APA - Austria Presse Agentur

"Literatur im Herbst" widmet sich dem Thema Identität

18. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Unter dem Titel "Identissimo (oder anders gleich)" steht ab morgen bis zum Sonntag im Rahmen von "Literatur im Herbst" die literarische Auseinandersetzung mit der Komplexität des Identitätsbegriffs auf dem Programm. Im Wiener Odeon lesen und diskutieren neben Eröffnungsredner Deniz Utlu etwa Bachmannpreisträgerin Sharon Dodua Otoo, der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad oder der Somalier Nuruddin Farah. Am Samstag erwartet das Publikum ein langer Abend der Poesie.

"Kaum ein anderer Begriff hat in den letzten Jahren eine solche Konjunktur erlebt wie 'Identität'", schreibt Ilija Trojanow in der Ankündigung des von der Alten Schmiede ausgerichteten Festivals. "Herkunft und Sehnsucht, Aussehen und Prägung, Augenziel und Zungenschlag werden in dieses eine Wort gebündelt, bis kaum jemand weiß, was es meint." Im politischen Diskurs sei Identität mittlerweile "ein kontaminierter und vielfach gefährlicher Begriff, weswegen es sinnvoll ist, dass sich ein literarisches Festival seiner Fragwürdigkeit annimmt". Folgerichtig lautet der Titel des Festvortrags von Deniz Utlu, der heuer mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet wurde, "Identität und Literatur". Zum Auftakt liest Sharon Dodua Otoo aus ihrem Romanerstling "Adas Raum", der 1459 im westafrikanischen Fischerdorf Totope, 1848 in London, 1945 im KZ Mittelbau-Dora und in der Gegenwart in Berlin spielt. Im Anschluss diskutieren Otoo und Utlu mit Trojanow.

"In der Literatur wird meist vielstimmig erzählt, auch wenn nur eine Stimme zu Wort kommt", so Trojanow. "Zwischen Selbst- und Fremdbild, zwischen individuellen Aspirationen und gesellschaftlichen Zwängen bietet Literatur ein vielschichtiges Panorama, in dem die Anliegen der Eingewanderten und Ausgeflogenen, der Vorgefahrenen und der Nachgeborenen hörbar und je nach eigener Fantasie sichtbar werden." Am Samstag steht dann diese Literatur mit drei Lesungen am Nachmittag im Fokus: Den Anfang macht Meral Kureyshi mit "Fünf Jahreszeiten", gefolgt von Tijan Sila mit "Krach" und Shida Bazyar mit "Drei Kameradinnen", bevor abends die Lyrik das Ruder übernimmt. Unter der Moderation von Mieze Medusa lesen Dinçer Güçyeter, Elias Hirschl, Tanasgol Sabbagh, Ryler Smith und Temye Tesfu aus ihren Gedichten.

"Französisch verlernen" von Elisa Diallo und "Schlacht der Identitäten" von Hamed Abdel-Samad stehen dann am Sonntag ab 16 Uhr im Fokus. Im Anschluss an die Lesungen diskutieren sie mit Trojanow über "Ein Leben zwischen fließender Identität und starrem Rassismus". Den Abschluss macht um 19 Uhr Nuruddin Farahs Lesung aus "Im Norden der Dämmerung". "Jeder Mensch hat eine Lebensgeschichte, die Frage ist nur, wer diese erzählt, und in welcher Weise", so Trojanow. "In dem Maße, in dem die traditionellen Vorstellungen von homogener Kultur den überwiegend urbanen Realitäten nicht mehr entsprechen, beschwören wir das Gemeinsame, indem wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen, auch wenn wir sie erdichten."

(S E R V I C E - "Literatur im Herbst", 19. bis 21. November im Wiener Odeon Theater. Infos und Programm unter https://alte-schmiede.at/)

Quelle: Agenturen