APA - Austria Presse Agentur

"Fledermaus" in Langenlois flatterte in die Golden Twenties

29. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Auch in Langenlois geht das sommerliche Festival-Leben nach der vorjährigen Unterbrechung weiter: Christoph Wagner-Trenkwitz konnte am Mittwochabend mit dem flott inszenierten Klassiker "Die Fledermaus" einen höchst erfolgreichen Einstand als Intendant der "operette langenlois" feiern. Und das trotz widriger, im Finale sogar irregulärer Witterungsbedingungen.

Manches ist ein bisschen anders als gewohnt in dieser spritzigen Regie von Nicole Claudia Weber, die das Geschehen in die Goldenen Zwanzigerjahre versetzt. Das hört man zwischendurch auch in den revueartigen Arrangements, die der musikalische Leiter Tscho Theissing für seine bravourös aufspielenden Wiener Theatermusiker beigesteuert hat. Und das Verblüffende dabei: Es wirkt gar nicht mutwillig aufgesetzt, führt nur passagenweise die originale Partitur behutsam in anderen Geleisen weiter, und sei's mit einem Touch von Rumba. Auch optisch entstehen sehr hübsche Effekte (Kostüme: Vanessa Achilles). Das Bühnenbild von Eduard Neversal besteht aus originellen mobilen Elementen, die allerdings den Blick auf die Fassade von Schloss Haindorf ziemlich verstellen.

Sängerisch ist die Produktion sehr gut aufgestellt, die Mitwirkenden fügen sich zu einem ausgezeichneten Ensemble. Cornelia Horak und Erwin Belakowitsch als Rosalinde und Eisenstein geben ein souveränes protagonistisches Paar ab, Martin Achrainer ist ein hervorragender Falke, Roman Sadnik ein mächtiger Orlofsky. Alfred (Stephen Chaundy) erscheint hier als englischer Gesangslehrer, Mila Schmidt als Ida und Horst Lamnek als Dr. Frank sind ebenfalls gut besetzt. Witzig ist die Idee, den Advokaten (Stefan Fleischhacker) auch als Kunstpfeifer beim Fest Orlofskys auftreten zu lassen.

Entdeckung des Abends war allerdings die junge burgenländische Sopranistin Hedwig Ritter in ihrem Rollendebüt als Adele, die neben ihren stimmlichen Vorzügen auch viel differenzierte Komödiantik mitbringt. Allein ihre derben, selbstentlarvenden Lacher in der "Marquis"-Arie sind köstlich. Last but not least war Wagner-Trenkwitz himself als Frosch im Einsatz - und punktete u.a. mit diversen zeitbezogenen Anspielungen. Immerhin ist er als Gefängnisdiener auch Pandemie-Experte, denn beim Wegsperren kennt er sich aus.

Leider schüttete es im letzten Akt wie aus den sprichwörtlichen Schaffeln, zahlreiche Zuschauer suchten das Weite. Dennoch wurde fertiggespielt. Das verbliebene Publikum zeigte sich dankbar und begeistert.

Insgesamt ein sehr erfreulicher Abend. Man gewinnt den Eindruck, dass mit Wagner-Trenkwitz nun ein optimaler künstlerischer Leiter für die "operette langenlois" gefunden ist, der viel Erfahrung im Genre mitbringt und dem Standort lange erhalten bleiben möge. Wenn es etwas zu bekritteln gibt, dann allenfalls die seit jeher späte Beginnzeit (20.30 Uhr - da ist man vor Mitternacht nicht in Wien zurück), und das pompöse Feuerwerk - noch dazu im Starkregen - hat man anderswo (etwa in Grafenegg) bereits aus Kosten- wie Umweltgründen abgeschafft.

(S E R V I C E - Johann Strauss: "Die Fledermaus". Regie: Nicole Claudia Weber, musikalische Leitung: Tscho Theissing, u.a. mit Cornelia Horak, Erwin Belakowitsch, Martin Achrainer, Hedwig Ritter, Christoph Wagner-Trenkwitz. "operette langenlois", Schloss Haindorf. Weitere Vorstellungen bis 14. August, Tickets und Information: Tel. 02734/3450, www.operettelangenlois.at)

Quelle: Agenturen