APA/APA/Festspiele Reichenau/Lalo Jodlbauer

"Des Teufels General" beeindruckt in Reichenau

09. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Er war noch im Spielplan des Intendantenpaars Loidolt vorgesehen, Maria Happel hat ihn als Reverenz an ihre Vorgänger aufgenommen: Carl Zuckmayers "Des Teufels General" ist bei den Festspielen Reichenau im Neuen Spielraum in einer beeindruckenden Inszenierung von Hermann Beil zur Aufführung gelangt. Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Hauptprobe von Donnerstag, Premiere war am Freitagabend.

Das 1946 in Zürich uraufgeführte und 1955 mit Curd Jürgens verfilmte Stück entwickelte sich zum erfolgreichsten Drama der Nachkriegszeit. Um seine antifaschistische Intention zu verdeutlichen, sah sich Zuckmayer 1966 zu einer Neufassung veranlasst. Weder dies, noch der Umstand, dass Ernst Udet, Generalluftfahrzeugmeister der deutschen Armee, dem Protagonisten Harras als Vorbild diente, noch der Film interessieren Beil vordringlich: "Wir machen ja kein Stück zu einem Film von einst!"

Hingegen geht es darum, dass auch 2022 Menschen "mit dem jeweils herrschenden Teufel einen Pakt eingehen", so Beil: "Ganz offen nazihaftes Denken und Sprechen feiern im Alltag, in den Medien, auf öffentlichen Plätzen und sogar in Parlamenten kaltschnäuzig ihre Wiederkehr." Insofern ist "Des Teufels General" auch keine historische Tragödie, sondern Gleichnis, meint Beil, "mit Figuren, die auch in unserer Zeit eine Entsprechung haben können."

Mit Stefan Jürgens wurde ein Protagonist gefunden, der seinem legendären Nachnamensvetter auch in der stattlichen Erscheinung durchaus nahekommt und seine Sache als Harras so gut macht, dass manche Szene atemlose Aufmerksamkeit erzeugt. Im Offiziersstab stellen Nicolaus Hagg und David Oberkogler ihren Mann, Dirk Nocker, Rainer Friedrichsen, Tobias Voigt, André Pohl und David Jakob verkörpern unterschiedliche Ausprägungen des Systems, Elisa Seydel, Johanna Arrouas, Emese Fay und Johanna Prosl Frauentypen zwischen Naivität und Berechnung.

Ein wenig Zeit braucht es, bis das dreistündige Stück in Gang kommt, aber dann geht's dahin: vom rauschenden Fest, das Göring nebenan gibt, über dramatische politische und private Verwicklungen bis zum buchstäblichen Absturz. Viele Fragen - etwa jene nach dem Sinn von Gewalt und Krieg für eine erhoffte bessere Welt - sind beklemmend aktuell, ebenso manche Einsicht (Wer kein Zuhause kennt, ist anfällig für Radikalisierung). Ein nach wie vor starkes Manifest für Widerstand im Sinne der Humanität.

(S E R V I C E - Festspiele Reichenau, Neuer Spielraum: Carl Zuckmayer, "Des Teufels General". Regie: Hermann Beil. Mit Stefan Jürgens, Dirk Nocker, Tobias Voigt, Elisa Seydel, u.a.. Weitere Aufführungen bis 6. August, Information und Karten: Tel. 02666/52528, www.theaterreichenau.at)

Quelle: Agenturen