APA/Wolfgang Hauptmann

Indigene Kunst aus Amazonasgebiet im Wiener Weltmuseum

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Federarbeiten führen als Ausgangspunkt in eine Kulturlandschaft eines der wichtigsten Ökosysteme: "(Un)Known Artist of the Amazon" heißt eine Ausstellung ab 24. April im Wiener Weltmuseum. Gezeigt werden Objekte aus hauseigener Sammlung und Leihgaben des Museu de Art Indígena in Brasilien. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten indigener Künstlerinnen und Künstler, wie sie sich selbst sehen: "als starke, kreative Überlebende mit lebendiger Tradition", hieß es bei einem Pressetermin.

Keine indigene Sprache Amazoniens kennt ein Wort für Kunst, dennoch verbindet sie Alltag, Ritual und Umwelt der Menschen. Federschmuck, Ketten, Hängematten, Masken, reichlich verzierte Töpfe: Die ein ganzes Jahr laufende Schau bei freiem Eintritt erstreckt sich über zwei Räume und gliedert sich in acht Themenbereiche - von Federkunst über "eine Welt der Glasperlen" bis zu Holzschemeln mit Tierdarstellungen. "Wir haben einen ganzen Zoo hier", so Kuratorin Claudia Augustat. Viele indigene Gruppen stellen Bänke her, die im alltäglichen Dorfleben oder bei feierlichen Anlässen zum Einsatz kommen, erfährt man.

In einem anderen Bereich sind vielfältige, imposante Masken ausgestellt, die etwa zur Zähmung von Geistwesen dienen. Die Kuratorin verwies außerdem auf einen Schaukasten mit Keramiken, wo man gut nachvollziehen kann, wie sich Gebrauchsgegenstände wie Töpfe zu autonomen Kunstobjekten entwickelt haben. Durch große Teile der Ausstellung lässt sich Musterkunst als verbindendes Element erkennen. Von vielen Werken aus der Sammlung des Hauses, die rund 4.000 ethnografische Objekte aus dem brasilianischen Amazonasgebiet umfasst, sind die Schöpfer anonym. "(Un)Known Artist of the Amazon" präsentiert auch bekannte Künstlerinnen und Künstler, einige davon stellen ihre Arbeitsweisen via Videos vor.

Die Schau ist eine Kooperation mit dem Museu de Art Indígena (MIA), das sich seit 15 Jahren der Anerkennung und Wertschätzung der Kulturen und künstlerischen Arbeit indigener Gruppen in Brasilien widmet. Bei den MIA-Leihgaben handelt es sich um Objekte, die nicht im Fundus des Weltmuseums enthalten sind. Man vermeide somit bürokratische Hürden (die etwa mit der Ausfuhr von Federschmuck verbunden sind) und trete "in einen Dialog", betonte Augustat. Julianna Podolan (MIA) führte als Ko-Kuratorin zahlreiche Gespräche mit dem in einem abgelegenen Dorf lebenden Federkünstler Messias Rikbaktsa, der als Art Gastkurator für einen Bereich der Ausstellung fungierte.

"Anders als oft im Westen schafft es hier die Kunst, das Leben das großes Ganzes zu begreifen", heißt es im Pressetext der Schau, die auch Teil der Klimabiennale ist. Quasi als Zugabe gibt es einen dritten, "unabhängigen" Raum in dem unter dem Motto "von allem etwas" anhand ausgewählter Gegenständen aus dem Sammlungsbestand die Vielfalt der Materialien aller Objekte des Weltmuseums veranschaulicht wird.

(S E R V I C E - "(Un)Known Artist of the Amazon" im Weltmuseum, Neue Hofburg, 1010 Wien, 24.4.24 - 21.4.25, Eintritt frei, täglich außer Mo 10-18 Uhr, Di 10-21 Uhr, www.weltmuseum.at)

ribbon Zusammenfassung
  • Ab dem 24. April zeigt das Wiener Weltmuseum in der Ausstellung '(Un)Known Artist of the Amazon' ein Jahr lang indigene Kunst aus dem Amazonasgebiet.
  • Die Schau, die in acht Themenbereiche gegliedert ist, präsentiert Objekte indigener Künstler in Kooperation mit dem brasilianischen Museu de Art Indígena.
  • Messias Rikbaktsa, ein indigener Federkünstler, ist als Art Gastkurator beteiligt und repräsentiert die lebendige Tradition und Kreativität seiner Gemeinschaft.

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