APA - Austria Presse Agentur

Julian Le Play setzt nun auf Teamarbeit

05. Aug 2020 · Lesedauer 5 min

Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer: Der Wiener Musiker Julian Le Play zeigt sich auf seinem neuen Album "Tandem" gewandelt. Statt alleine im stillen Kämmerlein an den Songs zu tüfteln, hat er diesmal eine ganze Schar an Kollegen um sich versammelt. "Es war letztlich ein notwendiger Schritt", erklärte er im APA-Interview. Schließlich sei er nach der letzten Tour "mit dem Rücken zur Wand" gestanden.

Damit meinte Le Play jene Zeit, als er seinen "Reflex", sofort wieder in den Kreativmodus umzuschalten, nicht ausleben konnte. "Ich wollte es wieder so machen, wollte wieder alleine schreiben, aber habe schnell gemerkt, dass es nicht geht. Es war ein bisschen wie ein Loch." Für die bisherigen drei Alben - zuletzt war 2016 "Zugvögel" erschienen - hatte er stets auf Sessions mit anderen Musikern verzichtet. "Mein Anspruch war, alleine zu schreiben."

Da es diesmal nicht wirklich klappen wollte, ging Le Play kurzerhand in die Offensive: "Ich habe jedem kommuniziert, dass ich offen bin, auch mit ganz fremden Leuten zu schreiben", schmunzelte der Musiker. So seien unterschiedlichste Anfragen bei ihm eingetrudelt, etwa von Johannes Römer aus Bayreuth. "Der hat damals noch bei seinen Eltern gewohnt. Also bin ich mit dem Zug rauf zu ihm, und es sind drei Songs entstanden." Der neue Mitstreiter brachte eine stärkere elektronische Färbung in den radiotauglichen Pop Le Plays.

Und auf diese Weise ging es weiter, entstanden verschiedene Teams und Konstellationen, ging aber auch nicht alles sofort auf, wie Le Play unumwunden zugibt. "Bei einer Session in Berlin waren wir plötzlich zu siebt im Raum, weil jeder irgendwen mitgebracht hat. Das kann es auch nicht sein", lachte er über diese Begebenheit. Was aber sein Vorrecht blieb, war das Schreiben der Texte. "Egal, wie gut Texte von anderen sind, ich kann das einfach nicht singen. Das muss ich machen!"

Wobei es Le Play grundsätzlich darum geht, "eine Emotion oder eine Geschichte zu finden, diese niederzuschreiben und zu verpacken". Je persönlicher die zugrunde liegende Angelegenheit, umso wichtiger das Vertrauen zu den Mitmusikern. "Sterne" handelt etwa von der Vorstellung, seine Eltern zu verlieren. "Mit dieser Frage habe ich mich vor zwei Jahren beschäftigt", zeigte sich Le Play nachdenklich. "Und geschrieben habe ich das dann mit meinem Gitarristen und meinem Keyboarder, weil es zwischen uns einfach ein Urvertrauen gibt."

"Tandem", das am Freitag erscheint, hat aber auch weniger ernste Seiten, liefert vielfach Stücke aus dem Beziehungskosmos oder entführt schon mal in eine rauschende Partynacht ("Du & Ich"). Musikalisch hat sich der Singer-Songwriter Le Play geöffnet, ist mittlerweile einem modernen Popbegriff verpflichtet. "Es war mir wichtig, auch einen Pflock einzuschlagen. Das ist mein Sound", betonte er und verwies auf die Bandbreite der Platte. "Ich habe auch gemerkt, dass mein Publikum einiges mitmacht mit mir", schob er lachend nach.

Wobei sich diese 15 Stücke natürlich gut in die Vita des Musikers einfügen. "Offensichtlich ist das bindende Element bei mir einfach meine Art, Geschichten zu erzählen. Wenn es einen roten Faden gibt, ist es das. Jeder Song ist wie ein kleiner Film", so Le Play. "Ob diese Geschichte dann in einem elektronischen Kostüm stattfinden oder zur akustischen Gitarre, ist eigentlich egal."

Ein Unterschied sei allerdings der Schreibprozess selbst gewesen, unabhängig von den Einflüssen der diversen Mitstreiter. "Ich habe diesmal viel melodieorientierter gearbeitet. War es früher erzählerischer, habe ich diesmal den Text erst im Nachhinein hineingegossen, als die Melodie schon da war. Deshalb sind die Stücke wohl hookiger." Die Weiterentwicklung seiner Musik habe sich letztlich abgezeichnet. "Kurz überlegst du schon: Wie soll ich das meinen Fans erklären? Aber es war einfach das Urvertrauen da, dass es auch draußen funktioniert, wenn es mir gefällt."

Ein nicht zu verachtendes Nebenprodukt von "Tandem" findet sich übrigens in der Nähe von Schloss Schönbrunn: Dort hat Julian Le Play gemeinsam mit zwei Mitstreitern die Villa Lala als Kreativzentrum eingerichtet. Eine alte Botschaftsvilla inmitten eines idyllischen Gartens, wo der Wind die Blätter tanzen lässt und man aus liebevoll eingerichteten Studio- und Proberäumen ins Grün blicken kann. "Wir haben viel in einer Holzhütte bei Hall in Tirol gearbeitet und uns schlussendlich gedacht: So etwas brauchen wir auch in Wien. Ein Kreativplatz, der der österreichischen Musikszene gerecht wird", unterstrich Le Play.

Es fällt tatsächlich alles andere als schwer, sich beispielsweise in der Bibliothek mit efeubewachsenem Fenster einen Musiker beim Komponieren vorzustellen. "Ein Jahr lang stand dieses Haus leer. Und jetzt ist es eine alte, ein bisschen verwunschene Villa, in die wir Studios reingebaut haben." Wobei Le Play besonders stolz darauf ist, dass ein Großteil der Mitwirkenden an "Tandem" nun auch in der Villa Lala ein kreatives Zuhause gefunden hat.

Hier wird nun auch für die ersten wenigen, trotz Coronavirus möglichen Auftritte geprobt. Die große Tour zum Album musste auf kommendes Jahr verschoben werden. "Planen kann man aber eh nichts", gab sich Le Play pragmatisch. "Dabei bin ich einer, der alles planen und durchschauen will." Vielleicht sei aber das einer der wenigen positiven Aspekte an Corona: "Dass man einen Strich durch die Rechnung gemacht bekommt und es heißt: Hey, leb mal so vor dich hin! Keiner verpasst etwas, alle sitzen wir im gleichen Boot und sind zuhause auf Selbstfindungstrip."

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Österreichtournee von Julian Le Play ab 7. Februar 2021, Details und Tickets unter https://julianleplay.com/)

Quelle: Agenturen