Designierte Fenice-Musikchefin sieht "anarchische Zustände"
Venezi äußerte sich damit erstmals öffentlich zu dem seit Monaten andauernden Konflikt um ihre Ernennung zur Musikdirektorin des traditionsreichen Opernhauses. Die Pianistin und Dirigentin war im September überraschend von Fenice-Intendanten Nicola Colabianchi zur musikalischen Leiterin des Theaters für die Zeit von Oktober 2026 bis März 2030 ernannt worden. Gewerkschaften und Teile des Orchesters hatten daraufhin protestiert und ihre Kritik sowohl an dem Auswahlverfahren als auch an Venezis Qualifikation geäußert.
Seitdem kam es zu mehreren Streiks und Protestaktionen gegen Venezi. Zuletzt trugen Mitglieder von Chor und Orchester beim Neujahrskonzert Anstecknadeln in Form eines Violinschlüssels als stilles Zeichen des Protests. Venezi kommentierte dies mit ironischen Worten und erklärte, sie hätte die Anstecknadeln "stilvoller gestaltet, vielleicht mit einem Swarovski-Kristall".
Die Dirigentin wies zudem Vorwürfe zurück, sie sei politisch von der Rechten um Ministerpräsidentin Giorgia protegiert. "Ich bin so sehr protegiert, dass ich fast ausschließlich im Ausland arbeite", sagte Venezi. Unterstützung erhält sie unter anderem von Kulturminister Alessandro Giuli sowie von Vertretern der Regierungspartei Fratelli d'Italia um Meloni
Die Gewerkschaften reagierten scharf auf die Aussagen. Marco Trentin von der Gewerkschaft Fials erklärte, der Imageschaden sei nicht von den Beschäftigten verursacht worden, sondern von jenen, die die Situation herbeigeführt hätten. Auch nicht gewerkschaftlich organisierte Musiker widersprachen Venezi. Der Geiger Eugenio Sacchetti nannte die Darstellung eines "anarchisch geführten" Theaters "absurd und beleidigend".
Eine Annäherung der Konfliktparteien ist derzeit nicht in Sicht. Gespräche zwischen Theaterleitung, Stadtverwaltung und Belegschaft haben seit Wochen nicht mehr stattgefunden.
Zusammenfassung
- Die italienische Dirigentin Beatrice Venezi hat der Leitung des Teatro La Fenice und den Gewerkschaften schwere Vorwürfe gemacht und bezeichnete die Situation im Opernhaus als 'anarchisch'.
- Nach ihrer überraschenden Ernennung zur Musikdirektorin für die Zeit von Oktober 2026 bis März 2030 kam es zu Protesten, mehreren Streiks und symbolischen Aktionen wie Anstecknadeln beim Neujahrskonzert.
- Eine Annäherung der Konfliktparteien ist bislang nicht absehbar, da seit Wochen keine Gespräche zwischen Theaterleitung, Stadtverwaltung und Belegschaft stattgefunden haben.
