hdgö zeigt ESC als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen
Der Titel der Schau bezieht sich auf den Ausruf von Conchita Wurst nach dem Sieg 2014: "We are unity and we are unstoppable!" (Wir sind vereint und nicht aufzuhalten). Dieser Satz beschreibt den gesellschaftspolitischen Kern der Veranstaltung, hieß es anlässlich einer Pressekonferenz. Offiziell unpolitisch, sei der Bewerb seit seinen Anfängen von politischen Dimensionen durchzogen: "Er verhandelt Fragen von Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Wandel, von der Liberalisierung der 1970er-Jahre über die politischen Umbrüche nach 1989 bis hin zu aktuellen Debatten rund um Diversität, Gleichberechtigung und geopolitische Konflikte", so Sommer.
"Unstoppable! Eurovision Song Contest Highlights" zeigt, dem vollen Titel der kleinen Ausstellung entsprechend, einige prägnante Objekte der österreichischen ESC-Geschichte. "Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Aspekte des Bewerbs vermittelt - etwa das Voting als politischer Raum", führte Kurator Florian Wagner aus.
Zu sehen ist eine Single des Liedes "Merci, Chérie", mit dem Udo Jürgens vor 60 Jahren den damaligen Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne (heute ESC) gewann. Die im Folgejahr 1967 in der Wiener Hofburg stattfindende Ausgabe zeige, wie sich Österreich seinerzeit inszenierte, erläuterte der Kurator. "Man merkt, dass es eine starke Monarchienostalgie gab." Die britische Sängerin Sandie Shaw, auf Fotografie festgehalten, sorgte damals für Aufsehen, weil sie ihren Song "Puppet on a String" im Großen Festsaal barfuß vortrug - und sich den Sieg holte.
Auch eine Vitrine zu Conchita Wurst - ihr Kleid seit 2018 im hdgö zu sehen - darf nicht fehlen. Darin kann man auch einen Papierbart für die Conchita-Willkommensfeier und eine Conchita-Barbie betrachten. Zu den jüngsten Exponaten zählen das Bühnenbild zu "Wasted Love" von JJ aus 2025 (samt Konfetti) und ein Diorama, das vorführt, wie ORF-Moderator Philipp Hansa die Punktevergabe seit 2019 als Bühne für Forderungen nach Gleichberechtigung nützt - er trägt stets ein T-Shirt mit der Aufschrift "Equality".
Webausstellung mit Videos
Begleitend zur Objektpräsentation startet die Webausstellung "Protest, Skandale, Politik. 70 Jahre Eurovision Song Contest". Anhand von Texten und Videos lässt sich in die (politische) Historie des Liederwettbewerbs eintauchen, auch in die vielfältige jüdische Geschichte etwa vom Auftritt des Holocaust-Überlebenden Walter Andreas Schwarz 1956 oder von Carmela Corren, die als erste israelische Sängerin überhaupt 1963 für Österreich antrat. Auch die Boykotte werden thematisiert.
(S E R V I C E - "Unstoppable! Eurovision Song Contest Highlights" im hdgö, Neue Burg, Wien 1, Heldenplatz, bis 11. Oktober, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr. https://hdgoe.at ; https://hdgoe.at/category/eurovision-webausstellung )
Zusammenfassung
- Das Haus der Geschichte Österreich zeigt mit der Ausstellung "Unstoppable! Eurovision Song Contest Highlights" bis 11. Oktober, wie der ESC seit 70 Jahren gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt.
- Zu den Exponaten zählen Udo Jürgens' Single "Merci, Chérie" von 1966, Objekte zu Conchita Wurst und das Bühnenbild zu "Wasted Love" aus 2025, ergänzt durch ein Diorama zur Gleichberechtigungsinitiative von ORF-Moderator Philipp Hansa seit 2019.
- Eine begleitende Webausstellung beleuchtet mit Videos und Texten die politische und gesellschaftliche Geschichte des ESC, darunter Boykotte, Skandale und die vielfältige jüdische Beteiligung am Wettbewerb.
