Koo Jeong A mit neuer Ausstellung im Kunsthaus Bregenz
Für die Arbeiten von Koo Jeong A biete der Zumthor-Bau in Bregenz den besten Raum der Welt, erklärte Direktor Thomas D. Trummer im Gespräch mit der APA seine Absicht, die koreanische Künstlerin ins Kunsthaus einzuladen. Trummer betonte: "Es geht in ihren Arbeiten um ein Sichgewahrwerden, sie sind an der Grenze der Wahrnehmung angesiedelt. Das KUB ermöglicht die Stimmung, die die Künstlerin braucht." Auf die Frage, ob sie zufrieden damit sei, wie ihre Werke nun in diesen Räumen wahrgenommen werden können, erklärte Koo Jeong A: "Ich bin nie zufrieden. Zufriedenheit ist für mich viel zu weit weg. Ich denke, es ist eher ein Glücksgefühl. Unser Glücksgefühl entsteht dadurch, dass uns unendliche Möglichkeiten wichtig sind."
Koo Jeong A wurde 1967 in Seoul geboren, sie lebt und arbeitet vor allem in London und Zürich, nach eigenen Angaben aber "überall". Zuletzt vertrat sie 2024 Südkorea auf der Biennale von Venedig. Zu den bedeutendsten ihrer bisherigen Ausstellungen zählen jene im LUMA in Arles, in der Kunsthalle in Malmö, in der Fondation Beyeler in Basel, in der Kunsthalle in München, bei der Triennale in Mailand sowie in Galerien in London und New York. In Österreich war sie lange nicht mehr vertreten. In der Saison 2002/03 zeigte sie Arbeiten unter dem Titel "3355" in der Wiener Secession. Ein Anknüpfungspunkt dazu ergibt sich aus der Auseinandersetzung mit Zeit und Unendlichkeit.
Wiedererkennungswert haben die Arbeiten im Kunsthaus aber vor allem für jene, die vor knapp zwei Jahren ihren großen Auftritt im Südkorea-Pavillon auf der Biennale in Venedig hatten. Wobei sogleich feststeht, dass das KUB im Vergleich zum architektonisch unruhig gestalteten Pavillon in der Tat den geeigneten Raum bietet. Das zeigt sich schon im Erdgeschoß, wo eine monumentale Skulptur an den Teil eines Skateparks erinnert bzw. als solcher weitergedacht werden kann. Die Skulptur konfrontiert mit der Möglichkeit, sie zu begehen, ist aber auch Werken des Minimalismus zuzuordnen; Werken, die auf das Nötigste reduziert sind, um die Wirkung von Wahrnehmung freizulegen. Zu einer Aufforderung zur Selbsthinterfragung wird diese Arbeit, wenn sich alle 15 Minuten der Raum verdunkelt und damit die fluoreszierende Oberfläche sichtbar wird.
Kräfte der Erde und deren Einfluss auf Mensch und Natur
Auf dem Weg in den ersten Stock ist eine olfaktorische Arbeit wahrzunehmen. Ähnlich wie in Venedig bezieht sich Koo Jeong A auf die Wirkung von Gerüchen, auf die Erinnerung, die wir mit ihnen verbinden. Für Bregenz wählte sie den Duft von Zirben, der in den Alpenländern wahrnehmbar ist. Die drei hölzernen Endlosschleifen mit verschieden lasierten Oberflächen sind im Prinzip selbsterklärend, der Bezug zur Minimal Art und zur konkreten Kunst lässt sich hier hinsichtlich ostasiatischer Denkweise bestens ergänzen mit Zirkularität, Werden und Vergehen.
Der Bezug zur konkreten Kunst ist auch in den skulpturalen Arbeiten aus magnetischen Elementen gegeben. Wesentlich ist jedoch nicht nur das physikalische Phänomen, im koreanischen Kontext gelesen, sind die feinstofflichen Kräfte der Erde und deren Einfluss auf Mensch und Natur gemeint. Noch stärker als das bekannte fluoreszierende Bild "Seven Stars", mit dem Koo Jeong A sozusagen das Unsichtbare erhellt, wirkt ein Film auf die Betrachter. Eine Figur sitzt auf der Wiese vor einer Art gasförmigem, rundem Körper, Strahlen werden sichtbar, die Kamera zoomt langsam in die Szene und wieder hinaus. Es ist, wie der Titel "Land of Ousss" ein undefinierter Zustand und dennoch definiert der Film unvergleichlich die sinnliche Wahrnehmung und die Erfahrung des Seins im Universum.
(S E R V I C E - Ausstellung Koo Jeong A "Land of Ousss (Gravitta)" ist vom 31. Jänner bis 25. Mai 2026 im Kunsthaus Bregenz geöffnet, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, am 17. Februar bis 14 Uhr: www.kunsthaus-bregenz.at )
Zusammenfassung
- Eine monumentale Skulptur im Erdgeschoss erinnert an einen Skatepark und wird alle 15 Minuten durch Verdunkelung und fluoreszierende Oberfläche zum Wahrnehmungsexperiment.
- Koo Jeong A, die 2024 Südkorea auf der Biennale von Venedig vertrat, war seit 2002/03 nicht mehr in Österreich ausgestellt und nutzt im ersten Stock auch Gerüche wie Zirbenduft, um Erinnerungen zu wecken.
