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Elevate Festival Graz mit weniger Förderung, mehr Musik

27. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Die 22. Ausgabe des interdisziplinären Grazer Elevate-Festivals findet unter dem widerständigen Motto "Vital Signs" (Lebenszeichen) von 5. bis 8. März in der steirischen Landeshauptstadt statt. Trotz der im Vorjahr bekannt gewordenen drastischen Förderungskürzungen von Seiten des Landes Steiermark erwartet das Publikum heuer sogar ein ausgeweitetes Musikprogramm mit 75 heimischen und internationalen Acts. Auch das Diskursprogramm kann sich wie gewohnt sehen lassen.

Um den vielen nach Graz gereisten Gästen (rund die Hälfte des Festivalpublikums) ein "kompakteres Erlebnis" zu ermöglichen (Festival-Mitbegründer Bernhard Steirer), findet die feierliche Eröffnung heuer nicht am Vorabend des Festivals, sondern im Rahmen des regulären Programms am Donnerstag, 5. März, und erstmals in der Helmut List Halle statt. Die Eröffnungsrede obliegt der deutschen Autorin und Journalistin Şeyda Kurt, die sich mit der politischen Dimension der grundlegenden Gefühle Liebe und Hass beschäftigt. Musikalisch eröffnet das Festival Steve Reichs richtungsweisendes Werk "Music for 18 Musicians", ausgeführt vom PPCM Ensemble der Kunstuniversität Graz in Kooperation mit dem Klangforum Wien.

Im Rahmen des heuer besonders umfangreichen und vielfältigen Musikprogramms holt das Elevate wieder einige internationale Stars nach Graz. Der bekannteste: Marc Almond, Stimme des legendären Pop-Duos Soft Cell, dessen andere Hälfte, Dave Ball, im Oktober vergangenen Jahres verstarb. Almonds Auftritt am Abschlussabend des Festivals im Grazer Orpheum wird teilweise auch im Gedenken an seinen musikalischen Partner stehen. Zum letzten Mal zu sehen: die britischen Indie-Elektronikpioniere Cabaret Voltaire, die auf ihrer Abschiedstournee ebenfalls beim Elevate vorbeischauen (6.3., Orpheum).

Daneben gibt es an verschiedenen Spielorten, darunter auch erstmals das PPC in der Nähe vom Lendplatz einen "bunten Blumenstrauß" an Künstlern und Künstlerinnen aus den unterschiedlichsten Musikgenres von Elektronik, Avantgarde über Indie, Jungle, Drum & Bass, Techno, Female Hardcore bis hin zur experimentellen Roboter-Orgel des französisch-belgischen Komponisten Maxime Denuc im Grazer Dom, der der auch für eine spektakuläre Musikinstallation im Mausoleum sowie für die neue "Elevator Music" im Grazer Schlossberglift verantwortlich zeichnet.

Große Namen im Diskursprogramm

Im Diskursprogramm, das inmitten von Kollaps-Ängsten Optimismus versprühen will und wie schon zuletzt im Heimatsaal des Grazer Volkskundemuseums stattfindet, tummeln sich ebenfalls bekannte Namen wie die deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Clüver Ashbrook (zum Thema Aushöhlung der Demokratie in den USA und in Europa), der US-amerikanische Medien- und Technologie-Theoretiker Douglas Rushkoff oder Grimme-Preisträger Christian Schiffer ("Die Peter Thiel Story").

In Kooperation mit dem Institut für Kultur im Öffentlichen Raum (KiÖR) findet schon ab 16. Februar und bis 15. März die das Festival begleitende Ausstellung "Vital Signs in Public Space" mit künstlerischen Interventionen an verschiedenen öffentlich zugänglichen Orten in Graz statt. Fortgeführt werden auch die verschiedenen europäischen Kooperationsprogramme des Elevate Festivals.

Preise angehoben

Vorverkaufsmäßig ist man bei der Festival-Leitung zufrieden: Die Festivalpässe seien bereits ausverkauft und auch sonst seien 40 Prozent der Eintrittskarten schon weg, hieß es am Dienstag bei der Elevate-Pressekonferenz. Dies, obwohl die Eintrittspreise heuer erstmals seit langem angehoben wurden. Angesichts der Förderkürzungen des Landes - das Elevate erhält diesmal rund um ein Drittel weniger Landesmittel - musste das Festival vor allem im Kommunikationsbereich den Sparstift ansetzen.

Weil sich das Land Steiermark aber auch mit der Zusage für die Kofinanzierung der europäischen Kooperationsprogramme Zeit lässt - hier fehlen laut Elevate-Musikkurator Roland Oreski noch 40.000 Euro, drohen für das heurige Geschäftsjahr aber weitere Sparmaßnahmen. Diese würden dann auch das Personal betreffen. Die Festival-Macher hoffen aber, dass derartiges vermieden werden kann, denn die Stadt Graz habe ihre Förderungen erhöht, vom Bund gebe es positive Signale und auch mit dem Land gebe es eine "gute Gesprächsbasis".

Rute im Fenster

Für den Fall, dass die Politik nicht nachhaltig die Bedeutung des Festivals für Graz und die Steiermark erkennt ("Wir bringen 2.500 Nächtigungen am Totpunkt der Saison im März nach Graz") und in der Folge kein Richtungsentscheid fällt, stellte Bernhard Steirer den Förderverantwortlichen die Rute ins Fenster: "Ein Abschied auf Raten ist für uns keine Option. Sonst müssen wir abwandern - oder aufhören."

(S E R V I C E - Detaillierte Programminformationen und Tickets: https://elevate.at )

Zusammenfassung
  • Das Elevate Festival Graz findet von 5. bis 8. März 2024 unter dem Motto "Vital Signs" statt und bietet trotz rund einem Drittel weniger Landesförderung ein ausgeweitetes Musikprogramm mit 75 internationalen und heimischen Acts.
  • Festivalpässe sind bereits ausverkauft, 40 Prozent der Eintrittskarten wurden verkauft, obwohl die Preise erstmals seit Langem angehoben wurden.
  • Die Veranstalter warnen, dass bei weiteren Förderkürzungen auch Personalkosten betroffen sein könnten, und betonen die Bedeutung des Festivals für Graz mit rund 2.500 Nächtigungen im März.