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Gamillschegs Roman "Alles was glänzt" als "episches Theater"

12. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Es ist - nach April und Dezember 2021 - bereits der dritte avisierte Premierentermin für "Alles was glänzt", "und schön langsam glaube ich, dass es tatsächlich hinhauen könnte", sagt Marie Gamillscheg. Die in Berlin lebende österreichische Autorin hat ihren Debütroman selbst dramatisiert. Am Freitag wird die Theaterfassung im Wiener Kosmos Theater durch Nestroy-Preisträgerin Sara Ostertag nach zwei vorangegangenen Corona-Absagen endlich uraufgeführt.

Gamillscheg, 1992 in Graz geboren, hat mit "Alles was glänzt" 2018 beim Österreichischen Buchpreis den Debütpreis gewonnen. Der Roman spielt in einem kleinen, vom Bergbau geprägten (und vom steirischen Eisenerz inspirierten) Ort mit immer weniger Einwohnern. Das zentrale Ereignis ist der tödliche Autounfall eines jungen Mannes. Doch im Untergrund rumpelt es gefährlich. Der ausgehöhlte Berg ruft.

Bald nach Erscheinen des Buches sei Sara Ostertag auf sie zugekommen und habe sie nicht nur nach den Theaterrechten, sondern auch danach gefragt, ob sie selbst eine Bühnenfassung erarbeiten wolle. "Das war eine Aufgabe, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte", schildert Gamillscheg im Gespräch mit der APA. Doch der rege Austausch und eine gemeinsame Arbeitswoche mit der freien Gruppe makemake produktionen "haben mir geholfen zu verstehen, was Bühne kann und welche Möglichkeiten sie bietet. Und es war auch eine Gelegenheit, über das eigene Buch noch einmal neu nachzudenken."

Nach anfänglich eher dialogischen Versuchen ist es nun "eine Art episches Theater geworden", mit dem die glorreiche Geschichte und trostlose Gegenwart eines Dorfes erzählt und der Raubbau an der Natur unmittelbar augenscheinlich wird. Für eine zündende Umsetzung sollten auch Clara Luzia und Catharina Priemer-Humpel garantieren, die für Komposition und Live-Musik verantwortlich sind. Und für Marie Gamillscheg könnte es ein Anfang als Theaterautorin sein: "Ich habe Feuer gefangen und beim Schreibprozess viel gelernt. War bisher die Bühne nicht die erste Erzählform, die mir in den Sinn gekommen ist, wenn ich über einen Text nachdenke, hat sich das nun geändert."

Doch vorläufig ist sie noch mit ihrem zweiten Roman "Aufruhr der Meerestiere" unterwegs, mit dem sie es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. "Diese Nominierung hat viel bewirkt. In Kürze dürfte die dritte Auflage in Druck gehen. Es läuft ganz gut derzeit", lacht sie. "Allmählich freue ich mich aber schon auf die Zeit nach der Frankfurter Buchmesse, wenn ich wieder an meinem Schreibtisch sitzen kann."

In "Aufruhr der Meerestiere" geht es um eine junge Meeresbiologin und eine sich endemisch vermehrende Rippenqualle, die zum Schrecken der Ökologen wird. Wie schon in "Alles was glänzt" geht es also im weitesten Sinn um die Klimakrise. Das sei ein Thema, bei dem Literatur helfen könne, Zusammenhänge zu verstehen, meint die Autorin, ein Thema, mit dem sie sich wohl auch künftig befassen wird. "Das kann man nicht einfach abarbeiten. Ich glaube, das wird weiter eine Rolle spielen."

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Alles was glänzt" von Marie Gamillscheg, Fassung von der Autorin, Uraufführung, Regie: Sara Ostertag, Komposition & Live-Musik: Clara Luzia, Catharina Priemer-Humpel, Ausstattung: Nanna Neudeck, Video: Nora Jacobs, Choreografie: Martina Rösler. Mit Nora Jacobs, Aline-Sarah Kunisch, Michèle Rohrbach und Dolores Winkler, makemake produktionen in Koproduktion mit Kosmos Theater, Premiere:im Kosmos Theater, Wien 7, Siebensterngasse 42, Premiere: 14. Oktober, 20 Uhr, Weitere Termine: 15., 16., 18., 19., 21., 22.10., Karten: 01 / 523 12 26, https://kosmostheater.at, https://www.makemake.at)

Quelle: Agenturen