Der Protest geht weiter: Musik-Ikone Joan Baez ist 85
"Wir werden von einem Haufen wirklich inkompetenter Milliardäre regiert", sagte Baez in einem weiteren Interview. Die US-Demokratie gehe "in Flammen auf". Ihre Wut auf Trump ist so groß, dass sie sie sogar wieder mehr ins Rampenlicht trieb: Baez sang auf Demonstrationen, schrieb ein Gedicht und plant neue Protest-Musik. Dabei hatte die vielfach ausgezeichnete Sängerin sich eigentlich schon weitgehend von der Bühne zurückgezogen, hatte viel gemalt und 2023 den autobiografischen Dokumentarfilm "Joan Baez - I Am A Noise" veröffentlicht.
Geboren wurde Baez am 9. Jänner 1941 im New Yorker Stadtteil Staten Island als Tochter eines Vaters mit mexikanischen Wurzeln und einer Schottin. Die Familie zog häufig um und Baez entwickelte schon früh ein Interesse an Musik und an Aktivismus. "Als ich damals mit meinen Ideen auf die Straße ging, hatte ich schon ein ziemlich genaues Bild von der menschlichen Natur und den menschlichen Verhaltensweisen", sagte sie später einmal. "Das menschliche Verhalten ist schlecht."
In den 60er Jahren wurde Baez in der florierenden Folk-Szene in den USA berühmt. Schon ihre drei ersten Alben - das 1960 veröffentlichte Debüt mit 13 traditionellen Songs, "Joan Baez, Vol. 2" von 1961 und "Joan Baez in Concert, Pt. 1" ein weiteres Jahr später - wurden Hits. Plötzlich war Baez das Gesicht der US-Folkmusik - und Aushängeschild der linken und liberalen Bewegungen jener Zeit, mit einem Höhepunkt am 28. August 1963: Auf dem "Civil Rights March" der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King sang Joan Baez "We Shall Overcome", bis heute eines der bedeutendsten Protest- und Durchhaltelieder.
Beziehungen unter anderem mit Bob Dylan und Steve Jobs
Eine wichtige Begegnung hatte schon zwei Jahre zuvor stattgefunden: Baez lernte 1961 den damals noch unbekannten Bob Dylan kennen, den sie in ihren Konzerten einem größeren Publikum vorstellte. Die beiden Musiker wurden für einige Jahre auch privat ein Paar. Und sie schafften den Sprung vom puristischen Akustik-Folk der Anfangszeit zu einem neuen, teils elektrisch verstärkten Musikstil.
1968 heiratete Baez den Journalisten David Harris, schwanger mit Sohn Gabriel trat sie beim Woodstock-Festival auf. 1973 ließ sich das Paar wieder scheiden. Später sorgte eine Beziehung der Musikerin mit dem 2011 gestorbenen Apple-Gründer Steve Jobs für Schlagzeilen.
Immer weiter brachte Baez auch neue Alben heraus, darunter die von der Kritik besonders empfohlenen "Recently" (1987) und "Gone From Danger" (1997). Ihr bisher letztes Album "Whistle Down The Wind" erschien 2018. "Mein Leben ist reich", sagt Baez. "Und das meine ich nicht im finanziellen Sinn."
Zusammenfassung
- Joan Baez, geboren am 9. Jänner 1941, feiert ihren 85. Geburtstag und engagiert sich weiterhin mit Protesten gegen Rassismus und die Regierung von Donald Trump.
- Die Musik-Ikone wurde in den 1960er Jahren durch Songs gegen den Vietnamkrieg und ihren Auftritt am 28. August 1963 beim Civil Rights March mit "We Shall Overcome" zum Symbol der US-Folkmusik und Bürgerrechtsbewegung.
- 2023 erschien der autobiografische Dokumentarfilm "Joan Baez - I Am A Noise", und Baez kündigte neue Protestmusik an, obwohl sie sich eigentlich von der Bühne zurückgezogen hatte.
