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Kraftklub mit "einem Banger nach dem anderen" in Wien

Heute, 07:14 · Lesedauer 3 min

Kraftakt bei Kraftklub: 15.000 Fans waren am Sonntag beim Wien-Gastspiel der Band in der (fast) ausverkauften Stadthalle mehr als zwei Stunden lang permanent in Bewegung. Die Gruppe aus Chemnitz lieferte dafür den perfekten Soundtrack: "Wir hauen einen Banger nach dem anderen raus", rief Sänger und Rapper Felix Brummer. Live sind Kraftklub eine Macht, wie sie mit dem furiosen Gastspiel untermauerten. Dass man längst im Mainstream angekommen ist, tut dem Spaß keinen Abbruch.

"Sterben in Karl-Marx-Stadt" heißt das aktuelle Album - und dieser Titel glühte in riesigen roten Lettern im Hintergrund der im Industrial-Chic gehaltenen Bühne. Los ging es gleich mit einem Song daraus, "Marlboro Mann". Konfettiregen, herausgeblasen von Turbinen-ähnlichen Gebilden, Nebelschwaden, Moshpit, Textsicherheit im Publikum: Die Stimmung stieg von null auf 100 in Sekundenschnelle und brach während der gesamten Show keine Sekunde lang ab. Im Gegenteil: Beim letzten Lied vor den Zugaben angekommen, hieß es: "Randale". Diesem Songtitel gerecht, übte man sich im kollektiven Auszucken.

Aber es war eine positive Energie, die durch die Halle fegte und das Grauen der Weltlage für eine Zeit lang vergessen ließ. Kraftklub fetzten souverän mit ihren Mischungen aus Rock, Rap, Punk, Elektronik, einem Schuss Hardcore und einer Prise Techno-Beats ("Zeit aus dem Fenster") durch den Abend. Auf Platte mögen sich manche Lieder wie Malen nach Zahlen anfühlen, was die Kombination der Genres betrifft, aber beim Konzert ist das - auf gut wienerisch - völlig wurscht: Das hat Kraft, das wirkt kathartisch.

Eine Art Konzeptalbum über den Tod und die Liebe lieferten die Chemnitzer mit "Sterben in Karl-Marx-Stadt" ab. Ganze zehn Stücke daraus, also fast das gesamte Album, haben sie auf der aktuellen Tour im Programm, rund die Hälfte des gesamten Sets - Hut ab dafür. Der Mut für Neues wurde belohnt: Die Fans in Wien kannten sie alle bereits auswendig. Als Belohnung gab es zwischendurch die alten Kracher wie "Ich will nicht nach Berlin" ("alle auf, auch da oben!" - wird gemacht, Felix), "Chemie Chemie Ya" oder zum finalen Ausrasten "Songs für Liam".

Bei ihrem ersten Wien-Besuch im Dezember 2011 hatte der Kraftklub im Klub B72 bei einer überschaubaren Menge Eindruck hinterlassen. Beim Weg in die großen Hallen hat die Gruppe ihre Performance perfektioniert, man kann längst auch Show: "Halts Maul und spiel" sang Brummer von einer Garderobe kommend, quer durch das Publikum. Drei Lieder gab dann die gesamte Band in der Crowd zum Besten. Die Coverversion von "I Love It" wurde im Gesangsverbund mit den Musikerinnen der Supportband Lovehead heruntergeschrubbt. Ein Geburtstags"kind" durfte einen Song am Glücksrad erdrehen ("Scheißindiedisco").

Wilde Trauerfeier mit Bock auf Streit

Aber in erster Linie lag es am Spiel der Band, dass der Schweiß in Strömen floss. "Das werden die wildesten Trauerfeiern, die es je gegeben hat", hatte diese im Vorfeld auf den Inhalt und Titel des Albums bezogen angekündigt. Wahrlich: Ausgelassener, kompakter und energievoller wie etwa bei "Ein letztes Mal" oder "Unsterblich sein" kann eine Rockband das Thema kaum abhandeln. Trotz aller Partystimmung sei erwähnt, dass der Kraftklub gegen Verblödung und Rechtsruck antritt. "Ich hab noch immer Bock auf Streit, ich sing schief in jedem Chor", unterstrich dies Brummer mit 15.000 Mitsingenden.

Am Samstag waren Kraftklub in Graz aufgetreten. Wer eines der beiden Österreich-Konzerte verpasst hat: Die Band kommt zum FM4 Frequency Festival (20. bis 22. August) nach St. Pölten.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - https://www.kraftklub.to/home )

Zusammenfassung
  • 15.000 Fans feierten am Sonntag in der fast ausverkauften Wiener Stadthalle ein über zweistündiges Konzert von Kraftklub, bei dem die Band mit einer energiegeladenen Show und ausgefeiltem Genre-Mix überzeugte.
  • Die Chemnitzer spielten zehn Songs aus ihrem aktuellen Album "Sterben in Karl-Marx-Stadt" und kombinierten diese mit bekannten Hits wie "Ich will nicht nach Berlin" und "Chemie Chemie Ya".
  • Kraftklub setzte mit klaren Statements gegen Rechtsruck und viel Nähe zum Publikum ein Zeichen und ist im August beim FM4 Frequency Festival in St. Pölten erneut live zu erleben.