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Kunst Haus Wien: Der Klimasünder Fotografie am Pranger

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Kunstgeschichte als Materialgeschichte, ein Blick auf ein künstlerisches Medium als Treiber für die fortschreitende Ausbeutung von Rohstoffen: Im Kunst Haus Wien werden ab Donnerstag die Folgen der Fotografie auf den Klimawandel in den Fokus genommen. In der Schau "Mining Photography" geht es nicht um die ureigentliche Funktion des Mediums, sondern um seine Kollateralschäden.

"Die Fotografie bildet die Welt nicht nur ab, sie verändert sie auch", so Kunst-Haus-Chefin Gerlinde Riedl bei der Präsentation der Schau. Schließlich werden jährlich rund 1,4 Billionen hauptsächlich digitale Aufnahmen gemacht. "Viele werden davon selten angesehen, und doch haben sie einen hohen Preis", verwies Riedl auf den hohen Energieverbrauch und den Bedarf an Seltenen Erden für die Digitalgeräte, die heute als Fotoapparate dienen.

Das Kupfer für die Daguerreotypie, das Silber für die Silbergelatineabzüge, das Papier als Trägermaterial des Analogbildes - über seine gesamte Geschichte hinweg erwies sich die Fotografie als Ressourcenverschlinger. Entsprechend ist die Schau anhand von fünf Rohstoffen gegliedert, mit denen man diese Entwicklung nachvollzieht. "Es ging uns auch darum, vor der eigenen Haustür zu kehren", so Kuratorin Esther Ruelfs, die die Schau im Vorjahr ursprünglich für Hamburg kreierte.

Rund 170 Arbeiten - neue Positionen ebenso wie historische Aufnahmen aus dem Archiv - verdeutlichen die Parallelität zwischen Industrialisierung und der Entwicklung der Fotografie. Die sonst oftmals dominante dokumentarische Funktion von Fotografie mitsamt ihrer moralischen Positionierung als Mahner weicht dem Fokus auf den ökologischen Fußabdruck der Bildproduktion.

Nebst der ästhetischen Gestaltung der einzelnen Kapitel werden die Grundfragen auch mittels Experteninterviews abgehandelt. "Es ist vermutlich die erste Schau, die diesen Diskurs zusammenbringt", freute sich Co-Kurator Boaz Levin über den ungewohnt selbstreflektiven Ansatz, der implizit einen bis dato im Dunkel des Unbewussten verborgenen Klimasünder belichtet: den Fotografierenden.

(S E R V I C E - "Mining Photography" von 9. März bis 25. Mai im Kunst Haus Wien, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien. www.kunsthauswien.com/de/ausstellungen/Mining_Photography/)

ribbon Zusammenfassung
  • Kunstgeschichte als Materialgeschichte, ein Blick auf ein künstlerisches Medium als Treiber für die fortschreitende Ausbeutung von Rohstoffen: Im Kunst Haus Wien werden ab Donnerstag die Folgen der Fotografie auf den Klimawandel in den Fokus genommen.
  • In der Schau "Mining Photography" geht es nicht um die ureigentliche Funktion des Mediums, sondern um seine Kollateralschäden.