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GrazMuseum öffnet sich heuer dem Protest

15. März 2023 · Lesedauer 3 min

Das GrazMuseum als Ort, an dem für Stadtbewohnerinnen und -bewohner relevante Fragen thematisiert und verhandelt werden: So stellt sich die neue Leiterin, Sibylle Dienesch, die Ausrichtung des Stadtmuseums in der Sackstraße vor. Am Mittwoch hat sie die Positionierung und Vorhaben für 2023 und 2024 vorgestellt. Das Thema "Proteste" prägt das Jahr inhaltlich, Ausstellungen werden "nur ein Teil des Programms" und die Einbeziehung der Bevölkerung wichtiger denn je werden.

"Museen und Archive sind Orte, wo demokratische Prozesse stattfinden und verhandelt werden, sie bieten Platz für Kontakte und Konflikte", führte die bisherige Vizedirektorin und mit Ende des Vorjahres für vorerst fünf Jahre bestellte Direktorin aus. Das GrazMuseum will sie als Ort, der "Raum bietet für Austausch und eine wissensbasierte Auseinandersetzung in methodisch vielfältigen Formaten und lustvolle Erfahrungen", gestalten. Inhaltlich will man sich auf Themen konzentrieren, welche die Stadt und das Zusammenleben der Bewohner betreffen sowie auf den zeitlichen Fokus ab 1945.

Den Stadtbewohnern sollen inklusive, differenzierte, multisensorische Ausstellungen und Vermittlungsformate geboten und sie selbst in unterschiedlicher Intensität in die inhaltlicher Erarbeitung einbezogen werden: In Form von Besucherbefragungen, Besucherinnenbeirat, Fokus-Gruppen, Co-Creation, und Citizen-Science-Projekten, wie Dienesch erklärte.

Das Jahresprogramm wird künftig von einem "Generalthema" geprägt. "Proteste" sind das zentrale Thema in diesem Jahr. Eine entsprechende Ausstellung - die Möglichkeiten zur Partizipation für Besucher bieten möchte - wird unter dem Titel "Protest in Graz" ab dem 4. Oktober zu sehen sein. "Wir wollen uns anschauen, welche internationalen Proteste sich in Graz niedergeschlagen haben und welche grazspezifischen Protestformen es gab", schilderte Bernhard Bachinger, der das Projekt gemeinsam mit Annette Rainer kuratiert.

Die Ausstellung "Aus dem Iran" - kuratiert von Joachim Hainzl und Maryam Mohammadi - thematisiert bereits ab dem 24. Mai die Beteiligung der iranischen Studierenden an den politischen Anti-Schah-Protesten. Im Herbst liegt der Schwerpunkt auf den Auswirkungen der Protestbewegungen auf Graz. Aspekte daraus, wie etwa Umweltproteste, leiten schon zum Jahresthema von 2024 über. Dann stehen "Stadt und Natur" im Mittelpunkt. Im Rahmen eines "Mobilen Museums und Archivs" soll es Vermittlungsformate an unterschiedlichen Orten und in wechselnde Kooperationen geben.

Junge Grazerinnen und Grazer sind im GrazMuseum eine spezielle Zielgruppe: Der Eintritt für alle unter 19 ist frei, ab dem 1. April zahlen auch die 19- bis 26-Jährigen unter dem Motto "pay as you wish" nur das, was sie bereit sind zu bezahlen. Das Pilotprojekt läuft bis Jahresende und wird dann evaluiert.

Beim Frühlingsfest am 18. und 19. März kann man sich ausführlich über die Aktivitäten des GrazMuseum informieren und bei freiem Eintritt mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt auseinandersetzen. Bereits am 15. März wird eine Ausstellung über die in Graz geborene Schauspielerin Marisa Mell, die in den 1960-er und 1970er-Jahren internationale Erfolge feierte, eröffnet.

"Das GrazMuseum hat in den vergangenen 20 Jahren einen sehr großen Professionalisierungsschub hinsichtlich der klassischen Aufgaben erlebt. Jetzt ist es eine gute Gelegenheit die Öffnung weiter voranzutreiben", sagte Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP). Diese werde aber auch davon abhängen, ob das Museum die dafür notwendige finanzielle Bedeckung bekommen werde.

(S E R V I C E - www.grazmuseum.at/)

Quelle: Agenturen