APA - Austria Presse Agentur

Jérôme Bel gab Lecture Performance zu Isadora Duncan

29. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Das Festival ImPulsTanz steht bekanntlich auf zwei Beinen: Einerseits gibt es ein dichtes Kurs- und Workshop-Programm, andererseits werden hochkarätige Vorstellungen internationaler Szene-Stars angeboten. Im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten, konnte man am Mittwochabend beides verbinden: "Isadora Duncan" von Jérôme Bel entpuppte sich als ebenso lehrreiche wie vergnügliche Lecture Performance mit Mitmach-Möglichkeit.

Zehn Besucherinnen und ein Besucher nützten die im einstündigen, erstmals in Österreich gezeigten Programm unvermittelt angebotene Chance, selbst - mit Mundschutz - auf die Bühne zu kommen und an der Seite der Tänzerin Elisabeth Schwartz Duncans kurze Choreographie "Prelude" zu Chopin-Musik einzustudieren und können nun mit Fug und Recht über sich sagen: "Ich habe mit Jérôme Bel gearbeitet." Der französische Choreograf entpuppte sich nicht nur als einfühlsamer Lehrer, sondern auch als blendender Entertainer. In grüner kurzer Hose, gelbem T-Shirt und roten Badeschlapfen performte er zunächst einmal das Programmheft. Aus ökologischen Gründen verzichte er nämlich auf gedruckte Versionen ebenso wie auf Flugreisen, erklärte er dem Publikum freundlich lächelnd auf Englisch mit französischem Akzent.

Auf der Bühne vermittelte Bel anschließend an einem Tischchen vor einen Laptop sitzend Basiswissen über die in San Francisco geborene Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan (1877-1927), die als eine der Wegbereiterinnen des modernen Tanzes gilt. "Sie hasste Ballett. Sie empfand es als unnatürlich und hässlich." Der später von ihren "Isadorables" genannten Adoptivtöchtern weitergegebene Stil war revolutionär. Die in New York ausgebildete und heute in Paris lehrende Tänzerin, Choreografin und Historikerin Elisabeth Schwartz, Spezialistin auch für die Techniken von Rudolf Laban, erwies sich als perfekte Vermittlerin der von Duncan ersonnenen Bewegungsfolgen und Choreografien, die Bel stets mehrfach wiederholen ließ: mit Musik, ohne Musik sowie mit begleitenden Kommentaren.

Dass es keine Tanzgeschichtsstunde für Spezialisten wurde, dafür sorgte nicht nur die hoch konzentrierte 70-Jährige mit ihrer umwerfenden Ausstrahlung, sondern auch der Charme des Choreografen, der Tanzgeschichtliches mit Biografischem verband. Das schließt Tragisches mit ein: Ihre beiden Kinder ertranken, als das Auto, bei dem der Chauffeur beim Aussteigen vergessen hatte, die Handbremse anzuziehen, in die Seine stürzte, sie selbst starb mit 50 Jahren in Nizza bei einer Autofahrt, als sich ihr Schal in einem Rad des offenen Sportwagens verfing.

Die gestrige Aufführung bei ImPulsTanz war eine einmalige (An-)Gelegenheit, doch am 31.7 und 1.8. folgt noch ein Workshop von Bel und Schwartz im Arsenal: "On Isadora Duncan".

Quelle: Agenturen