Diagonale-Bilanz in Graz: "Schaut sehr gut aus"
Ob die Diagonale ihre Rolle als Megafon der Filmbranche kräftig wahrgenommen habe? "Es braucht ja nicht nur ein Megafon, sondern auch alternative Debattenräume", sagte Kamalzadeh. "Was uns zugetragen wurde, ist das Stattfinden einer Vielzahl von fruchtbaren und kontroversen Auseinandersetzungen." Dies gelte für die Diskussionen nach den Filmen, aber auch für die Anliegen der Filmbranche, etwa die Streamingabgabe - u. a. von der Großen Diagonale Schauspielpreis-Trägerin Hilde Dalik angesprochen - oder die Beibehaltung der ORF-Landesabgabe für Kulturzwecke. Slanar sagte, sie glaube schon, dass die Botschaft angekommen sei. Man habe mit Vertretern der Politik über die Thematik gesprochen. Es gehe ja nicht nur um die beiden genannten Abgaben, sondern auch um die AMS-Zuverdienstgrenzen etwa von Filmschaffenden.
Kamalzadeh sagte, "für uns war es immer wichtig, Diskussionsräume zu bieten". In welchem Ausmaß, hänge auch vom Produktions-Output ab. Die österreichische Dokumentationsfilmszene ist jedoch noch nie vor Konfliktpotenzial zurückgeschreckt. Es gehe ja beim Film auch darum, Dialog zu schaffen, im Kontrast zum sich oft beschränkenden medialen Raum. Wie gelinge es beispielsweise, jemanden wie Götz Kubitschek (thematisiert in der Doku "Meeting Götz", Anm.) zu porträtieren?
Ihr persönliches Highlight bei der Diagonale 26 sei etwa das Konzert bzw. die Performance von Billy Roisz im Festivalzentrum im Volkskundemuseum gewesen, sagte Slanar: "Da wurde der Kinosaal in den Heimatsaal verlängert. Großartig." Für Kamalzadeh sei es unter anderem die Weltpremiere der Doku "Mit Ästen bis zum Himmel", der letzte Film der Ende 2024 verstorbenen Filmemacherin Katharina Copony, gewesen. Weiters seien es die Filme und die Masterclass des Isländers Hlynur Pálmason gewesen: "Wow, was für eine Entdeckung", hätten ihm Besucher gesagt.
Was das Budget der Diagonale betrifft, so habe man noch ein Jahr in den jeweiligen Dreijahresverträgen mit Land Steiermark und Stadt Graz. Mit dem Kulturministerium gehe es im September in Verhandlungen, sagte Slanar. Ihr Kollege Kamalzadeh meinte in diesem Zusammenhang, es wäre wünschenswert, dass eine eventuelle Streaming-Abgabe nicht nur für die Filmproduktion, sondern auch für die Filmverwertung zur Verfügung stehen könnte. Diese wäre ja auch etwa für Festivals und für Kinovorführungen eine Möglichkeit.
(Das Gespräch führte Peter Kolb/APA)
Zusammenfassung
- Die Diagonale 26, das Festival des österreichischen Films, endete nach sechs Tagen in Graz mit einer sehr positiven ersten Bilanz, wobei viele Vorführungen – vor allem bei Innovations- und Kurzfilmen – restlos ausverkauft waren.
- Neben dem Filmprogramm gab es zahlreiche fruchtbare und kontroverse Debatten über Branchenthemen wie die Streamingabgabe, die ORF-Landesabgabe und die AMS-Zuverdienstgrenzen für Filmschaffende.
