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Italien will Russlands Biennale-Pavillon "einfrieren"

Heute, 09:18 · Lesedauer 3 min

Der Streit um Russlands Teilnahme an der im Mai beginnenden Kunstbiennale in Venedig spitzt sich weiter zu. Die italienische Regierung prüft derzeit die Möglichkeit, den russischen Pavillon "einzufrieren" - ähnlich wie Vermögenswerte wie Jachten, Luxusvillen und Bankkonten, die von der EU nach der Invasion der Ukraine vor vier Jahren gegen russische Oligarchen blockiert wurden.

Damit könnte Rom Russlands Teilnahme an der Biennale verhindern, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Der russische Pavillon soll nach mehr als vier Jahren Pause am 9. Mai im Rahmen der 61. Internationalen Kunstausstellung wiedereröffnet werden.

Seit Tagen herrscht ein offenes Kräftemessen zwischen dem italienischen Kulturminister Alessandro Giuli, der sich gegen eine Teilnahme Russlands stellt, und dem Präsidenten der Biennale, Pietrangelo Buttafuoco. "Keine Vorschrift wurde verletzt, und die Sanktionen gegen die Russische Föderation wurden vollständig eingehalten, wie es unsere Pflicht ist", heißt es in einem Begleitschreiben, mit dem die Biennale von Venedig am Dienstag dem Kulturministerium die gesamte angeforderte Dokumentation zum russischen Pavillon übermittelt hat. Giuli hatte die Unterlagen bereits am Freitag "dringend" angefordert.

Seit Dienstag prüfen Fachleute des Kulturministeriums in Rom die Dokumente, um mögliche kritische Punkte zu identifizieren, die eine neue Sanktionsanfrage an die EU rechtfertigen könnten. Ziel ist es zu verhindern, dass Russland trotz der vehementen Proteste aus der Ukraine in Venedig vertreten ist. "Das ist inakzeptabel", hatte die ukrainische Kulturministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Tetjana Bereschna kürzlich in einem vertraulichen Gespräch mit Giuli erklärt.

Der Konflikt zwischen Giuli und Buttafuoco ist inzwischen offen ausgebrochen. Sichtbar wird dies wahrscheinlich auch am Donnerstag in Venedig, wenn in den Giardini der Biennale die Zeremonie zum Abschluss der vom Kulturministerium finanzierten Restaurierung des Zentralpavillons stattfindet. Medienberichten zufolge erwägt Giuli, der Veranstaltung fernzubleiben.

Der Fall sorgt zudem für Spannungen innerhalb der Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini hat erneut klar Position bezogen und Buttafuoco unterstützt. Nach einem Telefonat mit ihm erklärte er: "Die Biennale ist eine autonome Einrichtung. Kultur, Kunst, Musik, Theater und Sport sollen verbinden, nicht ausschließen. Pietrangelo Buttafuoco tut gut daran, die Autonomie der Institution zu verteidigen. Ich mag Zensur nie."

Kulturschaffende fordern Israels Ausschluss

Neben den Spannungen rund um Russland eröffnet sich im Vorfeld der Kunstbiennale von Venedig ein weiterer Konfliktherd: die Teilnahme Israels. Künstler, Kuratoren und Kulturschaffende fordern den Ausschluss Israels. Der Protest wird vom internationalen Kollektiv ANGA ("Art Not Genocide Alliance") koordiniert, das seit Jahren die Teilnahme Israels an kulturellen Plattformen kritisiert. Die Gruppe hatte bereits 2024 die Schließung des israelischen Pavillons in den Giardini von Venedig erreicht.

Nun wächst der Druck in Form eines offenen Briefes an den Präsidenten der Biennale mit 200 Unterschriften von Künstlern, Kuratoren und weiteren Beteiligten der im Mai beginnenden Ausstellung. Im Brief heißt es, es sei nicht hinnehmbar, dass die Biennale einem Staat Raum gebe, der nach Ansicht der Unterzeichner "Völkermord, ethnische Säuberung und Apartheid" betreibe.

Zudem verweist der Brief auf Gewalt gegen palästinensische Künstler und kulturelle Einrichtungen und betont, dass auch das kulturelle Leben von den Konflikten betroffen sei. Das Dokument fordert die Biennale auf, "Israel nicht als kulturellen Akteur zu legitimieren". Kunst könne nicht von den menschlichen und zivilen Werten getrennt werden, die sie verkörpere.

Der israelische Pavillon in den Giardini wird derzeit renoviert. Die israelische Ausstellung soll daher ins Arsenale verlegt werden. Die Biennale erklärte, dass sie "die Teilnahme der von der italienischen Republik anerkannten Staaten gewährleistet, sofern diese dies beantragen".

Zusammenfassung
  • Die italienische Regierung prüft, den russischen Pavillon der am 9. Mai beginnenden 61. Kunstbiennale in Venedig einzufrieren, um Russlands Teilnahme zu verhindern.
  • Ein offener Konflikt zwischen Kulturminister Alessandro Giuli und Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco über die russische Teilnahme spaltet auch die italienische Regierung, während Vizepremier Matteo Salvini Buttafuoco gegen Zensur unterstützt.
  • Über 200 Künstler und Kulturschaffende fordern in einem offenen Brief den Ausschluss Israels von der Biennale, was die Debatte um politische Teilnahmen zusätzlich anheizt.