APA - Austria Presse Agentur

Gazelle & the Bear setzen auf "Weird Shaped Clouds"

20. März 2021 · Lesedauer 4 min

Ein Blick nach oben kann sehr anregend sein, wenn sich die Wolken über dem Horizont zu eigenwilligen Formen auftürmen. Auch die Musik des heimischen Duos Gazelle html5-dom-document-internal-entity1-amp-end the Bear ist besonders und vielschichtig, weshalb Ines Kolleritsch und Julian Berann ihr Debüt sinnigerweise "Weird Shaped Clouds" getauft haben. Pop, Jazz und Soul vermengen sich hier zu einem wahren Himmelsspektakel. Alles darf, nichts muss, wie Kolleritsch meint: "Es tut gut, nicht in Boxen zu denken."

Damit sprach die Pianistin und Sängerin etwa von außen kommende Erwartungen an. Die seien bei diesem Projekt nämlich von Anfang an zur Seite geschoben worden. "Wir waren einfach am selben Nenner und haben den Sound verfolgt, der uns gerade getaugt hat", erklärt sie im APA-Interview. "Insofern war es nie wirklich Thema, welche Soundwelt es werden sollte. Wenn, dann haben wir eher diskutiert, wohin es nicht gehen soll! Es ist ja ein spannendes Thema, wie man an Komposition herangeht, wenn man weiß, dass es veröffentlicht werden soll. Will man einen Hit schreiben?", lacht die Musikerin.

Die Antwort: Nein. Wobei: Songs wie das sich sofort in den Gehörgängen einnistende "High Road" oder die erste Single "Mama" sind schon so etwas wie kleine Hits, aber eben nicht im klassischen Sinn. "Bei uns ist es der gesündeste Zugang, dass es ein bisserl wurscht ist", so Kolleritsch über den eigenen Anspruch. "It doesn't really matter! Wir haben nicht den Hintergedanken, im Radio zu landen." Dabei sei genau das dann doch passiert mit einigen Stücke der Ende Jänner veröffentlichten Platte, die eigentlich dieser Tage im Wiener Radiokulturhaus präsentiert werden hätte sollen. Wäre da nicht Corona...

Für Kolleritsch und Berann, die über einen Kompositionsauftrag für das Tanzkollektiv All Aut Females zusammengefunden haben, war 2020 trotz der Ausnahmesituation und unzähligen Absagen im Konzertbereich dennoch gut, weil vor allem produktiv. "Wir haben vorher eigentlich nicht gewusst, dass wir ein Album rausbringen wollen", so Berann, der für das variantenreiche Schlagzeugspiel verantwortlich zeichnet. "Sicher hätten wir sonst an der Musik weitergearbeitet, vielleicht wäre auch ein Album entstanden - aber wenn, dann anders. Bei mir stand das ohnehin schon lange auf der Liste: Musik veröffentlichen, die ich mitkomponiert habe."

Dass sie nur zu zweit bleiben wollen, war für Gazelle & the Bear schnell klar. "Das ist das Spezielle an unserer Musik", überlegt Kolleritsch. "Und meine linke Hand wurde sozusagen zur Bassistin erkoren. Es war gar nicht geplant, wir haben es einfach probiert und dann hat es gepasst." Ganz so, als ob die Teile wie von Zauberhand an die richtigen Stellen des Puzzles fallen. So fühlt sich nämlich die Platte an, wenn "Blossoming" zum Entschweben in andere Sphären lädt oder die Kollaboration mit Rapper Stimulus, "When You're Around", zum zwingenden Kopfnicker wird.

Der Fokus beim Schreibprozess sei jedenfalls auf "Song-Songs" gelegen, wie Kolleritsch erläutert. "Wenn der Grundkern eines Lieds nackt nicht gut klingt, dann klingt er produziert auch nicht gut. Das ist eine Herangehensweise, die uns beiden sehr taugt. Der Song an sich muss passen. Worum geht es eigentlich? Von der Form, vom Text, vom Gefühl her, das er dir mitgibt? Und dann macht es die Produktion noch mal größer und lässt dich tiefer eintauchen." Dabei habe man "mit vielen ineinander verschmelzenden Stimmungen" gearbeitet. "Wir hatten auch das Privileg, uns viel Zeit zu lassen, und waren keinem Druck ausgesetzt."

Zudem habe die Zusammenarbeit einiges offenbart. "Ich bin mir durch dieses Projekt stärker meiner Muster bewusst geworden", verweist Kolleritsch auf bisherige Musikprojekte. "Viel davon konnte ich ablegen. Ich bin von Song zu Song wertfreier geworden. Und Julian hat mir gezeigt, dass man nicht alles hinterfragen muss, sondern Dinge auch zulassen kann. Cheesy - why not?", lacht die Sängerin. "Wir machen keine Musik für eine Szene, sondern für uns." Und Berann ergänzt mit dem Blick auf die Verschmelzung von Jazz und Pop: "Wieso sollen sich diese Welten nicht kreuzen dürfen?"

Das Ergebnis, das dabei herauskommt, soll man diesen Sommer auch live hören können. Nach derzeitigem Plan wollen Gazelle & the Bear im Juni Österreich und Deutschland abklappern, beginnend am 1. Juni in der Stadtwerkstatt in Linz und mit weiteren Stationen in Salzburg (2.6.), München (3.6.), Innsbruck (4.6.), Feldkirch (5.6.), Offenbach am Main (9.6.), Potsdam (11.6.) und Berlin (12.6.).

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - https://gazelleandthebear.bandcamp.com)

Quelle: Agenturen