APA/APA/Theater an der Wien/Neda Navaee

Für Operettendirigent De Souza ist Offenbach "unkaputtbar"

13. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Er gehört zur jungen, aufstrebenden Dirigentengeneration und ist an Barrie Koskys Komischer Oper in Berlin zum Nachwuchsstar aufgestiegen: Der 1988 geborene Kanadier Jordan De Souza. Am Montag (16. Jänner) dirigiert der Kapellmeister mit indischen Wurzeln nun eine besondere Premiere im Theater an der Wien: Jacques Offenbachs "La Périchole", der ersten Operette am Haus seit langem. Schließlich will Neo-Intendant Stefan Herheim das TaW als Musiktheater breiter aufstellen.

Aus diesem Anlass sprach Jordan De Souza mit der APA über die Momente, in denen man sich als Dirigent totlacht, seinen Regiepartner Nikolaus Habjan und die Frage, warum Offenbach nicht wie das Neujahrskonzert klingen darf.

APA: Wie ist Ihre persönliche Beziehung zum Genre Operette? Sie haben ja selbst an der Komischen Oper eher anderes dirigiert...

Jordan de Souza: Das stimmt. Ich habe an der Komischen Oper aber immerhin zwei Operetten dirigiert. Damals hatte Barrie Kosky mich gefragt, ob ich nicht einmal Lust hätte, das auszuprobieren. Ich fand es zwar immer geil, bei einer Operette im Zuschauerraum zu sitzen, war aber immer unsicher, ob ich im Graben etwas dazu zu sagen hätte. Die Erfahrung war dann aber wunderbar. Das Timing der Gags und die Musik - klasse. Viele denken ja, dass die Operette unter der Oper stünde. Aber den richtigen Ton zur richtigen Zeit zu treffen, das ist hier die spezielle Herausforderung! Es erscheint einfach, ist aber raffiniert, ist gewissermaßen die konzentrierte Form von Oper, bei der man in zwei Minuten Arie das Gleiche sagen muss wie in zehn Minuten Opernzeit.

APA: Und dafür haben Sie mit dem RSO auch nicht dezidierte Operettenexperten an Ihrer Seite...

De Souza: Man braucht aber die echte Virtuosität eines symphonisches Orchesters, um Operette gut zu machen. Es ist wichtig, mit der Musik das innere Leben von Figuren zu erschaffen - und das macht mit dem RSO enormen Spaß!

APA: Spüren Sie einen besonderen Druck, dass Sie hier im Theater an der Wien gleichsam die neue Operettenära einläuten?

De Souza: Ach, ich fühle mich da völlig frei! Nikolaus Habjan und ich sind beide jung, und unser Ziel ist, eine musikalische Sprache zu kreieren, die nur hier nach Wien 2023 passt. Ich möchte die Leute mit meiner Leidenschaft anstecken! Wir lachen uns manchmal beinahe tot, wenn wir hier Sachen ausprobieren! Das ist bei der Oper nicht immer so spontan möglich. Da sind die Grenzen manchmal ein wenig enger.

APA: Haben Sie bei der Operette nicht Angst vor den Klippen des Altherrenhumors?

De Souza: "Périchole" ist fast zeitgenössisch - selbst von den Witzen her! Ich finde, Offenbach klingt jetzt so frisch, dass ich manchmal direkt aufgeregt bin. Das ist alles so charmant geschrieben von einem Theatermenschen par excellence. Das ist sehr französische Musik, wenn auch von einem Deutschen komponiert. Deshalb dürfen die Walzer nicht wie beim Neujahrskonzert klingen. Es gibt immer eine Klippe, immer etwas Böses dahinter.

APA: Zugleich hat Offenbach mit diesem französischen Sound doch immer schon international funktioniert - anders als viele Operettenkomponisten...

De Souza: Interessant, oder? Offenbach hat auch schon zu seiner Zeit eine internationale Tonsprache gesprochen. Offenbach ist unkaputtbar! Der funktioniert in jeder Sprache, in jedem Land.

APA: Wie geht es Ihnen mit dem Hierarchiespannungsfeld Regie-Dirigat beim Genre Operette, in der die gesprochene Sprache ja eine viel größere Rolle spielt?

De Souza: Die musikalische Leitung steht immer ganz oben im Programm. (lacht) Ich sehe das aber nicht aus der Position des Maestro, sondern ich sehe mich als den Anwalt des Komponisten. Im Idealfall sind wir Teamplayer wie hier. Nikolaus Habjan ist ein sehr guter Theatermann, der es schafft, die Leute mitzureißen. Und wir haben den gleichen Geschmack.

APA: Sie haben in Berlin ja eine Blitzkarriere hingelegt...

De Souza: Ich habe in Berlin als Korrepetitor vorgespielt, worauf sie mir gleich die Stelle als Studienleiter angeboten haben. Ich habe da sofort zugesagt, auch wenn mein Deutsch damals so schlecht war, dass ich überhaupt nicht wusste, ob das vielleicht nur derjenige ist, der abends das Licht im Saal anmacht. (lacht) Und dann war ich auch schnell Kapellmeister.

APA: Ist Ihr Ziel, künftig wieder einmal fix an ein Haus gebunden zu sein, oder reizt Sie weiterhin das Leben als freier Dirigent?

De Souza: Anstatt immer im Überlebensmodus zu sein, hat man an einem fixen Haus die Chance, an einer Vision zu arbeiten. Ich habe an der Komischen Oper in drei Jahren ungefähr 150 Stücke dirigiert. Da habe ich gelernt: Man muss ein Zuhause haben. Ich habe kein Ziel, aber mich wieder einmal fest an ein Haus zu binden, das wäre schön.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E - https://jordandesouza.com/)

Quelle: Agenturen