APA - Austria Presse Agentur

Höhenrausch verabschiedet sich mit "Paradies" aus Linz

05. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Was als Projekt im Kulturhauptstadtjahr 2009 begonnen hat, findet nun elf Jahre später mit der achten Ausgabe "Wie im Paradies" sein Ende: Der Höhenrausch über den Dächern von Linz. Mehr als 1,3 Millionen Menschen haben den ungewöhnlichen Parcours in luftiger Höhe seit Beginn besucht. Da die Holzkonstruktionen am Dach kommendes Jahr sowieso erneuert werden müssten, "ist es deshalb ab 2022 definitiv Zeit für etwas Neues", hieß in der Presseunterlage zur Ausstellung.

Genaueres sei aber zurzeit noch nicht spruchreif. Der physische Einschnitt - Teile des Rundwegs wurden bereits heuer stillgelegt - komme dem ständigen Drang der Gegenwartskunst nach Wandel, Aufbruch und Innovation sehr entgegen. LH Thomas Stelzer (ÖVP) sah in der Öffnung des Parcours "ein weiteres Zeichen des so wichtigen kulturellen Neubeginns im Kulturland Oberösterreich".

Die aktuelle Ausstellung "Wie im Paradies" wird kuratiert von Martin Sturm, dem Leiter es OK - Offenen Kunsthaus, und Rainer Zendron, dem ehemaligen Vize-Rektor der Kunstuni. Werke von mehr als 40 internationalen Künstlerinnen und Künstlern setzten sich scharfsinnig, humorvoll, kritisch und lustvoll mit paradiesischen Vorstellungen, Zuständen und Zuschreibungen auseinander.

Im Eingangsfoyer des OK grüßt ein opulentes Tapetenparadies der Artenvielfalt (Fallen Fruit), das in der hohen Schlucht im ersten Stock mit aufblasbaren rosa Flamingos von Cyril Lancelin fortgesetzt wird. Im ersten Obergeschoß schuf Elisabeth Kramer wortwörtliche "Paradiese" mit Schriftzügen an der Wand, eine große Rolle in den weiteren Kunstwerken spielt das Thema Konsum - Gregor Graf blickt etwa in das verlassene UNO-Shopping in Pasching und Mohamed Bourgoussa in die Gesichter von Verlierern der Konsumgesellschaft.

Auf dem Dach schafft Eva Schlegel in der Konstruktion des voestalpine Open Space mit Pflanzen und Bäumen einen künstlichen Paradiesgarten in 20 Metern Höhe. Fujiko Nakaya bespielt mit Nebelschwaden und Sprühnebel, einer abstrakten Skulptur, die mit dem Wind ihre Gestalt ändert das Parkdeck. Passend zur Örtlichkeit greift eine Gruppe der Kunstuni um Ton Matton das Thema Verkehr auf und "pflanzt" Autos in Gras und Sand.

Weiter am 30 Meter hohen Turm auf dem Dach verankert bleibt Alexander Ponomarevs Schiff, die Himmelsleiter-Skulptur (Ilya und Emilia Kabakov) stieg vom OK-Platz auf das Passage-Dach. Im großen Saal des OK lassen Steiner+Lenzlinger mithilfe der Gäste eine leuchtend rosa Kristallskulptur wachsen, einen Opferstock aus Kunstdünger.

Im zweiten Obergeschoß inszeniert das Kollektiv Time's Up in begehbaren Installationen den Alltag des Jahres 2047 und untersucht, wie ein Überleben trotz Öko-Katastrophe gelingen kann. Ars-Electronica- bzw. Lentos-Besucher erinnern sich sicher an die faszinierenden "Turnton Docklands" von 2017.

Das Paradies im Widerspruch mit Fotografien von Kendell Geer und Anna Jermolaewas Reminiszenz an die "Blumenrevolutionen" der vergangenen 50 Jahre sowie ein "Perryversum" - Science-Fiction-Held Perry Rhodan gewidmet - führen auf den Dachboden der Ursulinenkirche. Hier finden poetische Kunstinstallationen von Sonja Meller, Hsiao-Sheng-Chien und Katharina Struber Platz.

(S E R V I C E - Höhenrausch "Wie im Paradies" Ausstellung im oö. Kulturquartier in Linz, 6. Mai bis 17. Oktober, täglich 10 bis 20.30 Uhr, während der abendlichen Ausgangssperre noch bis 19.30 Uhr. http://www.ooekulturquartier.at)


Quelle: Agenturen