Das Lustspiel als Musical: "Pension Schöller" im Rabenhof
"Endlich Ruhe", freut sich Pensionsinhaber Professor Schöller (Florian Carove) zu Beginn des Stücks - man ahnt, dass diese nicht allzu lange währen wird. Es folgen aberwitzige Verwirrungen in der Pension, die Anton Lenzmeier (Robert Slivovsky) seiner Tante Ruth (Doris Hindinger) als Nervenheilanstalt präsentiert, mit der Bitte um Geld für seine vorgebliche Karriere als Psychologe. Die Tante nimmt die schrulligen Gäste des Hauses ganz genau unter die Lupe - mit einer Ernsthaftigkeit, die deren Eigenheiten zum Erstrahlen bringt. Die Handlung des zeitlosen Originaltextes von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs wurde von Fabian Pfleger leicht adaptiert und gekonnt mit Wienbezügen versehen. Wofür die Charaktere umbenannt wurden, bleibt unklar.
Herzhafte Lacher begleiten die Aufführung von Anfang an, das energetische Musikquartett um Kyrre Kvam verleiht dem Text noch mehr Schwung. Alle machen sich auf ihre Art zum Affen, und das macht einen Heidenspaß. Die Chemie auf der Bühne stimmt, der Schmäh rennt, überschlägt sich nahezu und erreicht mühelos den voll besetzten Saal. Die Posse gibt sich entschlossen unpolitisch, man könnte ihr Naivität unterstellen, käme man zwischen Sinnesrausch und Gelächter einen Moment zum Nachdenken.
Die Pausen zwischen den Pointen sind kurz, man lacht herzlich und manchmal leicht beschämt über die eigene Erheiterung. Das engagierte Ensemble produziert mit vollem Einsatz mitreißenden Klamauk, dem man sich kaum entziehen kann. Warum ausgerechnet heute ein Stück aus dem Jahr 1890? "Weil's gerade jetzt Verrückte braucht", kommentierte Schauspieler Gerhard Kasal - er mimt in der "Pension Schöller" den Bernhard Bernhardi - gegenüber der APA. Weltflucht, wenn sonst nichts hilft, könnte man sagen. Bei den sexistischen Gesangseinlagen hätte etwas mehr Zeitgeist jedoch nicht geschadet.
(Von Cosma Kremser/APA)
(S E R V I C E - "Pension Schöller" von Fabian Pfleger nach Wilhelm Jacoby und Carl Laufs im Wiener Rabenhof Theater. Regie: Ruth Brauer-Kvam, Arrangements und Musikalische Leitung: Kyrre Kvam, Bühne: Michaela Mandel, Kostüme: Alfred Mayerhofer, Choreographie: Lukas Strasser. Mit: Caroline Frank, Doris Hindinger, Florian Carove, Gerhard Kasal, Sebastian Wendelin und Robert Slivovsky. Band: Kyrre Kvam, Lukas Knöfler und Orges Toce. Nächste Vorstellungen: 16., 23. und 24. Jänner sowie am 20. und 21. Februar. www.rabenhoftheater.com/)
Zusammenfassung
- Im Wiener Rabenhof Theater feierte am Mittwochabend die musikalische Neuinterpretation des Lustspiels "Pension Schöller" Premiere, wobei ein energiegeladenes Ensemble das Publikum mit Komik und Schwung begeisterte.
- Das Stück von Regisseurin Ruth Brauer-Kvam, adaptiert von Fabian Pfleger, setzt auf zeitlose Unterhaltung und wurde mit Wien-Bezügen sowie einem Musikquartett unter der Leitung von Kyrre Kvam inszeniert.
- Die nächsten Vorstellungen finden am 16., 23. und 24. Jänner sowie am 20. und 21. Februar statt, wobei das Stück laut Schauspieler Gerhard Kasal gerade jetzt "Verrückte braucht".
