APA - Austria Presse Agentur

"Irgendwie weird": Mavi Phoenix' "Coming-of-Age-Album"

31. März 2020 · Lesedauer 5 min

"Boys Toys" klingt frisch, frech und direkt - wie Mavi Phoenix eben. Und doch ist das neue Album des österreichischen Popmusikers anders, ist es doch seine erste Veröffentlichung seit seines Transoutings vor wenigen Wochen. "Es ist einerseits voll befreiend, und ich freue mich, dass ich es gemacht habe", so Phoenix. "Andererseits ist es aber auch beklemmend, weil man so persönlich ist."

"Boys Toys" klingt frisch, frech und direkt - wie Mavi Phoenix eben. Und doch ist das neue Album des österreichischen Popmusikers anders, ist es doch seine erste Veröffentlichung seit seines Transoutings vor wenigen Wochen. "Es ist einerseits voll befreiend, und ich freue mich, dass ich es gemacht habe", so Phoenix. "Andererseits ist es aber auch beklemmend, weil man so persönlich ist."

Seit Jahren gehört Phoenix zu den spannendsten heimischen Popacts, hat mit einzelnen Songs und EPs für Furore gesorgt und mit Auftritten im In- wie Ausland bleibenden Eindruck hinterlassen. Nun lebt die in Linz geborene Sängerin und Rapperin Marlene Nader als Transgender-Mann. Von dieser Entscheidung, die sich in der Single "Bullet In My Heart" im Vorjahr bereits angedeutet hat, handeln auch viele der zwölf neuen Tracks. "Für mich war vollkommen klar, dass ich das zum Thema machen will", betonte Phoenix im APA-Interview. "Ich hatte das Gefühl, dass ich in dem voll aufgehe und viele Sachen zu erzählen habe."

Im intimen "12 Inches" wird die Reaktion der Familie behandelt, im Titelsong der eigene kreative Weg selbstbewusst propagiert oder mal eben der "Player" in die Auslage gestellt, um zu eigenwilligen Synthie-Sounds Party zu machen. "Ich glaube, dass ich der Welt etwas geben kann, indem ich meine Geschichte erzähle", so der Musiker. "Vielleicht gerade für Leute, denen es ähnlich geht oder die in einer Selbstfindungsphase sind, whatever! Ich habe das also sehr bewusst gewählt, dass das dieses Album ist, das gerade in dieser Phase entsteht. Für mich ist es ein bisschen ein Coming-of-Age-Album. Es fühlt sich so an, als ob ich nochmals in der Pubertät bin und zu einem Mann werde. Irgendwie weird."

Der auf diversen Onlineplattformen sehr aktive Künstler hat seitdem zwar einige Follower verloren - gleichzeitig aber viel Zuspruch erhalten. "Es fühlt sich wirklich wie ein Neustart an, das muss wohl auch so sein", überlegte Phoenix. "Andererseits ist es für mich eine natürliche Entwicklung. Ich habe nicht den Eindruck, dass Mavi Phoenix vor zwei Jahren ein komplett anderer Mensch war. Eigentlich bin ich jetzt mehr ich selbst." Das Outing sei dennoch eine schwierige Sache gewesen. "Natürlich in erster Linie für mich. Ich habe mir ja nicht gedacht: Nice, transgender, das bin ich." Lange habe er das Gefühl zurückgedrängt, "habe versucht, mir mein Leben als Frau so schön zu gestalten, wie es mir möglich ist".

Dennoch sei Phoenix schließlich an den Punkt gekommen, an dem klar wurde: "Das ist es nicht für mich! Ich habe so viel Potenzial, das ich nicht auskosten kann - einfach dadurch, dass ich eine Frau bin und mich nicht wohlfühle." Zunächst habe er nur mit wenigen engen Freunden darüber gesprochen, deshalb war der Schritt dann für viele eine Überraschung. "Auch für meine Familie", gab Phoenix zu verstehen. "Ich bin immer noch in dem Prozess, so viel es geht mit meiner Familie zu sprechen, weil ich merke, dass es das am meisten bringt."

All das habe auch den Sound von "Boys Toys", der von sehr artifiziell ("Scary Thoughts") bis zu beinahe handgemachtem Charme ("Family") reicht, beeinflusst. "Das Album zeigt, dass ich ein Mensch bin, der sehr tief geht, im Sinne von: eigene Emotionen erkunden oder Sachen hinterfragen." Früher sei Mavi Phoenix eher für einen fröhlichen Touch gestanden. "Das gibt es nun auch, aber man hört außerdem Frustration und Trotz heraus, obwohl es kein trauriges Album ist", so der Rapper. "Es versprüht Lebensfreude, das war mir sehr wichtig."

Produziert wurden die Songs in erster Linie vom langjährigen Kollaborateur Alex The Flipper, aber auch andere Leute hatten ihre Finger im Spiel. Herausgekommen ist dennoch ein äußerst homogenes Ganzes, das durch Abwechslungsreichtum besticht. Zudem ist mehrfach die Stimme von Mavi Phoenix ohne prägnanten Autotune-Effekt zu hören. "Ja", lachte der Musiker, "das wollte ich schon ausprobieren. Nicht weil jeder sagt, dass ich immer Autotune verwende, sondern weil ich versuche, immer im Wohle des Songs zu handeln. Diese ehrlichen Tracks haben das einfach gebraucht." Letztlich habe er für jeden Song "viele neue Türen aufgemacht".

Bleibt also zu hoffen, dass man das bald auch live hören kann. Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, musste doch etwa die für April geplante Deutschlandtournee aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Dennoch blickt der Musiker optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die Konzerte, so sie dann wieder kommen. Den nächsten großen Schritt möchte Phoenix "definitiv musikalisch" machen. "Ich habe das Gefühl, dass 'Boys Toys' jetzt ein gutes Fundament ist. Da möchte ich dranbleiben und noch besser werden. Ich will weiter abliefern. Und so persönlich kann man natürlich auch gespannt sein, bin ich selber auch, was ich mache oder nicht. Ich versuche, das auf mich zukommen zu lassen."

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Folgende Österreichkonzerte von Mavi Phoenix sind für Herbst/Winter geplant: 14. November Arena Wien, 26. November PPC Graz, 27. November Kino Ebensee, 2. Dezember Rockhouse Salzburg, 3. Dezember Treibhaus Innsbruck; www.maviphoenix.com)

Quelle: Agenturen