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"L'Homme rare": Po-Klatscher gegen harte Männlichkeit

26. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Pünktlich zum Höhepunkt der Hitzewelle im Osten Österreichs ist es am Montagabend im Odeon Theater in Wien noch ein Stück heißer geworden. Im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals brachte Nadia Beugré "L'Homme rare" (deusch: Der ungewöhnliche Mann) zur Österreichpremiere. Fünf über weite Strecken nackte Performer lassen darin ihre Hüften kreisen und klatschen einander auf den Hintern - und stellen damit geschlechtertypische Bewegungsmuster in Frage.

Was ist schon weiblich, was männlich? Ein gestählter, statuengleich präsentierter Körper wird wohl in den meisten Fällen mit der stereotypen Vorstellung von letzterem in Verbindung gebracht. Lustvoll in Szene gesetzte Becken und wackelnde Hintern eher nicht. Beugré spielt mit diesen Zuschreibungen.

Auf einer beinahe leeren Bühne lässt sie die Männer zunächst zu dröhnenden Bässen im Publikumsbereich und mit den Zuschauerinnen und Zuschauern tanzen. Nach und nach lassen die Tänzer alle Hüllen fallen und helfen einander dabei auch mit den Zähnen. Im Adamskostüm angelangt, präsentieren sie dem Publikum beinahe ausschließlich ihre gestählten Rücken, Gesäße und Waden. Nach und nach brechen sie diesen vermeintlich harten Panzer mit weiblich konnotierten Bewegungen auf.

Dabei verzichtet die ivorische Choreografin weitgehend auf den Einsatz von Musik und lässt stattdessen das Klatschen von Händen auf Pobacken durch das Theater hallen. Bald webt sie in das von urbanen Tänzen aus der ganzen Welt inspirierte Geschehen weiße Stoffstücke ein, die von den Performern auf vielfältigste Weise um den Körper geschlungen werden. So wirken sie mal wie Meerjungfrauen, dann wieder wie Raupen oder auch gespenstische Erscheinungen.

So richtig in Fahrt kommt das Spiel mit Geschlechterklischees aber nicht. Die rund 75-minütige Performance strapaziert phasenweise die Geduld, wirkt künstlich aufgebläht. Denn die Botschaft ist rasch übermittelt. Spät eingeführte Elemente wie der Tanz mit knallroten High-Heels können dem Treiben kaum noch interessante Aspekte hinzufügen. Was bleibt ist Gewissheit, dass Schachteldenken nirgendwo - schon gar nicht im Tanz - Platz hat. Das Publikum spendete mit einzelnen Jubelrufen angereicherten, aber insgesamt verhaltenen Applaus.

(S E R V I C E - "L'Homme rare" im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals im Odeon Theater, Wien 2., Taborstraße 10. Choreografie: Nadia Beugré, Lichtdesign: Anthony Merlaud, Produktion: Libr'arts, Musik: Serge Gainsbourg, Lucas Nicot und Percussions d'Oblio. Mit Nadim Bahsoun, Daouda Keita, Lucas Nicot, Adonis Nebié, Tahi Vadel Guei. Weitere Aufführung am 27. Juli um 21 Uhr im Odeon Theater. https://www.impulstanz.com/performances/id2577/)

Quelle: Agenturen