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"Döbling Burning": Singspiel im Wiener Rabenhof uraufgeführt

Heute, 07:11 · Lesedauer 3 min

In Erdberg macht man sich über Döbling Gedanken. Verantwortlich dafür ist der Liedermacher Ernst Molden, der 1967 im 19. Wiener Gemeindebezirk zur Welt gekommen ist. Ihm war es ein Anliegen, sich mit der spezifischen Atmosphäre dieses zwischen Bürgerlichkeit und Weinseligkeit schwankenden Bezirks zu beschäftigen. "Döbling Burning" heißt sein "Singspiel vom Rand", das am Donnerstag im Wiener Rabenhof uraufgeführt wurde. Mehr Sparflamme als Kreativ-Feuerwerk.

Mit den Produktionen "Häuserl am Oasch", "Hafen Wien" und "Mayerling" hat sich Molden in den vergangenen Jahren um die augenzwinkernde Wiederbelebung des Alt-Wiener-Singspiels verdient gemacht. "Döbling Burning" verfügt über mehr rockige als wienerisch-weinerliche Musik, die von Molden himself als Teil einer fünfköpfigen Band live hinter der Bühne performt wird, und über fünf Schauspieler, denen man mangelnde Hingabe nicht vorwerfen kann. Worüber das Stück nicht verfügt ist eine Handlung, die es wert wäre, zwei Stunden lang auf der Bühne vorangetrieben zu werden.

Molden hat sich skurrile Figuren einfallen lassen, aber keine echte Idee, was diese miteinander anfangen sollen. Er mischt Sage und Satire, Wien und Wein. Er lässt über Riesling und Veltliner singen, weil der G'spritze aber offenbar mit viel Wasser aus dem Agnesbründl gestreckt wurde, kann auch die Frau Kommerzialrätin Meier-Sudelfeld ihren Doppler auf ex leeren und dafür Szenenapplaus einheimsen.

Ursula Strauss stattet die reiche Fabrikantin, die Powidlgläser aus der guten alten Zeit in die Gegenwart gerettet hat und von flaumigen Buchteln zu sinnlichen Fantasien angeregt wird, mit einigen Portionen Arroganz und einer Prise Impertinenz aus. Ihre Besitztümer möchte sie nicht der Kirche vererben, die in Gestalt des von Gerald Votava so schleimig wie scheinheilig verkörperten Monsignore Schoiswohl sehr gerne dabei behilflich wäre, ihr belastenden Besitz abzunehmen, sondern ihrem Enkel Otto. Der ist leider aus der Art geschlagen, etwas antriebslos und - horribile dictu - Künstler. Skye MacDonald muss sich als sympathischer Voodoo-Jürgens-Verschnitt viel von ihr gefallen lassen, um von den großmütterlichen Zuwendungen nicht abgeschnitten zu werden - Pflichtbesuche von Kirche und Kirtag inklusive.

Weinbauer mit Teufelshörnchen und eine Untote

Dieses Trio wird durch zwei Figuren komplettiert, die Bezug zur Sagenwelt erkennen lassen. Christoph Krutzler verfügt als dämonischer Weinbauer Leopold Probus Musil nicht nur über eine Teufelshörnchen-Frisur, sondern auch über mehrtausendjährige Familienerinnerung rund um das im Weingarten befindliche Severinskreuz, Alina Schaller irrlichtert als untote Agnes durch die von Dominique Wiesbauer sparsam, aber wandelbar gestaltete Bühne, auf der Hausherr und Regisseur Thomas Gratzer aufgrund der Handlungsarmut wenig szenische Möglichkeiten hat. Den sorgsam choreografierten Miniszenen rund um Beichtstuhl und Kredenz kann man Unterhaltungswert aber nicht absprechen.

Das Agnesbründl am Hang des Hermannskogels wurde übrigens in Alt-Wien auch deshalb zur beliebten Pilgerstätte, weil an seinem Grund angeblich die Lotteriezahlen sichtbar wurden. Es scheint sich um Aberglauben zu handeln. Zu einem Haupttreffer hat es Ernst Molden jedenfalls nicht verholfen.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - "Döbling Burning. Ein Singspiel vom Rand", Buch und Musik: Ernst Molden, Regie: Thomas Gratzer, Bühne: Dominique Wiesbauer, Kostüme: Miriam Draxl, Choreographie: Lukas Strasser. Mit Alina Schaller, Ursula Strauss, Skye MacDonald, Christoph Krutzler und Gerald Votava, Band: Ernst Molden, Maria Petrova, Aliosha Biz, Andrej Prozorov und Karl Stirner. Nächste Vorstellungen: 22.-24.2., 7., 8.3., Rabenhof Theater, Wien 3, Rabengasse 3, www.rabenhof.at )

Zusammenfassung
  • Das Singspiel "Döbling Burning" von Ernst Molden wurde am Donnerstag im Wiener Rabenhof uraufgeführt und thematisiert musikalisch den 19. Wiener Gemeindebezirk.
  • Fünf Schauspieler und eine fünfköpfige Band bringen eine Inszenierung ohne durchgehende Handlung auf die Bühne, die Sage, Satire, Wien und Wein miteinander vermischt.
  • Die nächsten Vorstellungen finden am 22. bis 24. Februar sowie am 7. und 8. März im Rabenhof Theater in Wien statt.