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"Danke, Franz!": Zweiter Tag mit Rushdie in Heidenreichstein

Heute, 19:53 · Lesedauer 3 min

Reger Publikumszulauf und Standing Ovations auch am zweiten Tag des 20. Festivals "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein im Waldviertel: Zahlreiche prominente Mitwirkende - von Stefan Bachmann bis Katja Riemann, von Michael Maertens bis Erika Pluhar - erwiesen dem Ehrengast Salman Rushdie am Montag ihre Reverenz und lasen aus seinen Werken. Rushdie selbst outete sich im Gespräch mit Katja Gasser u.a. als Kafka-Fan: "Danke, Franz!"

Zu aktuellen Entwicklungen etwa in Gaza, in den USA oder im Iran wollte sich Rushdie nicht dezidiert äußern. Warum aber, fragte Gasser, stoßen sich Machthaber an der Kunst? "Weil wir gefährlich sind", so die Antwort. Autoritäre Machthaber wollen das offizielle Narrativ kontrollieren. Diese Kontrolle bilde das "Herzstück autoritärer Regimes".

Der Übersetzer Bernhard Robben hatte zuvor in seinem Vortrag über den "Größenwahn" seiner Tätigkeit gesprochen. Übersetzer seien "Kuriere des Geistes", meinte Robben - eine Einschätzung, die Rushdie teilt: "Übersetzung ist die unterschätzteste literarische Kunstform, für die ich voll Dankbarkeit und Bewunderung bin."

Die Literaturgeschichte vergleicht Rushdie mit einem Staffellauf. Er sei als begeisterter Leser davon überzeugt, dass Bücher einander beeinflussen. "Wir alle haben unvollendete Geschichten, niemand kennt das Ende seiner eigenen Geschichte, und wenn es da ist, ist es schon zu spät." Ob das Erzählen von Geschichten die Menschen zum Besseren verändern kann? Vielleicht, aber bei Donald Trump sei er nicht sicher.

Ob sich das Verhältnis zur Fiktion durch zunehmende Fake-Phänomene geändert habe? Hier legt Rushdie Wert auf eine klare Unterscheidung: "Fiktion ist eine Sache, aber Lügen eine andere." Geschichten zu erzählen diene der Wahrheit. Schreiben bedeute auch, auf die Bedürfnisse der Charaktere einer Handlung zu hören. Ob er also auch als Autor Demokrat sei? Nein, scherzt Rushdie, da sei er ein Diktator, aber ein ineffizienter.

Wie sterben? "I would prefer not to"

Als zweifacher Emigrant ist Rushdie überzeugt, dass Migration unser Leben bereichert, nicht nur kulinarisch. Wer kulturelle Vielfalt fürchte oder ablehne, sei gefährlich. Doch gelte das Prinzip der Meinungsfreiheit auch für Meinungen, die man nicht teile. Das sei oft schwierig, aber notwendig.

Ob er ein gutes Verhältnis zum Trotz habe? Nein, er wolle immer vorausschauen, nie zurück. Das bestätigte sich auch im abschließenden "Fragebogen": Was ist Ihre größte Leistung? "Weitermachen!" Wie würden Sie gern sterben? Da zitiert Rushdie Melvilles Bartleby: "I would prefer not to!"

(S E R V I C E - Heidenreichstein, Literatur im Nebel. Information: www.literaturimnebel.at)

Zusammenfassung
  • Am zweiten Tag des 20. Festivals 'Literatur im Nebel' in Heidenreichstein wurde Salman Rushdie als Ehrengast von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten gefeiert, die aus seinen Werken lasen.
  • Rushdie betonte im Gespräch seine Bewunderung für Franz Kafka ('Danke, Franz!'), lobte Übersetzer als 'Kuriere des Geistes' und hob die Bedeutung von Meinungsfreiheit und Migration hervor.
  • Zur Rolle der Kunst in autoritären Regimen sagte Rushdie: 'Weil wir gefährlich sind', und zitierte zum Thema Tod Melvilles Bartleby mit 'I would prefer not to!'.