APA/APA/Volksoper/Barbara Pálffy

Käfig-Haltung: Erfolg für "La Cage aux Folles" der Volksoper

28. März 2022 · Lesedauer 3 min

Drew Sarich ist ein würdiger Nachfolger von Karlheinz Hackl und von Gloria Gaynor. So ungewöhnlich dieses Doppelkompliment scheint, so stimmig ist er angesichts seiner "Zaza" im Dragmusical "La Cage aux Folles", mit dem der Volksoper Wien am Sonntag ein klarer Erfolg gelang - nicht nur, aber nicht zuletzt dank der Leistung des 46-Jährigen. Dieser Käfig voller Narren ist ein Käfig mit Haltung, in dem überkommene Klischees ad acta gelegt werden, nicht der Spaß.

Bei ihrem Regiedebüt am Haus gelingt Melissa King Schwung und die Zeichnung echter Charaktere ohne billigen Tuntentrash a la heute nicht mehr vermittelbaren Peinlichkeiten wie "Charleys Tante" oder der französischen "Cage aux Folles"-Originalverfilmung. Und King hat für die Neuproduktion die würdigen Erben für Frank Hoffmann und Karlheinz Hackl zur Verfügung, die einst bei der ersten Produktion am Gürtel 1991 umjubelt wurden: Sarich und Viktor Gernot als sein Ehemann Georges sind ein schlicht entzückendes (Eltern)-Paar im fortgeschrittenen Alter, bei denen sich in Tanznummern schon mal die Bandscheibenfrage stellt.

Die Handlung entspricht - bei aller Feinarbeit im Konkreten - weitgehend der Stück- respektive Filmvorlage. Georges und Albin sind seit langem ein Paar, wobei Georges ein Nachtclub in Saint-Tropez gehört, in dem Albin als Zaza der große Star ist. Alles wunderbar - bis Georges' Sohn Jean-Michel den beiden eröffnet, dass er Anne, die Tochter eines erzkonservativen Provinzpolitikers, heiraten will. Und so prallen mit einem Male Welten aufeinander.

Jerry Hermans Musicalversion der französischen Dragklamotte "La Cage aux Folles" ist seit der Uraufführung 1983 zwar erfolgreich, aber kein absoluter Hit des Genres geworden - anders die Nummer "I am what I am", die Gloria Gaynor untersterblich machte. Und Drew Sarich trat stöckelschuhbewehrt in die Fußstapfen der Discoqueen. Viktor Gernot als guter Lotsch Georges und Jurriaan Bles, der mit seiner Interpretation der Zofe Jacob frappant an Jorge Gonzalez erinnert, ergänzen diese Seite des Figurenspektrums.

Naturgemäß etwas blass bleibt da im Vergleich Oliver Liebls Jean-Michel oder das konservative Familienpendant bestehend aus Mutter Marie, gespielt von Sigrid Hauser, und Vater Edouard, den Volksopernchef Robert Meyer gibt - und dabei am Ende im Regenbogendrag auftreten kann. Hinzu kommen selbstredend all die bunten Käfig-Hühner, die allabendlich die Bühne des Nachtclubs bevölkern, was sie bisweilen im Look von Ruth Bader-Ginsberg tun, legendär-liberale US-Höchstrichterin. Derweil schwebt über der Bühne ein riesiger Stahlring, der mal als Lichtinstallation, mal als Vorhanghalter, gesenkt als Tisch oder als Tanzlaufsteg dient und damit als Sinnbild für die ganze Inszenierung dient: Eine runde Sache.

(S E R V I C E - "La Cage aux Folles" von Jerry Herman in der Volksoper, Währinger Gürtel 74, 1090 Wien. Dirigent: Lorenz C. Aichner, Regie/Choreografie: Melissa King, Bühne: Stephan Prattes, Kostüme: Judith Peter. Mit Albin - Drew Sarich, Georges - Viktor Gernot, Jacob - Jurriaan Bles, Jean-Michel - Oliver Liebl, Anne Dindon - Juliette Khalil, Edouard Dindon - Robert Meyer, Marie Dindon - Sigrid Hauser, Jacqueline - Martina Dorak, Francis - Jakob Semotan, Odette - William Briscoe-Peake, Angelique - Ilvy Schultschik, Bitelle - Fabian Lukas Raup, Mercedes - David Eisinger, Chantal - Rico Salathe, Hanna - Georg Prohazka, Dermah - Martin Enenkel, Monique - Kevin Perry, Phädra - Paul Csitkovics, Clo-Clo - Eva Zamostny, M. Renaud - Georg Wacks, Mme. Renaud - Elvira Soukop, Colette - Theresa Dax, Etienne - Maximilian Klakow. Weitere Aufführungen am 29. März, am 2., 4., 9. und 30. April, am 1., 6. 13., 15., 18., 25. und 29. Mai sowie am 1. und 5. Juni. www.volksoper.at/produktion/la-cage-aux-folles-2021.998332001.de.html)

Quelle: Agenturen