APA - Austria Presse Agentur

Große Pläne von Coop Himmelb(l)au für Russland

23. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au beschäftigt sich intensiv mit zwei Projekten im Auftrag des Kreml: Neben einem Operngebäude in Sewastopol auf der annektierten Krim soll auch ein Kulturbau im sibirischen Kemerowo realisiert werden. Das bestätigte Architekt Wolf D. Prix der APA. Beim Kemerowo-Projekt handelt es sich um ein 260 Meter langes, 90 Meter breites und mehr als 60 Meter hohes Gebäude, das ein Theater, ein Museum und ein Kunstzentrum beherbergen soll.

Nachdem die Stadtverwaltung des sibirischen Kemerowo am 11. November die Architektur eines vom Wiener Büro entworfenen Theater-und Museumskomplexes für gut befunden hat, soll ein Baubeginn für dieses Riesenprojekt nur noch eine Frage der Zeit sein. Konkret besteht der futuristisch anmutende Bau mit Glas- sowie Stahlfassade und einer Nutzfläche von knapp 52.000 Quadratmetern aus einem Theater, einem Museum und einem Kunstzentrum, die jeweils mit dem überdimensionalen Foyer zusammenwachsen.

"Die Stadt bekommt einen Bau mit Weltniveau. Das ist kein Einkaufszentrum", schrieb ein Bürger der Provinzmetropole des Kohlereviers Kusbass Anfang November auf der Internetseite der Lokalregierung. Gleichzeitig gab es aber auch Kritik: Das Objekt würde einfach in die Landschaft gepflanzt, ohne die Umgebung zu berücksichtigen, schrieb ein Kommentator.

Der Komplex ist einer von vier riesigen Kulturbauten, die bis 2023 auf Initiative von Präsident Wladimir Putin abgesehen von Kemerowo in Kaliningrad im Westen Russlands, Wladiwostok im Fernen Osten sowie in Sewastopol auf der 2014 von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim errichtet werden sollen.

Hinter den Projekten steht jeweils die eigens dafür gegründete Stiftung "Nationales Kulturerbe", finanziert werden die mit 120 Mrd. Rubel (1,33 Mrd. Euro) budgetierten Kosten von der staatlichen Holdinggesellschaft Rosneftegaz. Für die Umsetzung der Bauarbeiten ist der vom Kreml-nahen Oligarchen Gennadi Timtschenko kontrollierte Stroytransgaz-Konzern verantwortlich, der diese Aufgabe im Sommer 2019 vom Stroygazmontazh-Konzern von Putin-Freund Arkadi Rotenberg übernommen hatte.

Dieser Wechsel erlaubt die Zusammenarbeit mit Firmen aus der Europäischen Union: Stroygazmontazh befindet sich im Zusammenhang mit der Errichtung der Krim-Brücke auf der EU-Sanktionsliste und eine Zusammenarbeit mit diesem anfänglich vorgesehen Generalunternehmer hätte für europäische Partner zu strafrechtlichen Konsequenzen führen können.

Coop Himmelb(l)au sei neben Sibirien für "Nationales Kulturerbe" aber auch in Sewastopol aktiv, sagte Architekt Wolf D. Prix. Obwohl die zuständige Abteilung der russischen Stadtregierung im Februar 2019 die Authentizität eines geleakten Entwurfs und damit auch die Coop Himmelb(l)au-Autorenschaft bestätigt hatte, hatte Prix im Vorjahr Planungsarbeiten seines Büros auf der Krim gegenüber der APA kategorisch abgestritten. Er begründete dieses falsche Dementi damit, dass die rechtliche Situation damals noch evaluiert worden sei.

"Das Wort 'Kultur' kommt aber in diesen Sanktionen nicht vor und daher sind Kulturbauten von ihnen ausgenommen", erläuterte Prix. Auch hätten die Russen damals die Pläne vereinbarungswidrig veröffentlicht, schilderte er. Hintergrund des seinerzeitigen Leaks war insbesondere der Widerstand von Politikern und Architekten in Sewastopol gewesen, die anstelle von Avantgardearchitektur in ihrer Stadt lieber Neoklassizismus sehen würden.

Eine offizielle Präsentation von aktualisierten Coop Himmelb(l)au-Entwürfen für das geplante Operngebäude auf der Krim, das den Titel "Möwe" tragen soll, steht indes weiterhin aus. Anfang September hatte der von Russland eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschew die Veröffentlichung der Entwürfe innerhalb von eineinhalb Monaten angekündigt.

"Die besten Architekten, darunter Stars der internationalen Architektur, beschäftigen sich im Auftrag des Präsidenten damit, für den vorgesehenen Ort ein Projekt zu erstellen", sagte Raswoschew. Erst nach dieser Präsentation sei er bereit, über die architektonischen Vorschläge zu diskutieren, sagte der Politiker und ließ keinen Zweifel, dass er mit Kritik am Projekt rechne.

Quelle: Agenturen