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Kabarett-Shootingstar Mitmannsgruber bricht nach "1996" auf

Heute, 04:02 · Lesedauer 7 min

Der 6. März steht im Stadtsaal in Wien ganz im Zeichen von Norwegerpulli und Schnauzer. Kabarett-Shootingstar Benedikt Mitmannsgruber lädt dort zur Premiere seines dritten Programms "1996". Der aus seinem kleinen Dorf im oberen Mühlviertel stammende Künstler wird dabei einmal mehr über seine Herkunft und das Aufwachsen am Land sinnieren, wie er im Interview mit der APA ankündigte - auch wenn er inzwischen mit der Provinz versöhnt ist, wie er versichert.

Das liege nicht zuletzt daran, dass man ihn auch dort freundlich empfängt und gut aufnimmt, sagt er. Wie gefragt er inzwischen ist, zeigt sich aber auch daran, dass viele Termine zum neuen Programm bereits jetzt ausverkauft sind. Selbst Tickets für große Hallen waren rasch weg. Das habe ihn schon sehr erstaunt - und erhöht den Druck, gesteht er.

APA: Herr Mitmannsgruber, der Titel des neuen Programms 1996 bezieht sich auf Ihr Geburtsdatum. Sie erzählen auf der Bühne immer wieder von Ihrer Herkunft. Wird es wieder um das Aufwachsen am Land gehen?

Benedikt Mitmannsgruber: Genau, ja. Es wird eine Reise in die tiefste Provinz, ins tiefste Oberösterreich, in die Nullerjahre. Es geht um meine Kindheit dort, um mein Aufwachsen. Und es sind auch einige Elemente drin im Programm, die ich so noch nie ausprobiert habe auf einer Bühne. Das sind vielleicht so ein, zwei Sachen, die vielleicht neu sind im österreichischen Kabarett. Also ich bin schon sehr motiviert und ziemlich, ziemlich angespannt.

APA: Das macht jetzt natürlich neugierig. Verraten Sie dazu ein bisschen mehr?

Mitmannsgruber: Das darf ich leider nicht. Also der Anfang ist vielleicht so, wie man ihn noch nicht gesehen hat, ziemlich überraschend. Ich bin schon sehr gespannt, wie es ankommt. Aber ich kann es leider nicht verraten.

APA: Ist es vielleicht gar ein Kostümwechsel? Wie man hört besitzen Sie bereits zwei Norwegerpullis.

Mitmannsgruber: Ja, das stimmt. Aber nein, es ist kein Kostümwechsel.

APA: Dass Ihre Herkunft Thema ist, ist hingegen nicht sehr überraschend. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Provinz beschreiben? Ist das eine Art Hassliebe? Weil selbst wenn man Verhältnisse dort aufs Korn nimmt, verdankt man dieser Umgebung ja auch sehr viel. Zum Beispiel Inspiration, um Kabarett zu machen.

"Jetzt ist es eher eine Liebe"

Mitmannsgruber: Ja, die Herkunft ist nicht zum ersten Mal Thema. Und es war vielleicht eher im ersten und zweiten Programm eine Hassliebe, jetzt ist es eher eine Liebe, weil in dem neuen Programm geht es ja um ein Aufwachsen in meiner Familie, und das ist schon sehr, sehr positiv behaftet. Und ich habe so viel in der Provinz gespielt in den letzten Jahren mit dem Programm, dass ich mich ein bisschen versöhnt habe mit dem Land.

APA: Wie das? Wurden Sie dort besonders freundlich aufgenommen? Merken Sie einen Unterschied zwischen dem Publikum in einer kleinen Gemeinde und dem in der Stadt, also etwa in Wien?

Mitmannsgruber: Ja, den gibt es, das würde ich schon sagen. Weil ich habe mit dem letzten Programm echt viel in so Orten gespielt, wo halt nie was los ist. Und die warten halt dann wirklich ein Jahr auf den Abend, auf die Veranstaltung, und die sind irgendwie schon extrem motiviert und lachen gefühlt mehr.

"Erste Reihe muss sich schon ziemlich fürchten"

APA: Darf - oder muss - das Publikum wieder mitspielen im kommenden Programm. Muss man sich da fürchten?

Mitmannsgruber: Die erste Reihe muss sich schon ziemlich fürchten, dass sie wieder ein bisschen eingebunden wird. Das finde ich eigentlich ganz lustig, weil man ein bisschen rauskommt vom Text. Ich beziehe das Publikum einfach gerne mit ein und rede ein bisschen mit den Leuten. Man merkt relativ schnell, ob es irgendwem voll unangenehm ist. Dann schau ich halt, dass ich einfach wenig frage. Und manche Leute fühlen sich dann so extrem motiviert von dem, dass ich sie anrede, dass sie dann einfach ständig mitreden wollen. Also da gibt es irgendwie so zwei Extrempole.

APA: Sie machen kein klassisches Politkabarett, sind aber doch sehr politisch. Wird das jetzt auch wieder so sein? Oder wird das, wenn es eher ums Persönliche geht, ausgeklammert?

Mitmannsgruber: Ich würde schon sagen, dass das Programm auch wieder politisch ist, halt auf meine Art. Ich versuche, dass ich aus meiner persönlichen Sicht, aus meinem persönlichen Leben ein paar politische Sachen einbringe. Aber ich möchte jetzt nicht irgendwie das Publikum moralisieren.

Termine bereits ausverkauft

APA: Sie sind doch schon einige Jahre im Geschäft und auf Tour. Jetzt sind viele Termine des neuen Programms bereits ausverkauft. Überrascht Sie der doch große Erfolg? Oder sagt man sich da, das wird eh höchste Zeit?

