APA - Austria Presse Agentur

Das Grazer Kulturjahr 2020 gibt es auch 2021

15. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Das Grazer Kulturjahr 2020 war gerade erst warm gelaufen, als es im März pandemiebedingt wieder für mehrere Monate auf Eis gelegt wurde. Jetzt, am Ende des Jahres, ist das Festival zum Thema "Wie wir leben wollen" noch lange nicht fertig, sondern wird bis September 2021 ausgedehnt. 36 der 94 Projekte werden erst im kommenden Jahr starten, insgesamt 70 werden noch zu sehen sein, berichteten am Dienstag Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) und Programmmanager Christian Mayer.

Im Jahr 2020 sollte Graz kulturell ganz im Zeichen der urbanen Zukunft stehen und ein Zentrum der Beschäftigung mit virulenten Fragestellungen der Gegenwart und zur Zukunft unserer Städte sein. Zur Realisierung von 94 Projekten aus Kunst und Wissenschaft hatte die Stadt rund fünf Millionen Euro Fördergeld investiert, der Veranstaltungskalender war vielfältig, viele Programmpunkte sollten sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen und Monaten erstrecken - doch dann kam das Virus.

"Covid-19 hat uns von April bis Juni 630 Veranstaltungen ausgebremst, 75 Prozent mussten neu geplant werden", schilderte Mayer. In den vier Sommermonaten waren Veranstaltungen zwar möglich, aber nur unter Einschränkungen. Immerhin 740 Einzelveranstaltungen gingen über die Bühne: "The Graz Vigil" - individuell geführte Morgen- und Abendwachen über den Dächern von Graz vom Schloßberg aus - hatte zwischenzeitlich auf die digitale Quarantäneversion mit der Betrachtung der Stadt von zuhause aus umgeschaltet. Projekte wie "Der Grazer Kunstverein zieht um!", "Grazer Soundscapes" oder die "Bürger*innenkonvente" wurden ebenso in den virtuellen Raum verlegt, wie Mayer berichtete. Das Klangforum Wien spielte dutzende Hinterhof-Open-Air-Konzerte und Bill Fontanas Klanginstallation "Sonic Projections" veränderte den Stadtraum akustisch. In der neu gestalteten Augartenbucht konnte man die spektakuläre Hydrowand von Markus Wilfling und Rainer Prohaskas Murfähre erleben. "Das meisten Veranstaltungen waren bei freiem Eintritt", blickte Mayer zurück.

Der Programmmanager machte auch neugierig auf Kommendes: Das "Häfntheater" mit Insassen der Justizanstalt Karlau etwa, in dem es um "unzählige nicht erzählte Geschichten, elf Menschen, eine totale Institution" geht, wie es im Pressegespräch hieß. Für die künstlerische Leitung zeichnet die Theaterpädagogin Julia Gratzer verantwortlich, die Projektleitung hat Josef Riedl, Seelsorger der Justizanstalt, inne. Gemeinsam mit den Häftlingen wollen sie ein Theaterstück, das Literatur, Theater und das reale Leben durchmischt, erarbeiten, das in der Justizanstalt selbst aufgeführt werden soll. Als literarische Grundlage dient Nestroys "Lumpazivagabundus". Sechs Monate lang wollte man wöchentlich miteinander arbeiten, im Februar 2020 hätte die Premiere stattfinden sollen, jetzt ist man froh, wenn die Aufführung bis zum Sommerende überhaupt realisiert werden kann. "Die Truppe haben wir jedenfalls schnell zusammengehabt, das war überhaupt kein Problem. Jetzt scheuen wir, wie es weitergeht", sagte Riedl.

"Wir hätten uns ein anderes Jahr gewünscht", bezog sich Kulturstadtrat Riegler auf die coronabedingten Rahmenbedingungen: "Begonnen hat das Kulturjahr fulminant im Stephaniensaal, dort wo es jetzt mit Massentestungen endet. Aber es ist uns gelungen, wichtige Projekte ins nächste Jahr zu ziehen." Er präsentierte eine Marktanalyse unter rund 750 Personen, wonach 94 Prozent den Ansatz, Kunst, Kultur und Wissenschaft direkt zu den Menschen zu bringen, begrüßten. Weitere 75 Prozent der Befragten hätten sich gewünscht, dass die Programmansätze auch nach dem Kulturjahr fortgesetzt werden.

Im GrazMuseum wird es etwa im Frühjahr die Ausstellung "Die Stadt als Datenfeld" geben, die das Leben in der post-digitalen Stadt thematisiert. Auch das künstlerische Experiment mit zwei tanzenden Robotern - "Nessun Dorma" - wird sich der Frage zuwenden, wie künstliche Intelligenz die Arbeits- und Alltagswelt, aber auch das künstlerische Schaffen selbst verändern wird. Eine rund 100 Quadratmeter große Waldoase mitten in der Innenstadt - der Klima-Kultur-Pavillon des Breathe Earth Collective - wird Passanten zum Abkühlen und Verweilen und zum Nachdenken über Umwelt und Klima einladen.

(S E R V I C E - www.kulturjahr2020.at)

Quelle: Agenturen