalltafeln machen wir nicht mehr", sagte Hollein und versprach rasche Veränderung. Das Licht wird jedoch so gedämpft bleiben. "Textilien haben als Feind nicht nur die Motte, sondern auch das Licht", so die Museumschefin, die sich über die Flexibilität der von den Mailänder Designern gewählten Präsentationsform freute. Schließlich sollen alle zwei, drei Jahre Objekte getauscht werden, um einerseits mehr von der rund 20.000 Inventarnummern umfassenden Textilsammlung zeigen zu können, und andererseits um konservatorische Rücksichten zu nehmen, sagte Kuratorin Lara Steinhäußer.
Das Studio Formafantasma hat im MAK seine weltweit erst zweite Dauerausstellungsarchitektur geschaffen. "Es war ein herausfordernder Raum", schmunzelte Simone Farresin. Man hat großformatige Glasvitrinen geschaffen, in denen die sehr unterschiedlich großen Objekte auf einem in seiner Schrägheit verstellbaren und mit einem in Venedig erzeugten perlmuttfarbigen Moiréstoff namens Forget-Me-Not überzogenen Untergrund fixiert sind. Zusätzlich gibt es einige Schubladen, in denen besonders fragile Objekte ruhen, und zwei einander gegenüberstehende Vitrinen, die "Wie eine Ausstellung in der Ausstellung" bespielt werden können, wie Hollein hervorhob.
Die Präsentation mischt Geschichte, Verwendung und Materialien. Auf einer Seite des Saales konzentriert man sich auf gewebebildende Techniken, auf der gegenüberliegenden Seite auf Textilien, die bedruckt oder bestickt wurden. Für Expertinnen und Experten dürfte die in sanftes Licht getauchte Neupräsentation wie eine Schatzkammer wirken, gilt die Sammlung des MAK laut Selbstdarstellung als "eine der weltweit wertvollsten und umfangreichsten musealen Sammlungen ihrer Art" mit einem besonderen "Schwerpunkt auf einzigartige mamlukische und safawidische Teppiche des 16. und 17. Jahrhunderts".
Einzigartiger Mamlukenteppich im Zentrum
Ein im Kairo des frühen 16. Jahrhunderts hergestellter Mamlukenteppich, der weltweit einzige erhaltene, dessen Knoten aus Seide gefertigt sind, steht aber für alle erkennbar als besonderer Schatz im Zentrum. Zwei Jahre lange wurde das Prachtstück in den MAK-Restaurierwerkstätten wieder in Topzustand versetzt, seine Übersiedlung an den neuen Standort sei "ein durchaus emotionaler Moment für alle Beteiligten" gewesen, schilderte Lilli Hollein. Nach rund zwei Jahren soll er einem anderen Renommierobjekt Platz machen. Daran herrsche in den Depots wahrlich kein Mangel, zeigt man sich im Museum überzeugt.
(S E R V I C E - MAK Schausammlung Textilien und Teppiche, ab 25. März, Wien 1, Stubenring 5, Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr, www.mak.at )
Zusammenfassung
- Das MAK präsentiert ab 25. März seine neu gestaltete Schausammlung für Textilien und Teppiche, die vom Mailänder Designstudio Formafantasma gestaltet wurde und rund 20.000 Objekte umfasst.
- Im Mittelpunkt steht ein weltweit einzigartiger Mamlukenteppich aus dem frühen 16. Jahrhundert mit Seidenknoten, der nach zweijähriger Restaurierung erstmals in neuem Zustand gezeigt wird.
- Die Ausstellung setzt auf flexibel austauschbare Objekte in Glasvitrinen, während Verbesserungen bei der schwer lesbaren Beschriftung angekündigt sind und das Licht zum Schutz der Exponate gedämpft bleibt.