Mitmannsgruber: Nein, also mich hat das extrem schockiert. Es waren ja auch die ganz großen Säle, also etwa die List-Halle in Graz mit 1.200 Zuschauerinnen, auf einmal voll. Das hat mich schon ziemlich nervös gemacht. Das bedeutet dann natürlich auch mehr Druck. Ich schätze, da muss ich wahrscheinlich erst einmal richtig reinkommen.

APA: Gibt es eine Erklärung, warum es so gut läuft?

Mitmannsgruber: Ich habe extrem viel gespielt zuletzt, also wirklich überall in ganz Österreich. Und viel Social Media gemacht. Also meine Freundin macht das. Da sind ein paar Sachen ziemlich viral gegangen. Und viel Fernsehen. Ich glaube, das war so ein Zusammenspiel.

APA: Das heißt, auch im Kabarett geht es gerade ohne Social Media wahrscheinlich nicht mehr, um sich eine Basis aufzubauen?

Mitmannsgruber: Ja, leider. Ohne dem geht es nicht, dass man als junger Künstler, als junge Künstlerin bekannt wird.

Erster Auftritt 2017

APA: Wie waren Ihre Anfänge?

Mitmannsgruber: Ich bin nach Linz gezogen und zu einem Kabarettclub gegangen, wo jeder mitmachen hat können. 2017 hab ich dort meinen ersten Auftritt gehabt. Weil bei uns oben im Dorf, da gibt es ja keine Theatervereine oder sowas, wo man was Künstlerisches ausprobieren kann. In den nächsten Jahren habe ich dann ein paar Bewerbe gespielt und so bin ich immer weiter reingekommen.

APA: Das klingt anstrengender als ein lustiges Video auf TikTok zu machen.

Mitmannsgruber: Ja, definitiv. Obwohl es wahrscheinlich mehr gebracht hat, weil ein virales Video heißt halt nicht, dass man 60 gute Minuten auf der Bühne hat. Und das war halt schon ein harter, ein ziemlich harter Weg, vor wenigen Leuten zu spielen.

APA: Sie haben auch Lehramt studiert, haben Sie jemals unterrichtet?

Mitmannsgruber: Nein, ich hab mich relativ bald selbstständig gemacht mit dem Kabarett. Ich glaub, unterrichten wär nicht so gut gelaufen für beide Seiten.

APA: Gibt es Vorbilder in der heimischen Kabarettszene - oder auch international?

Mitmannsgruber: Also früher als Jugendlicher habe ich unglaublich gerne Thomas Stipsits geschaut. Klaus Eckel habe ich auch immer sehr lustig gefunden, und Hazel Brugger. Jetzt schaue ich sehr viel angloamerikanische Stand-up-Comedy. James Acaster ist ein ziemlich großes Vorbild von mir.

Weitere TV-Einsätze geplant

APA: Wird auch Zeit bleiben demnächst, um weiter Fernsehen zu machen?

Mitmannsgruber: Wir haben da jetzt eine zweite Folge des Außenreporter-Einsatzes (in der ORF-Late-Night-Show "Gute Nacht Österreich", Anm.) angedacht. Also das wird definitiv weitergehen.

APA: Ist Film für Sie auch ein Thema?

Mitmannsgruber: Ja, es würde mich sehr interessieren. Also ich bin ein großer Filmnerd und schaue extrem gerne Filme und Serien und ich würde schon gerne mal irgendwo mitspielen oder was schreiben.

"Ein wenig verwirrt vom Leben"

APA: Und wie darf man sich den privaten Benedikt Mitmannsgruber vorstellen. Ähnelt er dem auf der Bühne, also dem Antihelden mit dem trockenen Humor. Oder lacht er auch manchmal laut und lange?

Mitmannsgruber: Ich würde sagen, die Figur auf der Bühne ist eine sehr authentische Figur, weil die Geschichten, die ich dazu erzähle, meistens sehr authentisch sind. Also das ist schon sehr nahe an meiner eigenen Person. Ich bin jetzt im privaten Leben nicht sehr exzentrisch, aber es ist schon ein wenig überspitzt. Auch wenn viele Freunde sicher sagen würden, dass die Figur schon Ähnlichkeit hat mit mir: ein wenig verpeilt, naiv und einfach ein wenig verwirrt vom Leben.

(Das Interview führte Gerald Mackinger/APA)

(S E R V I C E - Benedikt Mitmannsgruber: "1996", Premiere am 6.3., 19.30 Uhr, im Stadtsaal Wien. Nächste Vorstellung am 11.3., Oberösterreich-Premiere am 12.3. im Posthof Linz, Steiermark-Premiere am 13.3. in der Helmut-List-Halle in Graz, https://www.benediktmitmannsgruber.com/ )

Zusammenfassung
  • Benedikt Mitmannsgruber feiert am 6. März im Wiener Stadtsaal die Premiere seines dritten Kabarettprogramms "1996", das stark von seiner Kindheit im oberen Mühlviertel geprägt ist.
  • Viele Termine, darunter auch große Hallen wie die List-Halle in Graz mit 1.200 Plätzen, sind bereits vorab ausverkauft, was den Künstler selbst überrascht und nervös macht.
  • Im neuen Programm werden erstmals innovative Elemente gezeigt, die laut Mitmannsgruber neu im österreichischen Kabarett sind, Details dazu bleiben aber vorerst geheim.
  • Mitmannsgruber bindet das Publikum, besonders die erste Reihe, aktiv ins Geschehen ein und kombiniert persönliche Geschichten mit politischen Themen, ohne zu moralisieren.
  • Seinen aktuellen Erfolg führt der Kabarettist auf zahlreiche Auftritte in ganz Österreich, virale Social-Media-Beiträge und TV-Präsenz zurück, wobei er 2017 mit seinem ersten Auftritt in Linz begann.