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Linzer Tanzsparte stellt sich nach "Systemfehler" neu auf

17. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Nach der einvernehmlichen Trennung von der früheren Chefin, stellt sich die Tanzsparte des Linzer Landestheaters neu auf. Die neue Leiterin Roma Janus wird selbst nicht choreografieren, sondern Choreografen engagieren und das Programm kuratieren. Künftig soll auch ein Stück pro Saison aus dem Ensemble selbst kommen. In einer Pressekonferenz sprachen Janus und Intendant Hermann Schneider über Lehren aus der überstandenen Krise in der Compagnie und das künftige Programm.

Die von Tänzern gegen ihre frühere Direktorin erhobenen Vorwürfe, die im September 2021 auch zu deren Dienstfreistellung geführt hatten, entpuppten sich in der Untersuchung einer Compliance-Kommission als arbeitsrechtlich haltlos. Wohl aber zeigte sich, dass das Verhältnis zerrüttet ist. Der Mikrokosmos der Tanz-Compagnie unterschied sich in den vergangenen Jahren klar von jenem anderer Sparten, es lag praktisch alles in einer Hand. Die Leiterin choreografierte alle Produktionen selbst - im Gegensatz zu den anderen Bereichen, deren Chefs immer nur einen kleinen Teil der Produktionen selbst leiten. Er selbst inszeniere etwa eine Oper pro Spielzeit, schilderte Schneider, "die Opernsänger haben dann wieder ein Jahr Zeit, sich von mir zu erholen".

Hinzu kommt, dass die künstlerische "Macht" einer Choreografin meist ohnehin deutlich stärker ist als die eines Regisseurs in der Oper oder im Schauspiel, der sich ja an einem vorgegebenen Skript oder Libretto orientieren muss. Zudem lag aber auch alles Organisatorische bis hin zu den Verträgen in ihrer Zuständigkeit. Das habe - ohne, dass man das wollte, wie Scheider betonte - zu Problemen geführt, in der Compliance-Kommission war von "sektenähnlichen" Zuständen die Rede, Schneider nennt die "Ämterkumulation" einen "systemischen Fehler".

Die neue Spartenleiterin Roma Janus, die bereits in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Schneider interimistisch die Geschicke des Tanzes geführt hatte, wird künftig nur kuratierend tätig sein. Sie soll das Programm zusammenstellen und Choreografinnen und Choreografen engagieren. Eine der meist drei Produktionen pro Spielzeit soll zudem vom Ensemble selbst getragen oder - je nach Interesse - von einzelnen Ensemblemitgliedern choreografiert werden, wie es zuletzt bei "The Garden" bereits praktiziert wurde. Während bisher die Handschrift der Spartenleiterin überdeutlich hervortrat, will man nun das Ensemble stärker in den Fokus stellen.

Am 23. April steht als letzte Tanzpremiere dieser Spielzeit "Schwanensee" in der Choreografie von Chris Haring am Programm. Um zu zeigen, dass man auch darüber hinaus "einen Plan hat", gaben Janus und Schneider am Donnerstag bereits - entgegen sonstiger Usancen - noch vor der offiziellen Spielplanpräsentation Einblick in die kommende Tanzsaison: So soll Andrey Kaydanovskiy "Dornröschen" auf die Bühne bringen, Johannes Wieland, zuletzt langjähriger Tanzdirektor des Staatstheaters Kassel, arbeitet an einem Stück mit dem Arbeitstitel "Neuzeit" und die Ensembleproduktion soll eine Fortsetzung von "The Garden" werden. Das Klima soll mittlerweile wieder passen. Janus, deren Vertrag bis 2026 läuft: "In der Company herrscht sehr gute Stimmung und man sieht das auch".

Quelle: Agenturen