APA - Austria Presse Agentur

Literaturnobelpreisträger Handke lässt sich von Serben ehren

09. Mai 2021 · Lesedauer 2 min

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke hat am Wochenende Serbien und die bosnische Serbenrepublik besucht. Während seiner ersten Reise in die Region seit der Zuerkennung des Literaturnobelpreises 2019 nahm Handke mehrere hohe staatliche Orden entgegen. Die Vergabe der höchsten Literaturauszeichnung der Welt an Handke war umstritten, weil sich der Literat während der Jugoslawien-Kriege (1991-1999) und danach mit der serbischen Seite solidarisiert hatte.

Nach Ansicht von Kritikern bagatellisierte oder leugnete er die von Serben begangenen Kriegsverbrechen. In seiner Stockholmer Nobelpreis-Rede ging er auf die Vorwürfe nicht ein. In Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska (RS), nahm Handke bereits am Freitag den Orden der Republika Srpska entgegen, den ihm die RS-Präsidentin Zeljka Cvijanovic überreichte. In der ostbosnischen Stadt Visegrad ehrte ihn der Filmregisseur Emir Kusturica am selben Tag mit dem Großen Ivo-Andric-Preis.

Am Sonntagabend wurde Handke in Belgrad vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic der Karadjordje-Orden überreicht. Die höchste staatliche Auszeichnung Serbiens war bereits im Vorjahr zuerkannt worden, Handke war es damals aber nicht möglich, nach Belgrad zu reisen. Vucic dankte Handke laut ANSA für alles, was er für Serbien und das serbische Volk getan habe. Der Dichter selbst erklärte laut der Italienischen Nachrichtenagentur, er habe keine so hohe Anerkennung erwartet. "Ich wusste nur, dass ich den Präsidenten treffen und mit ihm einen Kaffee trinken würde. Ich habe mich nicht vorbereitet."

In Sarajevo reagierte man mit Ablehnung und Bestürzung auf Handkes Triumphzug durch die serbischen Lande. Die örtlichen Medien bezeichneten den Literaten durchgängig als "Genozidleugner". Tatsächlich streiten die Politiker und Intellektuellen, mit denen Handke in der RS medienwirksam posierte, die von Serben begangenen Kriegsverbrechen ab.

Darunter fällt das Massaker an mehr als 8.000 Männern und Burschen in der ostbosnischen Enklave Srebrenica im Juli 1995, aber auch die Ermordung von mehr als 1.600 bosnischen Muslimen im Jahr 1992 in der Kleinstadt Visegrad.

"Die für jeden offensichtliche Wahrheit zu leugnen, dass Menschen aufgrund ihrer Religion und ethnischen Zugehörigkeit getötet wurden - ist das nicht Faschismus?", sagte Zeljko Komsic, das kroatische Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums, am Sonntag dem Nachrichtensender N1. "Handke mag ein Nobelpreisträger zum Quadrat sein, aber in den Tiefen seiner Seele ist er ein Faschist."

Quelle: Agenturen