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Green Day begeistern bei "Hella Mega Tour" im Happel-Stadion

20. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

"Es hat zwei Jahre gedauert", hat Green-Day-Frontman Billie Joe Armstrong gestern im Wiener Ernst-Happel-Stadion fast ungläubig ins Mikrofon gerufen. Eigentlich hätten die Punkrocker mit Fall Out Boy und Weezer schon im Juni 2020 mit der gemeinsamen "Hella Mega Tour" hier Halt machen sollen, doch Corona machte den Bands einen Strich durch die Rechnung. Dass das Warten nun ein Ende hatte und 45.000 Fans ins Stadion strömten, spornte vor allem Green Day zu Höchstleistungen an.

Eröffnet wurde das Konzert von der australischen Punkrock-Band Amyl and the Sniffers. Und auch Weezer, deren Auftritt etwas vorverlegt wurde, spielten noch unter einem sonnigen, wolkenlosen Himmel. "Wir hoffen, euch gefällt das Konzert", sagte Sänger Rivers Cuomo, der die vergangenen zwei Jahre offenbar dafür genutzt hatte, sein Deutsch aufzubessern. Zwischen Bekanntem wie "Beverly Hills" und "Island in the Sun" gab die Band ihre Covers von Totos "Africa" und Metallicas "Enter Sandman" sowie - erstmals live - den neuen, eingängigen Song "Records" zum Besten.

Fall Out Boy beließen es bei der Bühnengestaltung nicht bei der von Weezer genutzten Videowand, sondern griffen auch zum Element Feuer sowie zu lauten Knalleffekten, die später auch bei Green Day zum Einsatz kommen sollten. Ein sich aus dem Bühnenboden erhebendes Haus und leider nur schwer verständliche Einspieler komplettierten die wohl aufwendigste Kulisse des Tages. Sie seien damit aufgewachsen, zu Green-Day- und Weezer-Konzerten zu gehen, bekundeten die Alternative-Rocker ihre Verbundenheit, bevor sie sich mit "Thnks fr th Mmrs", "Centuries" und "Saturday" verabschiedeten.

Green Day ließen zunächst andere die Arbeit für sie erledigen: Queens "Bohemian Rhapsody", "Blitzkrieg Bop" von den Ramones und Joan Jetts "I Love Rock 'n' Roll" schallten in Stadionlautstärke aus der Dose. Den Animateur vor dem Kommen der Kultband gab eine Person im rosa Hasenkostüm, die schließlich theatralisch von der Bühne geholt wurde. Dann waren Sänger Billie Joe Armstrong, Bassist Mike Dirnt, Schlagzeuger Tré Cool und Gitarrist Jason White plötzlich da und gaben dem Publikum sogleich ein Versprechen: Dass man gemeinsam singen, tanzen, und viel Lärm machen werde.

Schließlich war auch die Nacht über Wien hereingebrochen. Nicht nur dieser günstige Time-Slot, sondern auch die nun erstmals mitgerissen wirkenden Fans bewiesen, dass Green Day die unumstrittenen Headliner dieses Miniatur-Festivals waren. Gestartet wurde mit einem Hitfeuerwerk, die Band eröffnete mit "American Idiot", spielte dann auch "Holiday", "Know Your Enemy" und "Boulevard of Broken Dreams".

Auch für die "Old-School-Fans" war etwas dabei: "Longview" etwa, das Green Day 1994 veröffentlichten. Das Alter ("Wir kennen einander, seit wir zehn Jahre alt sind, das war vor vierzig Jahren", sagte Armstrong über Dirnt, der Rest lässt sich unschwer errechnen) sah man den Musikern nicht an: Die zerzausten schwarzen Haare, der Eyeliner und der Nietengürtel des Sängers standen wie eh und je für das Wesen der Band. Und performt wurde hier sowieso, als wäre man keinen Tag über 49.

Ohne Zweifel löste die Band ihr eingangs gegebenes Versprechen ein: Viel mehr als ihre Vorbands, spielte sie gekonnt mit dem Publikum, forderte es zum Hüpfen, Singen, Mit-Dem-Handy-Leuchten und buchstäblich zum Mitmachen auf, wurden zwei Frauen doch zum Singen und Gitarrespielen auf die Bühne geholt. Das temporäre Green-Day-Mitglied machte seine Sache denn auch gut und durfte samt neuer Gitarre wieder ins Publikum zurückkehren. "Ich hoffe, du hattest die Zeit deines Lebens", hieß es im Abschluss-Song "Good Riddance (Time of Your Life)", auf den Konfetti-Regen und ein Feuerwerk folgten - dafür hat sich die zweijährige Wartezeit gelohnt.

(S E R V I C E - https://hellamegatour.com)

Quelle: Agenturen