APA - Austria Presse Agentur

"Bücher machen den Unterschied": "Buch Wien" eröffnet

09. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Heute, Mittwoch, Abend ist in der Halle D der Messe Wien die dreizehnte Auflage der "Buch Wien" eröffnet worden. Im Vorjahr musste die Buchmesse coronabedingt abgesagt werden. Heuer findet sie unter 2G-Bedingungen statt: Es dürfen nur Geimpfte und Genesene in die Halle, dafür kann man sich ohne Masken frei bewegen. Die Eröffnungsrede für geladene Besucher hielt die Philosophin Isolde Charim, zum Eröffnungskonzert von Attwenger war dann auch das normale Publikum zugelassen.

"Unser demokratisches Universum hat in letzter Zeit zwei massive Erschütterungen erfahren", begann Charim ihre Rede. "Die eine Erschütterung teilen wir mit dem Rest der Welt - nämlich die Pandemie samt den so genannten 'Querdenkern' in ihrem Schlepptau. Die zweite Erschütterung aber gehört uns ganz exklusiv: Das harte Aufprallen des so genannten 'System Kurz' an der Öffentlichkeit. Diese demokratischen Notfälle, oder um mit Angela Merkel zu sprechen: diese demokratischen Zumutungen ereilen uns nahezu zeitgleich." Man habe in Österreich erleben müssen, dass "die demokratische Regierungsform auch bloß instrumentell gebraucht werden" könne - "als Fassade, als PR-Tool, als Machtinstrument. (...) Andererseits haben wir auch gesehen, dass die Justiz intervenieren kann. Dass solches Folgen haben kann. Dass solches sogar zu Rück- oder Seitentritten führen kann. Dass also die Gewaltenteilung funktioniert."

"Demokratie ist heute unantastbar", so Charim. Doch "Demokratie hat ihre Bedeutung verändert. Genauer gesagt: Die Bedeutung des demokratischen Mythos hat sich verändert. Denn dieser meint heute: individuelle Freiheit." Das führte die Rednerin "zur zweiten derzeitigen Erschütterung der Demokratie: der Pandemie." Diese habe die sichtbare Rückkehr des Staates gebracht, der Entscheidungen treffen müsse. "Querdenker" treten "im Namen der Demokratie auf gegen das, was sie eine 'Diktatur' nennen. Diktatur eben weil der Staat als Entscheidungsgewalt derart sichtbar geworden ist." - "Die neue Realität einer staatlichen Entscheidungsgewalt und der Mythos von der individuellen Freiheit, sie weisen heute auseinander", sagte Charim und folgerte: "Demokratie braucht einen neuen Glauben. Einen Glauben, der sich nicht auf die individuelle Freiheit beschränkt."

Benedikt Föger, der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, hatte zuvor von einer "ungewöhnlichen Buch Wien", gesprochen, die mitten in einer neuen Corona-Welle stattfinde: "Möglicherweise haben wir ein glückliches Zeitfenster erwischt." Die Buchbranche habe jedoch die bisherige Pandemie "besser überstanden, als viele befürchtet haben": "Die Stimmung in der Branche ist gut. Es wird dennoch eine andere Messe werden." Er betonte die Bedeutung der Messe als Ort für Meinungsfreiheit, Dialog und Diskussion. Auch hierzulande festgestellte Versuche, "die Medien zu korrumpieren und zu kontrollieren", seien "unverschämt, kleingeistig, arrogant und kriminell".

Im Rahmen der folgenden "Langen Nacht der Bücher" wird auch der russische Messestand feierlich eröffnet. Russland ist das erste Gastland in der Geschichte der "Buch Wien". "Welches Gastland wäre mehr geeignet als Russland - die Großmacht der Weltliteratur?", fragte Föger. Auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) nannte Russland "eine wahrhaft große Literaturnation" und freute sich: "Die Buch Wien ist zurück." Sie verwies auf Unterstützungspakete für die Buchbranche und eine Erhöhung des Kulturbudgets. "Bücher haben Leserinnen und Leser und nicht Follower. Bücher machen den Unterschied." Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hob den neuen Debatten-Schwerpunkt der Buchmesse hervor: "Es geht nicht nur um Warenaustausch, es geht auch um Gedankenaustausch - über alle Grenzen hinweg."

Bis 23 Uhr warten schon am heutigen ersten Abend mit Eva Menasse, Doris Knecht Sebastian Fitzek und Michael Köhlmeier hochkarätige Autorinnen und Autoren auf die Besucher. Bis Sonntag sind auf 12.000 Quadratmetern 323 Aussteller vertreten. Nicht nur in der Messehalle gibt es Programm: An insgesamt 23 Veranstaltungsorten werden über 500 Autoren und Mitwirkende erwartet. Vor zwei Jahren wurden auf der "Buch Wien" 55.000 Besucherinnen und Besucher gezählt

(S E R V I C E - Buch Wien, Messe Wien, Halle D, Mittwoch, 10.11. 19:30 - 23:00 Uhr, Donnerstag, 11.11. 9:00 - 18:00 Uhr, Freitag, 12.11. 9:00 - 18:00 Uhr, Samstag, 13.11. 10:00 - 19:00 Uhr, Sonntag, 14.11. 10:00 - 17:00 Uhr, https://www.buchwien.at)

Quelle: Agenturen