APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER

KHM-Kuratorium tagt nach Vorwürfen an KHM-Spitze

Heute, 11:39 · Lesedauer 2 min

Die von der Schloss Ambras-Direktorin Veronika Sandbichler vorgebrachten Vorwürfe gegen die "toxische Führungskultur" im Verband des Kunsthistorischen Museums seit Antritt von Generaldirektor Jonathan Fine im Vorjahr beschäftigen nun auch das Kuratorium des KHM-Verbandes. Dieses absolviert neben seiner für Mittwoch angesetzten regulären Sitzung nun auch eine Sondersitzung. Im Ö1-Morgenjournal präzisierte Sandbichler ihre in der "Zeit im Bild 2" vorgebrachten Vorwürfe.

Sandbichler, die seit 34 Jahren im Verband des Kunsthistorischen Museums beschäftigt ist und die Innsbrucker Außenstelle Schloss Ambras seit 2010 leitet, spricht von "Einschüchterung, Druck und persönlicher Abwertung". Vor Fines Antritt habe eine "sehr gute Kritikkultur" geherrscht. "Ich arbeite sehr, sehr gern und mir liegt etwas an dieser Institution und auch an den Menschen, die da arbeiten", so Sandbichler gegenüber Ö1. "Sie können mir glauben, dass es mir nicht leicht fällt, damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen." Der KHM-Verband wies die erhobenen Behauptungen noch am Dienstagabend zurück und bezeichnete die Anschuldigungen als "inhaltlich unzutreffend, einseitig dargestellt und durch keinerlei Fakten gedeckt."

Sandbichlers Anwalt Martin Maxl unterstreicht, dass es sich jedoch um keinen Einzelfall handle. "Da sind knapp 20 Personen durch genau diese toxische Führungskultur aus dem KHM ausgeschieden", sagte er im "Morgenjournal". Sandbichler spricht von "sehr, sehr vielen Kolleginnen und Kollegen, die Angst haben, ihren Job zu verlieren". Maxl kritisiert, dass die Kuratoriumsvorsitzende zunächst nicht reagierte und dann ausgerechnet jene Rechtsanwaltskanzlei beauftragte, die einige Wochen zuvor bereits von der Geschäftsführung beauftragt worden war, gegen Sandbichler vorzugehen. Dabei handle es sich um eine "klassische Interessenskollision".

Seitens des Kulturministeriums betont man gegenüber der APA, dass in der Angelegenheit bereits Stellungnahmen der Geschäftsführung des KHM-Museumsverbandes und der Kuratoriumsvorsitzenden eingeholt worden seien. Eine externe Revision sei vom Kuratorium des KHM beauftragt worden, um eine unabhängige und sorgfältige Aufklärung sicherzustellen. Darüber hinaus wolle man eine laufende arbeitsrechtliche Auseinandersetzung nicht kommentieren. Ein fairer und respektvoller Umgang in Kunst und Kultur habe für Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) "aber oberste Priorität, ebenso die konsequente Einhaltung von Compliance-Grundsätzen". Das gelte insbesondere für Bundeskultureinrichtungen. Deswegen habe Babler eine enge Begleitung des Prozesses durch das Ministerium veranlasst.

Zusammenfassung
  • Die Direktorin von Schloss Ambras, Veronika Sandbichler, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Führungskultur im Kunsthistorischen Museum seit dem Amtsantritt von Generaldirektor Jonathan Fine im Vorjahr.
  • Laut Sandbichlers Anwalt Martin Maxl haben rund 20 Personen das KHM aufgrund einer "toxischen Führungskultur" verlassen, während der KHM-Verband die Anschuldigungen als "inhaltlich unzutreffend" zurückweist.
  • Das Kuratorium des KHM reagiert mit einer Sondersitzung und hat eine externe Revision zur unabhängigen Aufklärung der Vorwürfe beauftragt, begleitet vom Kulturministerium unter Andreas Babler (SPÖ).