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Klima-Kinderoper: "Holle!" im Musiktheater an der Wien

Heute, 04:55 · Lesedauer 3 min

Mit dem Wintereinbruch der vergangenen Tage in Österreich hätten bei Frau Holle eigentlich die Federn fliegen müssen. Da passt es gut, dass am Samstag im Musiktheater an der Wien mit "Holle!" eine an das Märchen angelehnte Bühnenadaption ihre Österreichische Erstaufführung feierte. Catharina von Bülow inszenierte die altersgerecht einfache Handlung, die es schafft, mit leicht verdaulicher Musik Themen wie Auswirkungen der Klimakrise und Verantwortung für sie zu behandeln.

Neben der klassisch ausgeschüttelten Schnee-Decke ist die Holle nämlich mit Sonnenmaschine, Regenpipette und Co. für das ganze Wetter sowie den Wechsel der Jahreszeiten verantwortlich. Eine ganz schön große Aufgabe, denn die Menschen geben sich einfach nicht zufrieden: Immer soll das Wetter anders sein, immer mehr, und immer sofort. Zudem verpesten sie die Luft mit Schmutzwolken. Kein Wunder also, dass das bei Holle zu dem ein oder anderen musikalischen Wutausbruch führt und dazu, dass sich die Wettermacherin eine Auszeit nehmen muss. Die von Sebastian Schwab komponierte Musik ist dabei immer stimmig den Wetterlagen angepasst, bietet jedoch keine großen Überraschungen.

Das Trio auf der Bühne komplettieren Holles Assistenten: Pech-Andy und Gold-Andy, die den Wetter- und Jahreszeitenwechsel auf Klarinette und Hammerklavier untermalen. Traditionalisten könnten aufgrund dieses Genderwechsels mit den Zähnen knirschen, das Zielpublikum (Empfehlung: ab sechs Jahren) war bei der Premiere aber hörbar erheitert von der Unfähigkeit, die die beiden ohne ihre Chefin an den Tag legen.

Mit dem Märchen der Gebrüder Grimm hat das natürlich nicht mehr viel zu tun. Doch gelingt es Schwab, sich anschlussfähiger Motive des zugegebenermaßen etwas verstaubten Märchens zu bedienen. Statt etwaige überholte Rollenbilder aus dem Märchen zu thematisieren, werden gerade für Menschen, die mitten in der Klimakrise aufwachsen, hochaktuelle Fragen gestellt: Wie sind wir hierher gekommen? Wie machen wir weiter?

Alle tragen Verantwortung

Nur der Brief eines Kindes, das vermutet, wir alle tragen Verantwortung für das Klima, kann Holle dazu bewegen, es noch mal mit uns Menschen zu versuchen. Dass das die einzige Antwort ist, die die rund einstündige Vorstellung auf ihre komplexen Fragen liefert, ist dabei keineswegs unbefriedigend.

(Von Clemens Zimmermann/APA)

(S E R V I C E - "Holle!" von Sebastian Schwab im Musiktheater an der Wien, Wien 6, Linke Wienzeile 6, Koproduktion mit den Salzburger Festspielen. Libretto: Kai Weßler und Suse Frei. Inszenierung: Catharina von Bülow. Bühne / Kostüm: Anna Kreinecker. Licht: Karl Wiedemann. Dramaturgie: Christian Schröder. Mit Holle - Tatiana Kuryatnikova, Pech-Andy/Klarinetten - Manuel Ernst, Gold-Andy/Hammerklavier u. a. Alexander Gergelyfi. Weitere Aufführungen am 21., 23., 24. und 26. Februar sowie 23. März. www.theater-wien.at)

Zusammenfassung
  • Im Musiktheater an der Wien feierte am Samstag die Kinderoper "Holle!" von Sebastian Schwab ihre österreichische Erstaufführung und thematisiert mit altersgerechter Musik die Klimakrise.
  • Die rund einstündige Inszenierung von Catharina von Bülow richtet sich an Kinder ab sechs Jahren und stellt die Verantwortung der Menschen für das Klima in den Mittelpunkt.
  • Weitere Aufführungen finden am 21., 23., 24. und 26. Februar sowie am 23. März statt.