Jody Williams: "Vergewaltigung wird als Kriegswaffe eingesetzt"

30. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Welchen Gefahren sind Frauen in Kriegsgebieten ausgesetzt? Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams analysiert im Rahmen des 4GAMECHANGERS Festivals die Situation von Frauen in Konfliktgebieten.

Vor 25 Jahren hat Jody Williams den Friedensnobelpreis erhalten. Sie setzte sich besonders für das Verbot von Landminen ein.

Als Highschool-Schülerin habe ein Lehrer ihr in Bezug auf ihr Land die Augen geöffnet und sie habe begonnen, den damaligen Vietnam-Krieg in Frage zu stellen. "Das hat mein Leben verändert, ich wusste von da an, dass ich aktiv sein musste, um den Unterschied in der Welt ausmachen zu können. Insbesondere in Bezug auf den Krieg", sagt die Friedensnobelpreisträgerin. Mittlerweile werden dank ihres Einsatzes in 164 Ländern keine Landminen mehr verwendet.

Frauen und Konflikte

Zusammen mit anderen Friedensnobelpreisträgerinnen hat Williams 2006 die "Nobel Women's Initiative" gegründet, um Frauen auf der ganzen Welt im Kampf für Gerechtigkeit, Frieden und Gleichstellung zu unterstützen. Vor kurzem sei eine Delegation nach Polen und in die Ukraine gereist um dort mit vertriebenen Frauen zu sprechen. "Wir sahen, wie resilient sie waren, wie stark sie waren. Unglaubliche Frauen, die unglaubliches erlitten haben, die dennoch durchhalten", erzählt die Friedensnobelpreisträgerin. 

"Bitte vergessen sie uns nicht"

Williams habe in Krakau mit geflüchteten ukrainischen Frauen gesprochen und sei dabei auf sehr viel Hass gestoßen. Jede Frau, mit der sie gesprochen hat, habe jedoch um eine Sache gebeten: "Bitte vergessen sie uns nicht". Ukrainerinnen haben nun Angst, dass der Krieg im Laufe der Zeit immer weniger Aufmerksamkeit bekommen könnte und ihr Leiden vergessen wird. 

Auch in der Ukraine habe sie mit "Binnenvertriebenen" gesprochen - Menschen, die innerhalb der Ukraine geflüchtet sind. Auch sie waren genauso verängstigt und verschreckt, wie die Frauen in Polen. Fasziniert habe sie aber vor allem die Geschichte der ukrainischen Zugführerinnen. Diese Frauen würden weiterhin im Dienst bleiben, auch wenn jede Fahrt ihre letzte sein könnte. "Ich musste das tun. Was wäre die Alternative? Wenn ich nicht hingefahren wäre, dann hätte eine andere Frau es tun müssen. Warum sie und nicht ich? Also bin ich gefahren", soll eine der Zugfahrerinnen zu Williams gesagt haben.

Vergewaltigung als Kriegswaffe

"Vergewaltigung wird als Kriegswaffe eingesetzt", so Williams. Gerade in der momentanen Situation in der Ukraine käme es regelmäßig dazu, dass ukrainische Frauen Opfer sexueller Belästigung und Vergewaltigungen seien. Wenn man viele Frauen vergewaltigt, zerstört man das Gewebe einer Gemeinschaft", sagt Williams.

"Jeder kann die Welt verändern"

"Ich ging in die Welt hinaus, arbeitete mit anderen Menschen zusammen, um die Welt besser zu machen. Wir können die Welt so verändern, dass wir Frieden und Gerechtigkeit haben und das sollte uns auch gelingen", so Williams. Sie betont: "Jeder kann ein die Welt verändern. Jeder kann ein Gamechanger sein". 

Hinweis: Alle Panels, Keynotes und Interviews vom 4GAMECHANGERS Festival 2022 finden Sie hier unter puls24.at/4gamechangers

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj