Lentos-Neuaufstellung: Frauenpositionen rücken nach vorne
Die Präsentation startet mit einem kleineren Raum im Zeichen der für das Haus prägenden Person Wolfgang Gurlitt. Auch im weiteren Verlauf des Rundgangs war man auf der Suche nach regionalen und geschichtlich bedeutsamen Zusammenhängen. Dazu hängen internationale Künstlerinnen neben oft weltweit bekannten österreichischen. Neu sind auch die hinzugekommenen Werke von Haus-Rucker-Co. Schon bisher gezeigte Klassiker etwa von Kokoschka, Klimt, Schiele und Keith Haring sind erneut zu sehen.
Besonderes Augenmerk lag auf der Neu- und Wiederentdeckung von weiblichen Positionen. Diese seien schon seit der Gründung des Hauses in der Sammlung sehr stark vertreten gewesen, sagte Lentos-Direktorin Hemma Schmutz. Der weibliche Standpunkt reicht über alle Epochen der Sammlung. Mit dabei sind Exponate etwa von VALIE EXPORT, Kiki Kogelnik, Käthe Kollwitz, Maria Lassnig und - künftig im Abschlussraum - Elke Krystufek.
Für die Aufstellung habe sich das Team wieder für eine Chronologie entschieden, da viele Besucherinnen und Besucher zum ersten Mal mit moderner Kunst in Kontakt kämen und Orientierung benötigen, so Schmutz. Einer Biedermeier-Wand - auch mit Oberösterreich-Bezügen - folgt der Beginn der Moderne vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Der Rundgang endet in der Gegenwart, dieser letzte Raum wird derzeit noch von einer Sonderausstellung bespielt und soll in rund zwei Monaten als Abschluss fertiggestellt sein.
NS-Regime und "Zu schade für die Lade"
Dazwischen finden die Besucher kleine Besonderheiten wie ein "grafisches Kabinett" mit Foto-Arbeiten von László Moholy-Nagy und Herbert Bayer, die in Dialog mit der "Linzer Schule der Weichzeichner" treten. Ebenfalls bedeutsam - gerade für die Stadt Linz als ehemalige "Kulturhauptstadt des Führers" - ist ein Zwischenraum, in dem der Zeitraum des NS-Regimes mit ausreichend Information behandelt wird. Es ist eine kleine Gegenüberstellung des damals gewünschten Kunststils mit dem Thema der "entarteten" Kunst. Die "Zu schade für die Lade"-Reihe wiederum bringt auch weiterhin Arbeiten auf Papier aus dem Depot ans Licht und hält die Sammlung damit bewusst in Bewegung.
"Wir dürfen aus einem reichhaltigen Erbe auswählen", beschrieb Schmutz die Ausgangssituation. Das Museum verfügt über rund 3.600 Gemälde und Skulpturen, etwa 16.000 Grafiken und rund 1.800 Beispiele der künstlerischen Fotografie. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) sagte zur Bedeutung der Neupräsentation: "Mit der Neuhängung wird das kulturelle Gedächtnis der Stadt nicht nur bewahrt, sondern bewusst hinterfragt und weitergeschrieben."
(S E R V I C E - http://www.lentos.at)
Zusammenfassung
- 30 Prozent der 232 ausgestellten Werke in der neuen Sammlung des Lentos Kunstmuseums in Linz stammen von Künstlerinnen, darunter VALIE EXPORT, Kiki Kogelnik und Maria Lassnig.
- Ein Viertel der präsentierten Werke kommt aus der neu hinzugekommenen Dauerleihgabe der Sammlung Hauser, die als Hauptgrund für die Neuaufstellung gilt.
- Das Lentos verfügt insgesamt über rund 3.600 Gemälde und Skulpturen, etwa 16.000 Grafiken und rund 1.800 Fotografien.
