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"Idole & Rivalen" im KHM: Ausstellung widmet sich Wettstreit

16. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Wer kann es besser? Der Topos des Wettstreits spiegelt sich nicht nur in TikTok-Challenges und TV-Duellen wider, sondern auch in der Kunst. Das zeigt die beeindruckende neue Herbstausstellung im Kunsthistorischen Museum (KHM). Unter dem Titel "Idole html5-dom-document-internal-entity1-amp-end Rivalen" sind ab 20. September 120 Hauptwerke von der Antike bis zum 19. Jahrhundert in aufschlussreichen Gegenüberstellungen zu sehen. Dabei setzt man auch auf Interaktion mit dem Publikum, das an einem Voting teilnehmen kann.

"Wir könnten uns bei dieser Ausstellung auf reines Namedropping verlassen", unterstrich KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Freitag bei der Presseführung die Promi-Dichte der gezeigten Künstler. "Aber wie immer steckt ein intellektuell anspruchsvolles Konzept dahinter." Dieses stammt von der Kuratorin Gudrun Swoboda, die beim Wettstreit der Künstler in der Antike beginnt, die Rivalität zwischen Michelangelo und Tizian aufgreift und schließlich bei der Konkurrenz um Aufmerksamkeit im Pariser Salon des 18. Jahrhunderts einen Endpunkt setzt. Unterstützt wurde sie dabei von einem wissenschaftlichen Beirat, die rund 60 Leihgaben kommen aus Häusern wie dem Rijksmuseum Amsterdam, dem Louvre in Paris, den Vatikanischen Museen sowie heimischen Bundesmuseen.

Dass der Wettstreit zwischen Künstlern schon vor zweieinhalbtausend Jahren Praxis war, verdeutlicht die Ausstattung des Tempels der Artemis in Ephesos, für den berühmte griechische Bildhauer um 430 v. Chr. Statuen verwundeter Amazonen schufen, von der jedoch nur eine das Rennen machen würde. Erhalten geblieben sind allerdings nur Kopien der Statuen von Phidias, Polyklet und Kresilas. Besonders stolz ist man im KHM auf die vom Vatikan verliehene römische Kopie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die neben Gipsabgüssen der anderen Statuen des Wettbewerbs ausgestellt wird. Bereits hier können die Museumsbesucher mithilfe des Barcodes auf ihrem Ticket das erste Mal für ihren Favoriten voten.

Einen berühmten Wettstreit greift die Ausstellung mit der "Entführung des Ganymed" auf und zeigt sowohl das von einem unbekannten Künstler nach einer Zeichnung Michelangelos angefertigte Gemälde von 1575/80 aus dem eigenen Bestand sowie Rubens' Interpretation aus der Sammlung Schwarzenberg, die der Künstler 1611/12 schuf. Auch der Wettstreit der Künste, der unter dem Titel Paragone in der Renaissance und im Frühbarock herrschte, findet Eingang in die Schau. Damals ging es um die Frage, welche Kunst die bessere sei: Malerei oder Skulptur? Von den Befragten, unter denen sich auch Michelangelo fand, existieren Briefe; einige Künstler setzten sich mit dieser theoretischen Frage auch praktisch auseinander. So schuf Lorenzo Lotto 1525/35 das Gemälde "Goldschmied in drei Ansichten", in dem er sein Modell aus verschiedenen Blickwinkeln zeigte, Bartholomäus Spranger malte 1580 eng umschlungene Figuren, die den Vergleich mit Skulpturen herausforderten.

Wie Tizian und sein Schüler Tintoretto miteinander wetteiferten, belegen wiederum direkt gegenübergestellte Porträts, die die beiden Künstler von der venezianischen Patrizierfamilie Venier sowie dem Kunstagenten Jacopo Strada und dessen Sohn anfertigten. Auch Tizians Einfluss auf Rubens wird mithilfe von Porträts aufgegriffen, wenn Tizians "Mädchen im Pelz" direkt neben Rubens' "Das Pelzchen" hängt. Gegenübergestellt werden auch zwei um 1770 entstandene Arbeiten von Claude-Joseph Vernet und Philippe-Jacques de Loutherbourg, die beide gewaltige Gewitterstürme an der Küste darstellen und in derselben Ausstellung im Louvre zu sehen waren. Auch hier kann das Publikum seine Stimme abgeben. Welche Werke an den sieben Stationen gewonnen haben, wird am Ende der Ausstellung auf einem Screen bekanntgegeben. Möge der jeweils Bessere gewinnen.

(S E R V I C E - "Idole & Rivalen" im Kunsthistorischen Museum, 20. September bis 8. Jänner. Infos unter https://idole-rivalen.khm.at/)

Quelle: Agenturen