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Kunsthaus Bregenz feierte sein erste Vierteljahrhundert

17. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Das Kunsthaus Bregenz (KUB) hat am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen gefeiert - mit Konzerten, Filmvorführungen, der Eröffnung der aktuellen Schau von Jordan Wolfson, dem Tag der Wiener Symphoniker und Podiumsgesprächen. Bei freiem Eintritt zog das im Juli 1997 eröffnete Kunsthaus, das als erster große Museumsneubau in Österreich seit 100 Jahren (Secession 1898) galt, auch am Wochenende die Besucher in seinen Bann.

Begonnen hatten die Feierlichkeiten bereits Ende April mit einer Ausstellung am Rande der Biennale Venedig mit Werken von Otobong Nkanga und Anna Boghiguian. Diese ging Anfang Juli zu Ende, gefeiert wurde also beinahe nahtlos.

Zunächst war das damals 281 Millionen Schilling (ca. 20,5 Mio. Euro) teure Kunsthaus in der Bevölkerung sehr umstritten. Der 30 Meter hohe Betonbau mit markanter Mattglasfassade ("Lichthaut"), entworfen vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, hatte Anlass zu zahlreichen Diskussionen und Kritik gegeben. Heute bezeichnen ihn manche als Wahrzeichen von Bregenz. Die ausstellenden Künstler freilich waren von dem Haus mit vier Geschoßen von Anfang an hellauf begeistert und preisen es bis heute als idealen Ausstellungsort.

Auch deshalb geben sich seit der ersten Ausstellung - Lichtinstallationen des amerikanischen Künstlers James Turrell - bis heute die Größen der zeitgenössischen Kunst die Klinke in die Hand. Eine Schau, die das Haus wie eine "Belastungsprobe beanspruchte", wie das KUB einst schrieb, war etwa jene von Santiago Serra, der 300 Tonnen Betonziegel schlichten ließ. In dieselbe Kategorie fielen der Bau eines schwarzen Eislaufplatzes durch Pierre Huyghe, die riesenhaften Bronzespinnen von Louise Bourgeois oder das Nebelmeer von Olafur Eliasson. Auch die Ausstellung zum von Adrian Villar Rojas zum 20-Jahr-Jubiläum war in diesem Kontext zu sehen.

Nicht minder imposant waren die Werke und Installationen anderer Künstler wie Per Kirkeby, Erwin Wurm, Jenny Holzer, Ai Weiwei, Jeff Koons, Damien Hirst oder Gottfried Bechtold. Zur Wiedereröffnung des Hauses - das wie alle anderen Institutionen zum Höhepunkt der Corona-Pandemie geschlossen bleiben musste - gab es im Juni 2020 die spontan gestaltete Corona-Sonderschau "Unvergessliche Zeit". Seitdem wurden Ausstellungen von Peter Fischli, Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl, Pamela Rosenkranz, Anri Sala, Otobong Nkanga und Dora Budor gezeigt.

Das bisher wohl größte Aufsehen in der Geschichte des KUB erregte die Roy-Lichtenstein-Schau im Jahr 2005, aber nicht nur im künstlerischen Sinn. Eine damals 35-jährige Deutsche beschädigte mit einem Messer das Bild "Nudes in Mirror" mit vier jeweils 30 Zentimeter langen Schnitten und richtete damit einen Schaden von 460.000 Euro an. Der damalige KUB-Direktor Eckhard Schneider war so schockiert, dass er einen Tag lang nicht für Medienvertreter zu sprechen war. Die an Schizophrenie leidende Frau wurde später in einem Prozess am Landesgericht Feldkirch in eine Anstalt eingewiesen.

Schneider hatte im Jahr 2000 die Leitung von Gründungsdirektor Edelbert Köb übernommen, der seinen Vertrag nicht hatte verlängern wollen. 2008 übernahm der Deutsche den Posten des Generaldirektors des Pinchuk Art Centre in Kiew und übergab den Chefsessel im KUB an Yilmaz Dziewior, der seinen Blick auch auf die Kunst außerhalb Europas und Amerikas richtete. Aktueller KUB-Direktor ist der gebürtige Steirer Thomas D. Trummer, der 2015 als Leiter der Kunsthalle in Mainz an den Bodensee wechselte.

Quelle: Agenturen