Grazer Elevate Festival eröffnete mit Lebenszeichen
Moderiert wurde der Abend von "Science Buster" und Wissenschaftskabarettist Martin Moder, der mit ebenso amüsanten wie bedenklichen Statistiken zur Geisteshaltung der Österreicher zum Thema Wissenschaft aufwartete. Festival-Mitbegründer Bernhard Steirer lieferte zunächst einen Lagebericht zum Status quo des Festivals und, gemeinsam mit Diskurs-Kuratorin Irina Nalis, Erläuterungen zum Festivalmotto und einen Überblick über das Programm der kommenden drei Tage.
Anders als im Vorjahr war die steirische Politik bei der Eröffnung im Publikum diesmal zahlreich vertreten. In der ersten Reihe saß unter anderem Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP), der von Steirer einen Seitenhieb zu den vom Land Steiermark stark gekürzten Förderungen für das Festival einstecken musste. Steirer von der Bühne herab, direkt an Kornhäusl gerichtet: "Wir müssen reden!"
Zum Schluss seines Eröffnungsstatements forderte Steirer die gesamte Landesregierung zum Handeln auf: "Es muss eine Lösung für den Wegfall der ORF-Landesabgabe geben." Er bezog sich damit auf die von der FPÖ-ÖVP-Landesregierung angekündigte Streichung der zusätzlichen Landesabgabe zum ORF-Beitrag ab kommendem Jahr. Die Einkünfte aus der Abgabe flossen bisher in die Kultur- und Sportförderung. Damit würden im steirischen Kulturbudget ab 2027 mehr als 20 Millionen Euro fehlen.
Feminismus und Kapitalismuskritik
Eröffnungsrednerin Şeyda Kurt sezierte zunächst das Festivalmotto und stellte den möglichen Übersetzungen des Begriffs ihre eigene Variante "lebenswichtige Anzeichen" zur Seite. Was genau sie damit meinte, erschloss sich zwar nicht ganz, ihre feministischen und kapitalismuskritischen Überlegungen zum Thema Emotionen als Handlungsmotor und politisches Gestaltungsmittel erwiesen sich jedenfalls als durchaus erfrischend.
Mit über einer halben Stunde Verspätung begann schließlich das Musikprogramm des Abends. Zunächst entführte der norwegische Saxofonist Bendik Giske das Publikum auf einen rund 45-minütigen, mystischen Solotrip mit viel Trockeneisnebel und ausgeklügelten Lichtspielereien, der zwischen Weltmusik-Lounge und Kunstpop mäanderte.
Famose Steve-Reich-Aufführung
Famos gelang die Aufführung von "Music for 18 Musicians" - einem Schlüsselwerk aus den 1970er-Jahren des als einer der Erfinder der Minimal Music geltenden US-Komponisten Steve Reich. Umgesetzt wurde das aus elf "Sektionen" bestehende, rund eine Stunde dauernde Werk von Studierenden des Masterstudiengangs Performance Practice in Contemporary Music (PPCM) der Kunstuniversität Graz in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien. Die rund einwöchige Probenzeit der Musiker machte sich bezahlt. Das Publikum quittierte die spielfreudige und überaus detailgenaue Umsetzung des Stücks mit tosendem Applaus.
(S E R V I C E - https://elevate.at/de/ )
Zusammenfassung
- Das Grazer Elevate Festival 2024 startete am Donnerstag in der Helmut List Halle unter dem Motto "Vital Signs" und mit prominenter politischer Beteiligung.
- Festival-Mitbegründer Bernhard Steirer kritisierte die Kürzungen der steirischen Kultursubventionen und warnte, dass durch die Streichung der ORF-Landesabgabe ab 2027 mehr als 20 Millionen Euro im Kulturbudget fehlen werden.
- Musikalische Höhepunkte waren ein 45-minütiges Solo des norwegischen Saxofonisten Bendik Giske und die einstündige Aufführung von Steve Reichs "Music for 18 Musicians" durch Studierende der Kunstuni Graz und das Klangforum Wien.
