APA - Austria Presse Agentur

Lana Del Rey mit Album zum Unabhängigkeitstag

29. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Lana Del Rey ist einer der kompliziertesten Popstars unserer Zeit. Da sind zum einen diese oft düster-schwelgerischen Lieder. Zum anderen ist da aber auch eine wachsende Reihe irritierender politischer Aussagen. Ausgerechnet zum Unabhängigkeitstag der USA (4. Juli) hat die 36-Jährige nun ihr neues Album "Blue Banisters" angekündigt, das schon vor der Veröffentlichung wegen einer Textzeile über die "Black Lives Matter"-Bewegung kritisiert wurde.

Die Musik der US-Amerikanerin war schon vor zehn Jahren mit dem Überraschungshit "Video Games" gut, doch im Laufe ihrer Karriere wurde sie eigentlich immer besser. Die Grundelemente blieben gleich: Im Zentrum steht Del Reys leicht apathische Stimme, die getragene, geheimnisvolle Melodien singt.

Auf ihren hochgelobten Alben "Norman Fucking Rockwell!" (2019) und "Chemtrails Over The Country Club" (2021) erweiterte sie ihren melancholischen Indie-Pop um Folk und Americana. Das brachte ihr den Ruf ein, eine der talentiertesten Songwriterinnen in der aktuellen Musikszene zu sein (auch wenn man erwähnen sollte, dass sie die Lieder nicht alleine schrieb, sondern zum Beispiel oft mit dem Multitalent Jack Antonoff, der auch mit Taylor Swift oder Lorde zusammenarbeitete).

Auch mit den drei vorab veröffentlichten Singles aus ihrem angekündigten achten Album "Blue Banisters" wird Del Rey diesem Ruf gerecht. "Text Book" besticht mit einer betörend traurigen Melodie, gepaart mit fast zeitlupenhafter Bass-Begleitung. Doch die Lyrics erinnern daran, was Del Rey in der Vergangenheit schon öfter Kritik einbrachte: ihr Hang zur Thematisierung weiblicher Unterwürfigkeit ("Do You think if I go blonde, we could get our old love back?") - und ihr ungeschickter Umgang mit politischen Themen.

So findet sich in "Text Book", das eigentlich von der problematischen Beziehung der Erzählerin zu ihrem Vater handelt, kontextlos die Zeile: "And there we were, screamin' 'Black Lives Matter' in the crowd". Zahlreiche Nutzer in den Sozialen Netzwerken warfen ihr daraufhin vor, einen willkürlichen Verweis zu platzieren, um sich selbst in gutem Licht dastehen zu lassen – und ältere Vorwürfe wegzuwischen.

Schließlich ist es nicht allzu lange her, dass Del Rey sich in einem Instagram-Post darüber beschwerte, sie dürfe nicht über ihre unterwürfige Rolle in Beziehungen singen – während Musikerinnen wie Beyoncé, Cardi B, Nicki Minaj und andere für Lieder über das "Sexy-Sein" gefeiert würden. Weil es sich bei den meisten der genannten Musikerinnen um nicht-weiße Frauen handelte, wurde Del Rey daraufhin vorgeworfen, blind für ihre Privilegien zu sein – und Werdegänge zu vergleichen, die nichts miteinander zu tun hätten.

Das war lange, nachdem die Sängerin in einem Interview gesagt hatte, sie interessiere sich mehr für Dinge wie Tesla-Autos als für Feminismus. Und kurz bevor sie auf die Kritik, auf einem Albumcover nur weiße Menschen abzubilden, entgegnet haben soll: "Meine besten Freunde sind Rapper, meine Boyfriends waren Rapper."

Hörer finden Del Rey womöglich politisch nicht glaubwürdig, weil sie in ihren Liedern seit jeher rückständige Gesellschaftsbilder transportiert. Ihre Musik beschwört die Ästhetik eines Amerikas früherer Jahrzehnte herauf, erzählt von schicken Ford Mustangs, sexy Bikern und Frauen, die Juwelen im Pool tragen. Von Frauen mit gebrochenen Herzen, die sich nach einem starken Mann sehnen, die untenrum nach Pepsi Cola schmecken und Augen "wie Cherry Pies" haben. Von Männern, die in ihren blauen Jeans aussehen wie James Dean.

Die kürzlich veröffentlichte Single "Blue Banisters" - eine gedämpfte Klavier-Ballade - nimmt die Hörer in den Lyrics mit nach Oklahoma. An der Wand hängt ein Bild der Erzählerin auf einem amerikanischen Traktor. Auch hier sehnt sie sich nach einem Mann – verbündet sich am Ende aber mit ihren Freundinnen.

Mal ganz davon abgesehen, dass es sich bei Del Rey - die mit bürgerlichem Namen Elizabeth Woolridge Grant heißt – natürlich um eine Kunstfigur handelt, wird manchmal vergessen, dass ihre Musik stets überaus melancholisch ist. Die Behauptung, Del Rey würde die von ihr besungenen Zustände feiern, ist angesichts dieser monotonen Traurigkeit eigentlich nicht besonders naheliegend. Schon eher ist damit zu rechnen, dass sie mit "Blue Banisters" zum US-Unabhängigkeitstag 4. Juli einmal mehr ein nostalgisches Amerika heraufbeschwört, das in dieser idealisierten, klischeehaften Form ohnehin nie existiert hat.

Quelle: Agenturen