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Hochaktuell: 225. Geburtstag von Heinrich Heine

12. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Heinrich Heine würde sich bestimmt freuen. Denn zu seinem 225. Geburtstag erfährt der mutmaßlich am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geborene Dichter eine ganz besondere Aktualität. Von allen deutschen Dichtern des 19. Jahrhunderts sei Heine am häufigsten ins Ukrainische übersetzt worden, sagt Autor Juri Andruchowytsch, dem am Wochenende der Heine-Preis der Stadt Düsseldorf verliehen wurde. Für die Ukrainer vor der russischen Revolution sei er "Dichter Nummer 1" gewesen.

In Russland war es übrigens ähnlich. Kein anderer deutscher Dichter wurde dort mehr verehrt als Heine. Tausende Übertragungen von Gedichten Heines ins Russische gibt es. Er wurde gelesen von Puschkin, geliebt von Lenin und gehörte bisher fest auch zum russischen Kulturerbe. Dabei war Heine zu seinen Lebzeiten nie nach Russland gereist und auch nicht in die Ukraine.

Vielmehr war der Dichter, der nicht zuletzt wegen seines zotig-pessimistischen Gedichts "Deutschland. Ein Wintermärchen" als eine Art Nestbeschmutzer galt, 1831 nach Paris übergesiedelt. Dort lebte er bis zu seinem Tod nach langem Siechtum in der "Matratzengruft" bis 1856. Dennoch hat Heines vom Freiheitsgedanken beseeltes Werk tiefe Spuren sowohl in Russland als auch in der Ukraine hinterlassen.

Auch im Freiheitskampf der Ukraine spielt Heine eine Rolle. "(...) die Freiheit ist vielleicht die Religion der neuen Zeit (...)", schrieb Heine in seinen Reisebildern. Für Andruchowytsch war es daher kein Zufall, dass 2014 bei den Euromaidan-Protesten in Kiew eine riesige Aufschrift an einem abgebrannten Gewerkschaftshaus angebracht war: "Freedom is our Religion" (Freiheit ist unsere Religion).

Ein "eminent politischer Schriftsteller" sei Heine gewesen, sagt auch Florian Trabert, Vertretungsprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. "Er war eigentlich der politischste Schriftsteller überhaupt seiner Generation." So habe Heine anderen Schriftstellern auch vorgehalten, zu unpolitisch zu sein - etwa Goethe.

Heine bereiste zwar England und Italien und zog nach Paris. Im Osten war er dagegen nie. Aber er bekam Informationen von seinem Bruder Maximilian, der Militärarzt in Russland war. "In früheren Jahren hatte Heine eine eher positive Haltung zu Russland, später überwogen kritische Aussagen", sagt Trabert. So erklärte Heine den ultrareaktionären Zaren Nikolaus I. zunächst zum Bannerträger der Freiheit ("Gonfaloniere der Freyheit"). Später kam eher die Angst vor einem unberechenbaren Russland auf. In seinem letzten Gedichtzyklus "Romanzero" schrieb Heine pessimistisch: "Rußland, dieses schöne Reich, würde mir vielleicht behagen, doch im Winter könnte ich dort die Knute nicht ertragen."

Quelle: Agenturen