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"Die Möwe" will in Reichenau nicht recht abheben

03. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Mit Anton Tschechows Drama "Die Möwe" (Regie und Bearbeitung: Torsten Fischer) hat am Samstagabend die neue Ära der Festspiele Reichenau unter der Leitung von Maria Happel begonnen. Ein zwiespältiger Start, der sichtlich um Kontinuität bemüht war und eine eigene Handschrift nur andeutete. Der vorliegende Bericht bezieht sich dabei auf die Hauptprobe vom 1. Juli.

"Hast Du Angst vor dem Krieg?" - Mit dieser Frage lässt Fischer das Stück beginnen. Die Bühne, entworfen von Herbert Schäfer, ist in Nebel getaucht, aus dem sich allmählich ein großer Vollmond schält. Später sorgt eine Spiegelwand für reizvolle Perspektiven und optische Verdoppelungen.

Das Leben auf dem Lande, Hitze, Liebe, gepflegte Langeweile, alle philosophieren, niemand tut etwas: Diese für Tschechow typische Ausgangssituation wird von Irina (sehr mondän mit Sonnenbrille unterwegs: Sandra Cervik) auf den Punkt gebracht. Ihren Bruder gibt der einzigartige, 84-jährige Martin Schwab, der von Beginn an - mit einem köstlich ironischen Einleitungsdialog - das eigentliche Zentrum des Ensembles bildet. Auch Dunja Sowinetz, Markus Kofler, Claudius von Stolzmann oder Günter Franzmeier haben bereits Reichenau-Erfahrung.

Happels Absicht, junge Kräfte einzubeziehen, ist gleich einmal am Einsatz der eigenen Tochter Paula Nocker erkennbar, die schon als Kind in Reichenau auf der Bühne stand, mittlerweile dem Josefstadt-Ensemble angehört und nun die Rolle der Gutsbesitzerstochter Nina mit der adäquaten Naivität einer jungen Schauspielanwärterin versieht. Nils Arztmann, Studierender am Max Reinhardt Seminar, fällt als Irinas Sohn Konstantin anschaulich der Verzweiflung anheim.

Insgesamt kein Paukenschlag, aber der deutliche, wenn auch allzu konventionell gebliebene Versuch, an die Loidolt-Zeit anzuknüpfen. NIcht nur für "Die Möwe" gibt es dabei allerdings noch einige Luft nach oben.

(S E R V I C E - Festspiele Reichenau: Anton Tschechows "Die Möwe". Regie: Torsten Fischer. Mit u.a. Sandra Cervik, Martin Schwab, Paula Nocker, Nils Arztmann. Weitere Vorstellungen bis 6. August, Tickets und Information: Tel. 02666/52528, www.theaterreichenau.at)

Quelle: Agenturen