APA - Austria Presse Agentur

Corona-Cluster an Wiener Musikuni betrifft auch Staatsoper

14. Sept 2020 · Lesedauer 3 min

Ein Corona-Cluster in Zusammenhang mit einer Aufführung der Wiener Musikuni hat bisher zu 24 bestätigten Corona-Fällen geführt.

Eine Vorstellung von "Die lustige Witwe" des Universitätslehrgangs Klassische Operette der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) am Theater in der Gumpendorfer Straße (TAG) sorgt gerade dafür, dass der Wiener Opernszene das Lachen vergeht: 24 Coronafälle wurden bisher bestätigt, an der Wiener Staatsoper mussten heute bereits zwei Umbesetzungen vorgenommen werden.

"Am 6. September wurde die Covid-19-Taskforce der MUK darüber informiert, dass bei den Beteiligten einer Operettenproduktion eine Person positiv auf Corona getestet wurde", schilderte MUK-Pressesprecher Bernhard Mayer-Rohonczy in einer Stellungnahme den Verlauf. "Es wurden sofort alle weiteren Vorstellungen gestoppt und die vorgeschriebenen Informationen an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Kontaktpersonen wurden, soweit bekannt, informiert, unter Quarantäne gestellt und getestet. 

Umbesetzungen an Staatsoper

Montagabend mussten infolge dieses Clusters an der Staatsoper zwei Umbesetzungen vorgenommen werden: Das Dirigat von "Elisir d'amore" übernimmt Evelino Pidò, die Rolle des Nemorino singt Javier Camarena. Beide Änderungen seien im Rahmen der Nachverfolgung aller Kontaktpersonen eines positiv getesteten Mitglieds des Opernstudios der Staatsoper notwendig geworden, hieß es dazu aus dem Haus am Ring. Diese Person hatte am 6. September als Zuseherin die Vorstellung im TAG besucht, bei der 61 Besucher anwesend gewesen sein sollen, und wurde in der Folge positiv getestet.

"Sie befindet sich seitdem in Quarantäne. Schon vor der Verständigung durch die Behörde hatte diese Person allerdings an einer Ensembleprobe teilgenommen, wodurch es nun am Haus zu den weiteren Ansteckungen gekommen ist", hieß es in einer Stellungnahme der Staatsoper. "Die Staatsoper hat alle direkten und indirekten Kontakte der betroffenen Person sofort isoliert und unterzieht sie täglichen Testungen, um eine weitere Ausbreitung der Infektion am Haus zu unterbinden."

Angeblich Tanzszenen unter Zuschauern

Bei der Vorstellung im TAG sei er selbst nicht anwesend gewesen, erklärte Staatsoperndirektor Bogdan Roscic in einer Stellungnahme gegenüber der "APA": "Aber Besucherinnen und Besucher berichten unter anderem von Tanzszenen im Zuschauerraum, also einer Vermischung zwischen Bühne und öffentlichem Bereich, die eigentlich undenkbar sein sollte. Falls diese Berichte wahr sind, handelt es sich um eine schockierende Verantwortungslosigkeit. Auch unsere Kollegin, die nur als Publikumsmitglied mit Maske anwesend war, wurde zu spät verständigt, um sie sofort zu isolieren. Unser ganzer Fokus liegt nun darauf, eine Ausbreitung an der Staatsoper zu verhindern und die Gesundheit unserer betroffenen Kolleginnen und Kollegen wiederhergestellt zu sehen."

TAG-Chef: "Ansteckungen nur bei den Proben"

"Es gibt keinen Theater-Cluster des TAG, sondern einen Proben-Cluster der Musikuni", wehrt sich Ferdinand Urbach, kaufmännischer Leiter des Theaters in der Gumpendorfer Straße (TAG). Es habe sich um einen eingemietete Veranstaltung gehandelt, sagte Urbach gegenüber der "APA". Das Präventionskonzept des Hauses sei streng.

Die Ansteckungen seien ausschließlich bei den Proben und nicht bei der Vorstellung passiert, stellte Urbach klar.  Sämtliche TAG-Mitarbeiter seien sowohl vor Aufnahme des Betriebs sowie nun im Zuge des festgestellten Clusters getestet worden - der einzige positive Fall betreffe einen Lichttechniker, der direkt in die Proben zur MUK-Produktion von "Die lustige Witwe" involviert gewesen sei.

Der Artikel wurde am 14.09.2020 um kurz vor 21 Uhr um die Äußerungen von Ferdinand Urbach ergänzt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb