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Gelungene "Bockerer"-Premiere bei Schloss-Spielen Kobersdorf

06. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Zum 50-jährigen Jubiläum der Schloss-Spiele Kobersdorf hat Intendant Wolfgang Böck mit "Der Bockerer" von Peter Preses und Ulrich Becher in der sehr durchdachten Inszenierung von Claus Tröger einen veritablen Volksstück-Klassiker auf den Spielplan gesetzt. Trotz widriger Umstände konnte die Premiere erfolgreich über die Bühne gebracht werden.

Kurz vor Premierenbeginn war ein Ensemblemitglied wegen Corona-Verdachts ausgefallen: Eine schwierige Situation, die einige spontane Adaptierungen erforderte, von denen das Publikum allerdings wenig bemerken musste. "Wir haben das Stück beim Wort genommen", erklärte Böck in seinen Begrüßungsworten. Vielleicht sogar ein wenig zu sehr, denn ein paar Striche hätten dem Abend nicht geschadet. Überhaupt stellt sich einmal mehr die Frage, warum Sommertheater-Besucher aus dem Wiener Umland keine Chance haben, noch am selben Tag heimzukommen, es sei denn, sie gingen in der Pause. Was in diesem Fall schade gewesen wäre.

Denn allein das optische Setting ist großartig. Erich Uiberlacker, seit 2004 in Kobersdorf für Bühnenbild und Lichtgestaltung zuständig, verwandelt den Raum in einen magischen Bereich, statt eines Vorhangs signalisieren multifunktionale Schiebe-Elemente in ihrer Gitterstruktur sowohl Transparenz als auch Abgrenzung. Die Bögen und Balustraden des Schlosshofs verleihen dem Geschehen einen geradezu archaischen Hintergrund und damit eine Art mythischer Zeitlosigkeit.

Und so zeitgebunden und passagenweise überdidaktisch das Stück wirken mag, so weisen doch manche Details aktuelle Bezüge auf: etwa die ideologischen Risse quer durch die Familien, opportunistische Rückgratlosigkeit, das Beschönigen von Vergangenheit und Gegenwart. Sich wie Bockerer gegen den Mainstream zu stellen, wird auch heute immer verpönter, Mitläufertum und Blockwartverhalten sind en vogue.

Wolfgang Böck reiht sich unter die namhaften Darsteller der Titelrolle nicht nur kongenial ein, er gibt dem Karl Bockerer glaubhaft erdig-deftige Züge. Maria Hofstätter als seine Frau Binerl gewinnt hingegen erstaunlich wenig Profil, Markus Freistätter ist der verhetzte Sohn Hans, der viel zu spät seine martialische Fassade aufgibt: ein zentraler Moment des Stücks. Wolf Bachofner als Hatzinger im Schlabberlook gibt den gemütlichen Klischee-Wiener par excellence, Andy Hallwaxx ist ein sympathischer Dr. Rosenblatt. Die Musik gestaltet Christopher Haritzer mit Klarinette und Harmonika auf angenehm eigenständige Weise.

Besonders schön gelungen sind die Pausen bei den Szenenwechseln, wenn die Farben mutieren und die Personen wie verhüllte Schattenrisse über die Bühne huschen. Das verleiht dem Spiel auch eine unvermutete Prise Poesie. Viel verdienter Beifall.

(S E R V I C E - Schloss-Spiele Kobersdorf: Peter Preses, Ulrich Becher, Der Bockerer. Regie: Claus Tröger, Musik: Christopher Haritzer. U.a. mit Wolfgang Böck, Wolf Bachofner, Maria Hofstätter, Markus Freistätter, Andy Hallwaxx. Vorstellungen bis 31. Juli. Information und Tickets: www.schlossspiele.com)

Quelle: Agenturen